Vor vier Jahren brachte Sam Harris sein Buch "The End of Faith" auf den Markt. Das Ergebnis ist, dass er heute nur noch von einem Leibwächter begleitet sein Haus verlassen kann. Harris kompromisslose Abrechnung mit der Irrationalität und den Gefahren der drei monotheistischen Religionen hat in den USA vielen Menschen vor den Kopf gestoßen. Und auch sein neues Buch "Brief an ein christliches Land" (Original: "Letter to a Christian Nation") wird nicht gerade die Herzen der Evangelikalen im Sturm erobern. In einem imaginären Brief an einen (amerikanischen) Christen bringt Harris seine vernichtende Kritik präzise auf den Punkt.
"Christians have abused, oppressed, enslaved, insulted, tormented, tortured, and killed people in the name of God for centuries, on the basis of a theologically defensible reading of the Bible" (23). Auf nur gut 90 Seiten zeigt Harris zuerst anhand einiger Passagen aus dem Alten und Neuen Testament, dass sich die Bibel mitnichten dazu eignet, als Grundlage von moralischen und ethischen Handlungsmaximen anerkannt zu werden.
Noch heftiger geht Harris mit den schwachsinnigen Dogmen des Islam ins Gericht, die jedes auch noch so brutale und menschenverachtende Verbrechen mit irgendeinem Koranvers zu rechtfertigen wissen. Als Grundübel sieht der Autor die Überzeugung jeder monotheistischen Religion, dass Zweifel an der jeweiligen "Wahrheit" etwas Negatives und Verdammungswürdiges darstellen. Religion ist der einzige Lebensbereich, in dem der Glaube an etwas, was nicht nachgewiesen werden kann, nicht nur akzeptiert, sondern gar als eine Leistung betrachtet wird.
Seine Position als Atheist definiert Harris folgendermaßen: "Atheism is nothing more than the noise reasonable people make in the presence of unjustified religious beliefs" (51).
Fazit: Diese kurze Darstellung ist primär an ein amerikanisches Publikum gerichtet, wo die Anzahl derjenigen, die die Evolutionslehre ablehnen und ernsthaft glauben, dass die Welt vor 6000 Jahren innerhalb von sieben Tagen geschaffen wurde, geradezu obszön hoch ist. Wer mehr an der Thematik interessiert ist, dem seien die ausführlicheren Darstellungen "Breaking the Spell" von Daniel Dennett und "The God Delusion" von Richard Dawkins empfohlen, die beide 2006 auf den Markt gekommen sind