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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Reis und Dal, 27. Januar 2005
Von Ein Kunde
Brick Lane ist eins der wunderbarsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Der Titel ist der Name einer Straße im Osten Londons, in der es ein indisches Restaurant neben dem anderen gibt und wo in großen Nähstuben Designermode imitiert wird. So wird in diesem Buch auch hauptsächlich genäht und gekocht. Wer spannende Action erwartet, der wird enttäuscht. Es geht ganz langsam, es wird gewartet und hingenommen, geplant und verschoben, bis schließlich die Ereignisse des 11. September nicht nur die große Welt, sondern auch die kleine Welt von Nazneen in den Tower Hamlets verändern. Dieses Buch ist viel mehr als eine Milieustudie bengalischer Einwanderer oder ein Buch über den Islam. Es ist vor allem ein Buch über den größten Schritt, den ein Mensch vollziehen kann: aus der Passivität hinein in ein aktives, selbstbestimmtes Leben. Monica Ali beschreibt Nazneens Reifungsprozess in einer wunderbaren, einfachen Sprache, die voller unerwarteter kleiner Schätze steckt, die man am liebsten anstreichen und rausschreiben möchte. Dies ist eins der Bücher, die beim zweiten Lesen umso reicher erscheinen. Es ist ein stilles, langsames und sehr weises Buch, und wer hineintaucht, wird reich belohnt werden.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mir gefällt's!, 3. August 2004
Ich habe jetzt sowohl die englischen Rezensionen als auch die deutschen gelesen und bin total überrascht, dass das Buch einigen offenbar so gar nicht gefällt. Ich finde Monica Ali schreibt hier eine sehr genaue Millieustudie, zeigt das Leben bengalischer Frauen in London in den 80er Jahren. Vielleicht erscheint vielen Frauen, die sich ein Leben als Hausfrau gar nicht vorstellen könnten, das Leben von Nazneen unglaublich langweilig - aber dann haben sie vielleicht den Sinn des Buches nicht verstanden und lesen nicht zwischen den Zeilen.Meiner "Vorschreiberin" würde ich vorschlagen, Bücher genau zu lesen. Ich lese Brick Lane zwar auf Englisch und will mir deshalb kein Urteil über die deutsche Übersetzung erlauben und es ist sicher richtig, dass die Übersetzungen oft grottenschlecht sind (read more Englisch, why don't you?!). ABER zu Hasinas Briefen sagt Ali schon etwas, nämlich, dass Hasina einfach drauf los schreibt und sich über Grammatik und dergleichen wenig Gedanken macht, während Nazneen immer stundenlang an ihrer Grammatik feilt und dann am Ende völlig unspontane und kurze Briefe schreibt - daher der seltsame Stil der Briefe von Hasina (ist im englischen auch so!) Ich kann das Buch auf jeden Fall weiter empfehlen, wenn jemand eine Milieustudie lesen will. Leichte Unterhaltung ist es meiner Meinung nach nicht.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Aufbruch ohne Ankunft, 7. März 2007
Brick Lane erzählt die Geschichte der Bengalin Nazneen, die fast für eine Totgeburt gehalten wird. Nachdem sich das Mädchen aber entschließt doch zu leben, erlebt sie in ihrer Jugend so einiges. Das erste Mal, als ihr Leben ein bisschen aus den Fugen gerät, ist, als ihre jüngere Schwester Hasnia mit einem Mann aus dem Dorf durchbrennt, um diesen gegen den Willen ihres Vaters zu heiraten. Hasnia kann somit nicht mehr nach Hause zurückkehren...
Nazneen beschließt, sich dem Willen des Vaters zu beugen und heiratet den fast zwanzig Jahre älteren Chanu, der nicht nur wesentlich älter ist als sie, sondern auch recht unansehnlich wirkt. Sie folgt ihrem Mann nach London, genauer gesagt in die Brick Lane, eine Straße in der fast nur indische, bengalische und pakistanische Immigranten wohnen. Chanu, ebenfalls Bengale kümmert sich wenig um seine Frau, er geht zur Arbeit, bringt die Lebensmittel nach Hause und Nazneen ist vor allem zu Hause: putzt, kocht und schaut zum Fenster hinaus.
Monica Ali schreibt einfach, ohne Spitzfindigkeiten, beinah ohne große Raffinesse; ihr Stil ist klar und gut verständlich. Es gelingt ihr, einen sehr subtilen Humor einzubauen. Auch das Auftreten der geldgierigen Mrs. Islam entbehrt nicht einer gewissen Komik. Andere Stellen wiederum sind sehr gefühlvoll und sensibel gestaltet, so z.B. die Kindheit der Mädchen oder der Tod des Sohnes. Auch die Briefe der Schwester, deren Sprache extrem einfach und voller Fehler ist, bilden einen reizvollen Kontrast zum Grundton.
Besonders gelungen fand ich das Vermeiden von Schwarz-Weiß-Malereien. Ali wird ihren Romanfiguren gerecht, sie zeichnet keine Schemata, die für irgendetwas stehen sollen, sondern sie beschreibt Individuen. So ist Chanu zwar einerseits der typische bengalische Mann, der wie selbstverständlich davon ausgeht, dass Frauen den Männern zu dienen haben; auch wird er mit all seinen Fehlern (und das sind weiß Gott nicht wenige) gezeigt, dennoch gerät er nie zur Karikatur. Ali beschreibt ihn als Mensch mit Träumen, mit Anstand, gutem Charakter und letztendlich mit mehr Größe als gedacht...
Das Thema radikaler Islam im heutigen England bietet sich gerade zu an, Polemik zu betreiben. Auch hier gelingt es Monica Ali, auf sensible Weise ein Annäherung an die möglichen Motive dieser "angry young men" zu skizzieren. Keiner wird bei ihr in eine fertige Schublade gesteckt.
Das größte Plus ist meiner Meinung nach der Schluss: sehr viele ansonsten gute Romane scheitern an einem entweder zu glücklichen, zu unglaubwürdigen oder zu holprigen Ende. Beim Lesen des Buchs dachte ich mir immer, wie sie diesen Konflikt lösen wird? Ich kann nur eines sagen, er ist ihr gelungen.
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