Bei der vorliegenden Neuerscheinung handelt es sich um ein 700seitiges Meisterwerk aus der Hand eines der brillantesten Historikers der Gegenwart, Norman Davies. Dieses Buch verschafft nun der Stadt in der Mitte Europas ihren verdienten Platz in unserer Geschichtsschreibung. Die Veröffentlichung wurde in 8 Kapitel aufgeteilt. So befasst man sich im ersten Kapitel mit der „Insel-Stadt", der Archäologie und Frühzeit bis 1000 nach Chr. Es folgen in weiteren Kapiteln die Geschichte der Stadt unter polnischer, tschechischer und deutscher Krone, die Stadt im Königreich Böhmen und unter Habsburger Monarchie, die Stadt im Königreich Preußen und im Deutschen Kaiserreich. Im 7. Kapitel befasst man sich mit der schlesischen Metropole in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus, 1918 - 1945. Man endet im 8. Kapitel mit „Wroc³aw" Wie Phönix aus der Asche, 1945 - 2000. Man findet damalige Eisenbahnverbindungen und Auszüge aus Reiseführern, um nur einiges aufzuzeigen. Zwei Bildabschnitte in der Mitte des Buches zeigen Bildnisse von Fürsten und Königen, Begebenheiten wie die Hochzeit der Heiligen Hedwig, der Schutzpatronin Schlesiens, Stadtansichten zur Zeit der Sozialen Revolution, der Kaiserlichen Größe und der Zerstörung 1945. Aber auch die als falsch bezeichnete „Abreise" deutscher Vertriebener nach dem Westen, polnischer Panzer zur Zeit des Kriegsrechts 1982 auf den Straßen der Stadt und die Flutwelle 1997 auf der Schweidnitzer Straße, werden bildlich gezeigt. In einem umfangreichen Anhang findet man die Dynastien der Piasten, Jagiellonen und Luxemburger, Karten der Schlesischen Kriege, der Schlacht um Breslau und die des Eisenbahnnetzes, um nur wenige zu erwähnen. Die Bischöfe sind ebenso wie die Nobelpreisträger erfasst. Auch ein deutsch-polnisches - polnisch-deutsches Ortsnamensverzeichnis findet man ebenso, wie ein umfangreiches Register. Er erschien nicht sinnvoll, die Veröffentlichung strikt auf die Ereignisse zu beschränken, die sich innerhalb der Stadtmauern Breslaus zutrugen. So stellen die Autoren fest, das Georg von Kopp, seit 1887 Fürstbischof von Breslau als ein wichtiger Streiter für die Diözese galt, ebenso das es keinen offenen Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken gab, es aber eine feindselige Einstellung der protestantischen Mehrheit zu verspüren vermag. Auch wird festgestellt, dass die polnischen Namen auf der Bischofsliste irreführend sind. Auf über 100 Seiten befassen sich die Autoren sehr ausführlich mit der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Sie stellen fest, dass sich zwischen 1918 und 1945 Breslaus „Deutschtum" mit immer größerer Intensität manifestierte. Auch die Bedrohung des deutschen Judentums durch Hitler wird festgehalten. Der größte Abschnitt gilt der Zeit nach 1945. Sie berichten von der Kapitulation Breslaus vom 6. Mai 1945, ebenso wie vom ersten Abtransport, dem Zug voller deutscher Vertriebener vom 6. Juli 1945. Ebenso machen sie die Feststellung, dass nie eine allgemeine Friedenskonferenz abgehalten wurde und ein endgültiger Friedensvertrag nie zustande kam, obwohl es in der Potsdamer Konferenz doch heißt: „Dass eine endgültige Festlegung der Westgrenze Polens bis zur Friedenskonferenz zurückgestellt werden soll". Sie berichten auch über die 1957 erfolgte Gründung der Deutsch-Sozial-Kulturellen Gesellschaft Breslaus. Ein weiterer Abschnitt gilt der Ostpolitik Brandts, den Jahrestreffen der Vertriebenen und der umstrittenen Mottowahl des Treffens 1985 „Schlesien bleibt unser". Die Autoren merken, das auch ein halbes Jahrhundert nach der Vertreibung die Verbindung zur Heimat gegenwärtig noch stark ist.Die „Blume Europas" war noch einmal erblüht. Alles in allem ein Meisterwerk, das nicht nur jeder Breslauer im Bücherschrank haben sollte, das man nicht nur als Geschichtsbuch oder Nachschlagewerk, auch als guten Tastsachenroman lesen kann.