Pressestimmen
"Ein Schlüsselwerk der Horrorliteratur ... Stephen King bewies in 'Brennen muss Salem' erstmals seine Kunst, die Gesellschaft, die ihn umgibt zu durchschauen und doch unverletzt abzubilden - und wer weiß, hat er das jemals wieder so perfekt getan." Ernst Molden, Österreich, 16.09.06
Kurzbeschreibung
Salem's Lot ist eine ruhige Kleinstadt an der amerikanischen Ostküste, bis der Schriftsteller Ben Mears nach langen Jahren zurückkehrt. Er interessiert sich auffällig für das Marsten-Haus, das seit dem rätselhaften Tod seiner Bewohner 1939 leer steht. Eine unheimliche Kraft geht von ihm aus, und bald zeigt sich, wer in Salem's Lot sein Unwesen treibt: ein Vampir. Mears nimmt den Kampf gegen die Macht des Bösen auf. Doch dieses Wagnis kostet furchtbare Opfer. Stephen Kings Klassiker der Horrorliteratur erscheint erstmals in einer Luxusausgabe, um Archivmaterial ergänzt, neu illustriert und mit zwei Erzählungen rund um Salem's Lot, die Stadt der Vampire.
Klappentext
Ben Mears, ein mittelmäßiger Schriftsteller, kehrt nach Jahren in seine Heimatstadt Salem's Lot zurück. Er interessiert sich auffällig für das Marsten-Haus, das als Spukhaus gilt und seit dem rätselhaften Tod seiner Bewohner im Jahr 1939 leer steht. Von diesem Haus geht eine unheimliche Kraft aus, und bald zeigt sich, wer in Salem's Lot sein Unwesen treibt: ein Vampir. Ben Mears wagt es mit einigen Helfern, darunter ein alter Mann, eine junge Frau und ein Kind, den Kampf gegen die Macht des Bösen aufzunehmen. Doch dieses Wagnis kostet furchtbare Opfer.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Stephen King wurde 1947 in Portland, Maine, geboren. King ist der Meister der Horrorliteratur. Seine Bücher erscheinen in Millionenauflagen auf der ganzen Welt und wurden fast alle verfilmt.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Sie fuhren auf der 295 von Portland zurück, und es war noch gar nicht spät – erst kurz nach elf. Nachdem sie die Vororte von Portland hinter sich gelassen hatten, betrug die Höchstgeschwindigkeit auf der Schnellstraße fünfundfünfzig Meilen, und Ben fuhr gut. Die Scheinwerfer des Citroën schnitten zügig durch die Dunkelheit. Der Film hatte ihnen beiden gefallen, aber sie hatten sich zurückgehalten – wie man sich eben verhält, wenn man erst noch herausfinden muß, wo die Grenzen des anderen sind. Jetzt kam Susan die Frage ihrer Mutter in den Sinn, und sie erkundigte sich: »Wo wohnen Sie eigentlich? Haben Sie ein Haus gemietet?« »Ich habe ein winziges Loch im zweiten Stock von Eva’s Pension in der Railroad Street.« »Aber das ist ja schrecklich! Da oben muß es brütend heiß sein!« »Ich mag die Hitze«, sagte er. »Ich kann dabei gut arbeiten. Ich ziehe mir das Hemd aus, drehe das Radio auf und trinke literweise Bier. Bis jetzt habe ich täglich zehn Seiten geschafft, in Reinschrift. Außerdem wohnen da ein paar interessante alte Käuze. Und wenn man hinterher auf die Veranda rausgeht und sich die Brise um die Nase wehen läßt … einfach himmlisch.« »Trotzdem«, sagte sie zweifelnd. »Ich hatte daran gedacht, das Marsten-Haus zu mieten«, sagte er beiläufig. »Ich habe mich sogar danach erkundigt. Aber es ist verkauft.« »Das Marsten-Haus?« Sie lächelte. »Da müssen Sie sich irren.« »Nein. Es liegt auf dem ersten Hügel im Nordwesten der Stadt. An der Brooks Road.« »Verkauft? Wer, in Gottes Namen …?« »Das habe ich mich auch gefragt. Hin und wieder behauptet mal jemand, ich hätte eine Schraube locker, aber selbst ich hätte es höchstens gemietet. Der Makler wollte es mir nicht sagen. Scheint ein tiefes, dunkles Geheimnis zu sein.« »Vielleicht wollen es irgendwelche Leute von auswärts zu einer Sommerresidenz umwandeln«, sagte sie. »Wer immer die sein mögen, sie sind verrückt. Ein Haus zu renovieren ist eine Sache – ich würde es liebend gern einmal versuchen –, aber bei diesem Haus ist Hopfen und Malz verloren. Es war schon eine Ruine, als ich noch klein war. Weshalb, um alles in der Welt, möchten Sie denn da wohnen, Ben?« »Waren Sie schon mal drin?« »Nein, aber ich habe durchs Fenster hineingeschaut. Bei einer Mutprobe. Und Sie?« »Ja. Einmal.« »Ein unheimlicher Ort, nicht?« Sie verstummten und dachten beide an das Marsten-Haus. Diesem Blick in die Vergangenheit fehlte die pastellfarbene Nostalgie anderer Erinnerungen. Zwar hatten sich der Skandal und die Gewalttaten, die mit dem Haus verbunden waren, vor ihrer Geburt ereignet, aber Kleinstädte haben ein langes Gedächtnis und geben ihre Horrorgeschichten feierlich von einer Generation zur nächsten weiter. Die Geschichte von Hubert Marsten und seiner Frau Birdie war – wenn überhaupt – der einzige dunkle Punkt in der Geschichte der Stadt. Hubie hatte in den zwanziger Jahren ein großes Transportunternehmen in Neuengland geleitet – eine Firma, die ihre profitabelsten Geschäfte nach Mitternacht machte, wie manche behaupteten, indem sie kanadischen Whisky nach Massachusetts schmuggelte. 1928 hatte sich Hubie als reicher Mann mit seiner Frau in Salem’s Lot zur Ruhe gesetzt. Beim Börsenkrach von 1929 verlor er jedoch einen großen Teil seines Vermögens (niemand, nicht einmal Mabel Werts, wußte genau, wieviel es gewesen war). In den zehn Jahren zwischen dem Börsenkrach und Hitlers Griff nach der Weltmacht lebten Marsten und seine Frau völlig abgeschieden in ihrem Haus. Sie ließen sich nur an Mittwochnachmittagen sehen, wenn sie in die Stadt kamen, um ihre Einkäufe zu erledigen. Larry McLeod, der in jenen Jahren Postbote gewesen war, erzählte, daß Marsten vier Tageszeitungen sowie die Saturday Evening Post, den New Yorker und ein Trivialmagazin mit dem Titel Amazing Stories abonniert hatte. Außerdem bekam er einen monatlichen Scheck von der Transportfirma, die ihren Sitz in Fall River, Massachusetts, hatte. Larry behauptete, er habe sehen können, daß es ein Scheck war, indem er den Umschlag bog und beim Sichtfenster hineinschaute. Larry war auch derjenige, der die beiden im Sommer 1939 fand. Im Briefkasten hatten sich die Zeitungen und Magazine von fünf Tagen angehäuft, so daß sich schließlich nichts mehr hineinstecken ließ. Larry holte alles heraus und ging damit zum Haus, um es zwischen die Fliegentür und die eigentliche Tür zu legen. Es war August und Hochsommer, der Beginn der Hundstage, und das grüne, verwilderte Gras im Garten der Marstens reichte ihm bis zu den Waden. Geißblatt rankte sich wild über das Spalier an der Westseite des Hauses, und dicke Bienen summten träge um die wachsweißen, duftenden Blüten. In jenen Tagen sah das Haus trotz des hohen Grases noch sehr gut aus, und alle waren der Meinung, daß Hubie das schönste Haus in Salem’s Lot gebaut hatte, bevor in seinem Oberstübchen irgend etwas durcheinandergeriet. Mitten auf dem Weg zum Haus, so hieß es in der Geschichte, die jedem neuen Mitglied des weiblichen Wohltätigkeitskomitees später mit atemlosem Entsetzen erzählt wurde, war Larry ein übler Geruch wie von fauligem Fleisch in die Nase gestiegen. Er klopfte an die Tür, aber niemand machte auf. Er schaute durch die Scheibe, konnte in dem düsteren Halbdunkel jedoch nichts erkennen. Er ging hinten herum, statt hineinzugehen, und das war sein Glück. Hinten war der Gestank noch schlimmer. Larry rüttelte an der Hintertür, stellte fest, daß sie nicht verschlossen war, und trat in die Küche. Birdie Marsten lag barfuß und mit gespreizten Beinen in der Ecke. Ihr halber Kopf war von einem Schuß aus nächster Nähe zerschmettert worden. (»Fliegen«, warf Audrey Hersey an dieser Stelle immer seelenruhig ein. Es klang, als wüßte sie, wovon sie redete. »Larry sagte, in der Küche hätte es nur so gewimmelt von Fliegen. Sie summten herum, setzten sich auf das … Sie wissen schon, und flogen wieder weg. Fliegen.«) Larry McLeod machte auf dem Absatz kehrt und ging schnurstracks in die Stadt zurück. Er holte Norris Varney, den damaligen Ortspolizisten, und drei oder vier von denen, die ständig in Crossens Laden herumhingen – den damals noch Milts Vater führte –, darunter Audreys ältesten Bruder, Jackson. Sie fuhren in Norris’ Chevrolet und Larrys Postauto wieder hinauf. Niemand aus der Stadt hatte jemals einen Fuß in das Haus gesetzt, und was sie dort nun vorfanden, war ein paar Tage lang eine echte Sensation. Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, brachte der Telegram aus Portland einen Artikel darüber. Hubert Marstens Haus war ein verstörendes Rattennest voller Ramsch und Plunder. Enge, gewundene Gänge führten zwischen vergilbenden Stapeln von Zeitungen und Zeitschriften sowie Haufen verschimmelnder alter Taschenbücher hindurch. Die kompletten Werke von Dickens, Scott und Mariatt, die Loretta Starchers Vorgängerin für die Bücherei von Jerusalem’s Lot beschafft hatte, lagen ebenfalls noch in den Haufen. Jackson Hersey nahm eine Saturday Evening Post in die Hand, blätterte darin und staunte nicht schlecht: An jeder Seite war fein säuberlich eine Dollarnote befestigt. Norris Varney stellte fest, was für ein Glück Larry gehabt hatte, als er zur Hintertür herumgegangen war. Die Mordwaffe war an einem Stuhl festgebunden worden, so daß der Lauf in Brusthöhe direkt auf die Eingangstür zeigte. Der Hahn war gespannt, und eine Schnur, die am Abzug befestigt war, führte durch die Halle zum Türknauf. (»Die Knarre war geladen«, sagte Audrey an dieser Stelle. »Ein kleiner Ruck, und Larry McLeod wäre schnurstracks zum Himmel gefahren.«) Es gab noch andere, weniger tödliche Fallen. Ein zwanzig Kilo schweres Zeitungsbündel war über der Tür zum Speisezimmer angebracht worden. Eine der Setzstufen in der Treppe zum ersten Stock war mit einem Scharnier versehen und hätte jemandem einen gebrochenen Knöchel einbringen können. Es stellte sich rasch heraus, daß Hubie Marsten nicht nur ein bißchen kauzig, sondern völlig wahnsinnig gewesen war. Sie fanden ihn im Schlafzimmer am Ende des Flurs im ersten Stock. Er hing an einem Dachba
Auszug aus Brennen muß Salem! von Stephen King. Copyright © 1997. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Prolog
Wonach suchst du, alter Freund?
Nach all den Jahren in der Fremde kommst du mit Bildern, die du gehegt
unter andern Himmeln
fern von deinem eignen Land.
Giorgos Seferis
1
Fast alle dachten, der Mann und der Junge seien Vater und Sohn.
Sie durchquerten das Land mit einem alten Citroen in annähernd südwestlicher Richtung, wobei sie meistens Nebenstraßen benutzten und nur selten längere Strecken in einem Stück zurücklegten. Bevor sie schließlich ihr Ziel erreichten, machten sie an drei Orten länger Station: zuerst in Rhode Island, wo der hochgewachsene Mann mit den schwarzen Haaren in einer Textilfabrik arbeitete; dann in Youngstown, Ohio, wo er drei Monate in einer Traktorenfabrik am Fließband schuftete; und schließlich in einer kleinen kalifornischen Stadt nahe der mexikanischen Grenze, wo er an einer Tankstelle arbeitete und kleine, ausländische Wagen mit einem Erfolg reparierte, der ihn überraschte und freute.
Überall, wo sie haltmachten, kaufte er eine Zeitung aus Maine namens Portland Press Herold und suchte darin nach Artikeln über ein bestimmtes Gebiet im Süden von Maine, vor allem aber über eine kleine Stadt, die dort lag: Jerusalem's Lot. Hin und wieder stieß er auf einen solchen Artikel.
Als sie in Central Falls, Rhode Island, ankamen, hatte er in den Motelzimmern unterwegs bereits einen Entwurf für einen Roman geschrieben; den schickte er seinem Agenten.
In grauer Vorzeit war er ein recht erfolgreicher Schriftsteller gewesen - damals, als die Dunkelheit noch nicht über sein Leben gekommen war. Der Agent legte den Entwurf seinem letzten Verleger vor, der höfliches Interesse bekundete, aber keinerlei Neigung zeigte, mit einem Vorschuß herauszurücken. Fragen koste schließlich nichts, erklärte der Mann dem Jungen, als er den Brief des Agenten zerriß. Er sagte es ohne allzuviel Bitterkeit und machte sich trotzdem daran, das Buch zu schreiben.
Der Junge redete nicht viel. Sein Gesichtsausdruck war immerzu angespannt, und seine Augen waren dunkel, als ob sie ständig eine trostlose Landschaft in seinem Innern absuchen würden. In den Gaststätten und Tankstellen, an denen sie unterwegs hielten, war er höflich, sonst nichts. Er schien den hochgewachsenen Mann nicht aus den Augen lassen zu wollen und sogar schon nervös zu werden, wenn dieser ihn allein ließ, um auf die Toilette zu gehen. Er weigerte sich, über die Stadt namens Jerusalem's Lot zu sprechen, obwohl der hochgewachsene Mann hin und wieder versuchte, das Thema zur Sprache zu bringen, und er wollte partout keinen Blick in die Zeitungen aus Portland werfen, die der Mann manchmal absichtlich herumliegen ließ.
Als das Buch geschrieben war, bewohnten sie ein Strandhaus abseits vom Highway. Sie gingen oft schwimmen, denn der Pazifik war wärmer und freundlicher als der Atlantik. Er war nicht mit Erinnerungen befrachtet. Der Junge wurde mit der Zeit sehr braun. Obwohl es ihnen nicht schlechtging - immerhin hatten sie drei ordentliche Mahlzeiten am Tag und ein festes Dach über dem Kopf -, verlor der Mann allmählich den Mut und begann an dem Leben, das sie führten, zu zweifeln. Er unterrichtete den Jungen und schien in bezug auf dessen Erziehung nichts zu versäumen (der Junge war intelligent und las gern, wie der hochgewachsene Mann früher auch), aber er glaubte nicht, daß es dem Jungen guttat, Salem's Lot zu verdrängen. Nachts schrie der Junge manchmal im Schlaf und warf sich im Bett herum, so daß die Decken auf dem Boden landeten.
Aus New York kam ein Brief. Der Agent des hochgewachsenen Mannes schrieb, Random House biete 12 000 Dollar Vorschuß und der Verkauf an einen Buchklub sei so gut wie sicher. Ob er einverstanden sei?
Er war einverstanden.
Der Mann gab seinen Job an der Tankstelle auf und ging mit dem Jungen über die Grenze.
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