Anders als Vassilievs Buch über Saudi-Arabien, das erst im 19. Jahrhundert beginnt, erzählt Wynbrandt hier schon aus der vorislamischen Zeit, was sehr interessant ist, denn die Araber waren vor dem Islam etwas anders als heute. Der Autor schreibt sehr verständlich und doch tiefsinnig. Im 9. Jahrhundert war die Blütezeit der Araber. In den Wissenschaften und bei Übersetzungen aus dem Griechischen und dem Indischen waren sie führend. Während wir Europäer uns im Mittelalter im Dreck wühlten, uns von der Kirche beherrschen ließen und mit Infektionskrankheiten kämpften, hatten die Araber Bäder und lernten viel über Philosophie, Chemie und Architektur. Allerdings hatte auch das bald ein Ende. Ein arabischer Geistlicher meinte, dass die Philosophie das Tor zur Hölle sei und deshalb unterbunden werden müsse, weil sie die Religion untergrabe. Und so hörte das Wissen auf und die Religion gewann die Oberhand. Wenn die Araber nicht gewesen wären, hätte es die Renaissance nie gegeben, denn erst mit dem Erlernen der arabischen Sprache kam das Wissen der Griechen auf uns, und die Europäer begannen, sich wieder mit der Antike zu beschäftigen, was langsam zur Aufklärung führte, wo die Religion immer weniger zu sagen hatte und heute in Ländern wie Deutschland nur noch Privatsache ist. Hätten sich die Araber vor dem Wissen nicht so erschreckt, wären auch sie eine Wissensgesellschaft geworden. Heute beherrscht aber die Religion Länder wie Saudi-Arabien. Es gibt in diesem Land zum Beispiel keine Menschenrechte. Aber es kann sein, dass in 1.000 Jahren alle Länder der Erde sich der Wissensgesellschaft anschließen und sich von Religion nicht mehr bevormunden lassen. Wynbrandts Buch ist ein Meisterwerk. Es ist sehr schade, dass es solche Bücher nicht auf deutsch gibt.