BRESSER Fernglas Spezial-Jagd 11x56Ich gebe "Simon" recht.
Das Händling mit den Finger-Mulden oben und unten ist ausgezeichnet. Die dunkelgrüne Gummi-Oberfläche, das Finish, die Solidität und die Bedienung (Fokussierung, Dioptrien-Einstellung) einfach grosse Klasse !.
Dieses Glass (Porro-Konstruktion) gefällt mir viel besser als das "Diorit" (Dachkant), es ist m. E. auch besser durchdacht, hat eine präzisere Abbildungsleistung und ist obendrein noch wesentlich billiger !
Alle Abdeckungen sind an das Fernglas befestigt, die Tragetasche mit Klettverschluß ist praktischer als die mit dem Reißverschluß, hat ebenfalls eine Aussen- und eine weitere Innentasche und ist hochwertig.
Aber das Beste ist die Abbildungsleistung.
Zunächst, entgegen meiner Befürchtung, komme ich mit 11x ohne Stativ sehr gut aus, das Bild tanzt nicht. Ein Stativanschluß ist aber im Gegensatz zum Diorit vorhanden und die Abbildung ist einfach deutlich besser als beim 8x56.
Die Auflösung ist verbluffend und steht Ferngläser, die ein Vielfaches kosten, in nichts nach (zumindest bei meinem Exemplar).
Ich kann in 60 m Entfernung die einzelnen Nadeln einer Tanne noch sehr präzis erkennen. Das sehfeld ist mit 105 m / 1.000 m angenehm breit, das Bild ist dank der großen Okulare sehr groß dimensioniert, kontrastreich und sehr, sehr plastisch. Ich habe nichts zu bemängeln, weder unzureichende Schärfe am Rande, noch Farbsäume oder Verfärbungen, es ist einfach alles in Ordnung. Aber das schönste ist der sichtkomfort. Ich kann das Fernglas sowohl mit als auch ohne Brille benutzen und das Sehvergnügen ist enorm, vergleichbar mit meinem Eschenbach Trophy AS/P mit allen Schickanen, nur für einen Bruchteil des Preises.
Um in dem Genuß der präzisen Auflösung dieser Optik muß man allerdings sehr, sehr genau und feinfühlig an der Einstellung arbeiten. Einmal weil die Dioptrien-Einstellung sehr kurzsichtige Menschen nicht bedacht hat und zweitens weil die Tiefenschärfe sehr gering ist.
Man muß also schon überlegen, ob man das Glas mit oder ohne Brille benutzen möchte und die Dioptrie rechts genau einstellen, weil sie ist natürlich anders mit als ohne Brille. Bei mir reicht die Einstellung ohne Brille nicht ganz: Ich muß mich für eine Seite mit der optimalen Schärfe entscheiden.
Es fällt auf, daß der Schärfebereich sehr gering ist und nur wenige Meter beträgt.
Daher muß mindestens ein Finger an der Fokussierung bleiben und auf Bruchteile von mm spielen um nach dem besten Abbildungsergebnis zu suchen, umso mehr wenn das Objekt sich bewegt. Die Übersetzung ist vielleicht etwas zu "direkt" bzw. zu kurz. Die Zentralfokussierung ist auch etwas schwergängig, erfordert deutlich mehr Kraft als beim Nikon, Olympus, Minolta, Eschenbach etc., das paßt aber gut im Konzept, weil wie gesagt, man muß sehr feinfüllig und vorsichtig damit umgehen.
Für den geübten Beobachter ist es eigentlich kein Problem, aber Menschen, die diese Geduld und Feingefühl nicht einbringen wollen, sollten lieber zu einem anderen Fernglas, vielleicht das Olypus 8x42, ein 8x50 oder 10x50 von Nikon in diese Preisklasse zurückgreifen, verlieren allerdings dabei etwas an Vergrößerung.
Zum Wandern ist das Glas mit rd. 1,5 kg eigentlich zu schwer, da sollte man lieber ein Nikon Travelite 8x25 oder ein kleines Zeiss mitnehmen, aber wenn das Schleppen kein Thema ist, dann gehört das 11x56 im Gepäck, weil es ein großartiges Seherlebnis beschert. Man braucht auch nicht in die Tasche zu fümmeln und die Deckel abzulegen oder zu suchen. Das Glas ist durch und durch praxisgerecht und komfortabel.
Nitrogen-Füllung und O-Ring-Abdichtung sucht man in der Beschreibung vergeblich. Aber ehrlich gesagt, das ist kein Fernglas für Kapitäne oder zum tauchen und dafür ist es rd. 200 Euro billiger.
Das Fernglas ist zweifellos das Geld wert und bietet für den Preis von rd. 120 Euro sehr viel optische Qualität, Solidität und Praktikabilität. Ich würde dieses Fernglas jederzeit wieder kaufen weiterempfehlen.