Der Schriftsteller Ben Maers kehrt nach vielen Jahren nach Jerusalems Lot zurück, eine Stadt, aus der er wegen traumatischer Erlebnisse seines früheren Lebens weggezogen ist. Weil er einen Ort als Inspirationsquelle zum Schreiben eines neuen Buches sucht und weil dieser Ort für ihn immer sein wahres Zuhause geblieben ist, lässt er sich eine Zeit lang in dieser Kleinstadt nieder. Mit ihm ziehen auch zwei Fremde dorthin, die zudem sofort ein Haus kaufen, das unter den Einwohnern als Spukhaus gilt. Von da an beginnen die mysteriösen Vorfälle, die sich mit der Zeit häufen und die Stadt in ihrem Fundament erschüttern sollen...
Kings zweiter Roman, der zu seiner Zeit mit einer Nominierung für den World Fantasy Award prämiert wurde, nimmt viele Elemente von Bram Stokers Dracula und verpflanzt sie gekonnt in das spießige, amerikanische Kleinstadtleben der frühen 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Für Stephen King typisch geht es, nach einem vielversprechenden Prolog, nicht von Anfang an zur Sache, sondern er verliert sich auf den ersten 200 Seiten etwas in der Beschreibung von Jerusalems Lot und all seiner Einwohner, ohne einem erkennbaren, roten Faden zu folgen. So wird man mit vielen unterhaltsamen Szenen konfrontiert, die sich zwischen den Bürgern der Stadt abspielen und sie gewissermaßen zum Leben erwecken. Die vielen Charaktere sind gut ausgearbeitet und weisen bestimmte Merkmale auf, gute wie schlechte, während einem wichtige Orte, wie zum Beispiel das Marsten-Haus, nach kurzer Zeit in Erinnerung bleiben. Ab der 200. Seite wendet sich die Erzählung langsam der richtigen Handlung zu und kommt bis zum Ende immer mehr in Fahrt, bis die Spannung beim Showdown auf die Spitze getrieben wird. So hofft man schließlich auf ein gutes Ende für seine liebgewonnenen Protagonisten.
Die neue Ausgabe des Heyne-Verlages, die nochmals um rund 200 Seiten aufgestockt wurde, beinhaltet, neben einigen Schwarzweiß-Bildern, noch die gestrichenen Kapitel im Anhang, sowie die beiden Kurzgeschichten "Jerusalem's Lot" und "Einen auf den Weg", welche jeweils das Pre- und Sequel zur eigentlichen Geschichte darstellen und bereits in der Kurzgeschichtensammlung "Nachtschicht" veröffentlicht wurden. An der eigentlichen (meiner Meinung nach ein wenig holprigen) Übersetzung wurde jedoch nichts geändert, womit das Buch eher für Nichtbesitzer interessant sein sollte. Zusammengefasst aber ein spannender Klassiker der modernen Horror-Literatur in sehr gelungenem, neuem Gewand. Empfehlenswert - nicht nur für Vampirfans!