Im Jahr 1260 bereitet sich der junge Schotte Will auf seine Zukunft als Tempelritter vor, während gleichzeitig der Stern von Emir Baibars zu steigen beginnt, der es sich zum Ziel machen wird, die "Franken" aus dem sog. Heiligen Land zu vertreiben. Unter der Fuchtel des gestrengen Templerpriesters Everard merkt Will schließlich, daß es innerhalb des Ordens Geheimnisse gibt, die u.a. dazu geführt haben, daß sein Vater, auch Tempelritter, ins Heilige Land geschickt wurde. Für ihn will er dem Orden beitreten, um seine Vergebung zu erlangen. Dann gibt es da noch ein geheimnisvolles Gralsbuch, das den Untergang des Ordens bedeuten könnte, wenn es in die falschen Hände gerät.
Braucht die Welt wirklich noch einen Roman über Templergeheimnisse? Eventuell, wenn er gut geschrieben ist, sich die Autorin etwas dabei gedacht hat und ihre Geschichte schön in die überlieferte Geschichte, speziell natürlich die des Templerordens, einfaßt. Und genau daran hapert es in diesem Buch.
Das Geheimnis an sich, die sog. "Seele des Tempels" ist nett ausgedacht und hübsch verknüpft mit den Geheimnissen um die Gralslegenden. Die Umsetzung aber ist katastrophal. So erzählt Everard zB Will, daß der Ursprung für alles beim Templergroßmeister Gerhard von Ridefort liegt, der einzig und allein Schuld sei am fast vollständigen Untergang des Königreichs Jerusalem ca. 80 Jahre zuvor.
Rainald von Chatillon? Wer mag das sein? Den und seine stets gebrochenen Waffenstillstände, die das ihre zu den tragischen Ereignissen beigetragen haben, scheinen weder Everard noch Young zu kennen, was erstaunt.
Die Templer hier führen ein ausgesprochen lockeres Leben. Sie gehen im Temple allein ein und aus wie es ihnen Freude macht, schreiben und empfangen ungehindert Briefe, sprechen von ihren Frauen und Kindern oder daß man halt einfach heimlich heiratet und daß sie so gerne ihre Familien wieder zu Macht und Einfluß bringen wollen.
Baibars' Geschichte parallel zu erzählen ist ein guter Ansatz, der allerdings auch scheitert. Natürlich hat er nicht aus Glaubensgründen oder Machtgier den Wunsch, die christlichen Reiche Outremers zu vernichten - das wäre ja politisch unkorrekt! - sondern weil der arme Kerl durch seine Vergangenheit als Sklave ein Frankentrauma hat. Zu den Mamelucken kam er übrigens im stolzen Alter von ca. 18 Jahren, nicht etwa als Kind.
Und das sind nur die auffälligsten Absurditäten. Obwohl immer wieder der Versuch gemacht wird, sich der Geschichte anzunähern, sieht man durch eine Reihe von Fehlern, daß die Autorin den Geschichtsabschnitt, den sie hier zu behandeln versucht, bestenfalls grob überblicksmäßig studiert hat.
Rein erzählerisch ist die Geschichte ganz nett geschrieben, aber auch hier setzt sich das gleiche traurige Phänomen fort. Sobald eine Figur interessant erscheint, kann man ihr auch schon das Begräbnis ausrichten. Der junge Held Will ist bedauerlicherweise eher blaß. Daß er als love interest das typische Mädl hat, das sich so gar nicht in ein mittelalterliches Leben einfügen will, fällt dabei kaum noch ins Gewicht.
Ein netter Versuch, der in meinen Augen aber gescheitert ist. Für weniger pingelige Leser mag sich das Lesen lohnen, die anderen aber seien hiermit gewarnt.