So und nicht anders muß es gewesen sein. Auch wenn man die Zeit, in der dieser Film spielt, nicht selbst erlebt hat, "weiß" man: das hier ist so authentisch, so lebensnah, so tief empfunden, daß es nicht anders gewesen sein kann.
Ein großartiges Sittengemälde: Charles Ryder erzählt in einer Rückschau von seiner Oxforder Studentenzeit Anfang der 1920er Jahre. Er lernt an der Uni den charismatischen Sebastian Flyte kennen; Sproß einer der wenigen katholischen Adelsfamilien Englands. Auch wenn sie letztendlich kein langes Stück Lebenswegs gemeinsam gehen, wird Charles durch die Bekanntschaft mit den Marchmains doch beeinflußt und geprägt.- Es ist die Variation eines Themas: junge Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben; nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens, auch und gerade in Zeiten politischen und gesellschaftlichen Umbruchs. Was die anderen Marchmains dazu beitragen, und wie sich Sebastians und Charles' Freundschaft entwickelt, davon handelt diese phantastische Verfilmung. Schauplätze und Darsteller sind einfach wunderbar gewählt, und in diesen elf Folgen von "Brideshead Revisited" wird jeder seinen Lieblingsplatz und -charakter finden, was den Eindruck verstärkt, den die Erzählung selbst schon hinterläßt. Es ist ein nüchterner, aber auch wehmütiger Blick zurück, der einen sehr nachdenklich macht; es ist ein Blick auf und in eine im Verfall begriffene Gesellschaft, die viele als "das" oder das "gute alte" England betrachten. Charles Ryder bzw. Evelyn Waugh durchleuchtet dieses dinosaurierhafte Dasein schonungslos, auch wenn er es einfach nicht fertigbringt, darüber zu richten - dazu steckte er zu tief drin, dazu war die Zeit mit Sebastian einfach zu schön (allein, wie sie sich kennenlernen! Oder Sebastians Teddy Aloysius ... sofort fallen einem x Anekdoten ein, und man lächelt wie über eine persönliche, liebe Erinnerung.).
Zur DVD-Edition selbst: selbstredend ist der Preis n i c h t zu hoch ;) die kartonierte Mappe steckt in einem stabilen Schmuckschuber. Wichtig evtl.: es sind keine Untertitel vorhanden. Es empfiehlt sich also möglicherweise, den Roman bereitzuhalten, wenn man ihn nicht sowieso schon gelesen hat, was ja eigentlich immer sinnvoll ist, allein um schon den Stil des Autors kennenzulernen. Es ist ein wunderbares Stück Literatur, und die Verfilmung hat es genial umgesetzt.