Kindsein scheint Hoffnung und naives Zu- und Vertrauen als Basis zu haben. Kindsein braucht auch Sicherheit, um später erfahrene Unsicherheit wieder in Sicherheit umwandeln zu können. Zweig schafft es, den 12jährigen Edgar in die Rolle zu bringen als denjenigen, der die Schwelle zum Erwachsen werden so dringend und hoffend sucht, weil er kränkelnd sich nicht den Gleichaltrigen zuwenden kann. Aus diesem Grund vermisst er etwas - ist es Zuneigung, ist es Austausch, ist es Anerkennung? Jedenfalls bringt ihn die unerwartete Konversation mit einem Baron, der ihn aus seiner Sicht ernst nimmt, ihn auf der Schwelle abholt und ihn für einen langen Augenblick in die Welt der Erwachsenen entführt. Nur seine strenge Mutter erinnert ihn an das eigentliche Alter. In dieser Begegnung merkt er, das Erwachsen werden geprägt ist von Lug und Trug. Die Nettigkeit ihm gegenüber diente nur einem Zweck, nämlich ihn in eine Euphorie zu bringen, die es der Mutter so mitzuteilen gilt, dass selbst diese indirekt das Interesse des Barons an sich bemerken musste. Und auf diesem Wege des Kennen Lernens zwischen Erwachsenen wurde Edgar wieder auf seinen Platz verwiesen - das Kindsein. Den Missbrauch spürte er als zu deutlich, konnte sich aber eben nicht das dringende Bedürfnis des Alleinseins zwischen seiner Mutter und dem Baron vorstellen und vermutete zu Recht ein „brennendes Geheimnis", das es aufzuspüren galt.
Zweig schweigt in den Details, der geneigte Leser ist aufgefordert, sich selbst die Tat vorzustellen als final oder nur auf dem Wege dorthin. 1913 veröffentlicht, ist diese Erzählung ein Indiz für die gesellschaftlich unterdrückten Bedürfnisse, für die fehlende Emanzipation zwischen Mann und Frau und der immerwährenden Präsenz eines kontrollierenden Ehemannes.
Edgar, so kann man sagen, wurde über die Schwelle bewegt zum Erwachsensein, weil er den Trug der Erwachsenen kennen lernen durfte und diesen vermeintlich realen Misstritt seiner Mutter mit ihr als Geheimnis gegenüber dem Vater zu bewahren hatten.
Diese Erzählung scheint der Ursprung einer ihr folgenden Novelle zu sein, die Zweig im Jahr dieser Veröffentlichung schrieb, „ANGST". Auch hier tritt die Verbindung einer Frau aus scheinbar intakter Familie zu einem unbekannten Dritten in den Vordergrund. Man spürt förmlich den Zeitgeist in beiden Stücken, den Zeitgeist einer psychologisch aufstrebenden Stadt Wien mit den Herren Freud, Adler und Jung.