Der zweite Weltkrieg hat die deutsche Literaturlandschaft insbesondere in den letzten Jahren schwer beschäftigt. Es fällt dabei gleichwohl auf, dass der Pazifikkrieg in Deutschland nur eine sehr geringe Rolle spielt, obwohl die dortigen Ereignisse aus weltgeschichtlicher Bedeutung den Vorgängen in Europa nur wenig nachstehen. Das vorliegende Buch ist ein Klassiker amerikanischer Kriegsliteratur und bietet auch für Europäer einen interessanten und tiefgreifenden Einblick. Die Erlebnisse des Verfassers zeichnen sich durch einen sehr nüchternen, präzisen und realitätsnahen Schreibstil aus. Die Geschichte enthält wenig Pathos, nur geringe Anzeichen von nachträglicher Bewertung oder Moral und auch keine Rechtfertigung. Vielmehr ist sie die detaillierte, authentische und genaue Beschreibung der Geschichte eines einfaches Mannes, der für sein Land in den Kampf zog. Der Autor schreibt sowohl über seine Erlebnisse in zwei Einsätzen, als auch über die Vorbereitung dieser Einsätze. Dabei zeigt er durch viele Details und Anekdoten ein Gesamtbild des Lebens eines amerikanischen Soldaten in dieser Zeit auf.
Die Beschreibungen sind durchzogen von einem tiefen Respekt, den der Autor gegenüber seinen Kameraden und seiner Einheit empfand. Positiv fällt auf, dass der Autor auch die negativen Seiten einzelner amerikanischer Kämpfer nicht verschweigt. Das Buch ist trotz all der gelungenen Beschreibung über Kameradschaft, Professionalität und Zielstrebigkeit der amerikanischen Truppe kein Propagandawerk. Wir erleben wie ein verantwortlicher Offizier der Amerikaner gezielt auf japanische Leichen uriniert, ein Soldat eine hilflose alte Frau tötet und ein anderer Soldat einem noch lebenden Japaner die Goldzähne herausreißt. Auch Streitigkeiten und Missgeschicke in der eigenen Truppe, die bis zum versehentlichen Tode von Soldaten reichen, werden beschrieben. An dieser Stelle sei erwähnt, dass trotz all der Grausamkeit und Brutalität mit der uns der Autor konfrontiert, das Buch sich nicht im Blut verliert oder gar den Horror zelebriert. Der Verfasser bleibt seiner realistisch aber distanzierenden Schreibweise treu und ergötzt sich nicht an der Gewalt. In einer bemerkenswerten Stelle vergleicht er die Eingeweide der Toten mit jenen Eingeweiden sah, die er einst als Kind auf der Jagd sah. Aber auch humorvolle Stellen sind vorhanden. Es fiel mir beispielsweise schwer nicht zu schmunzeln, als der Autor in aller Ausführlichkeit seine Bemühungen beschrieb ein japanisches Fohlen zu retten.
Insgesamt kann ich dieses Buch nur empfehlen und würde mich freuen, wenn dieses in Amerika sehr angesehene Werk auch in Deutschland mehr Leser finden würde. Gerade weil es keine moralische Nachbetrachtung bietet, sondern sich auf eine zeitgenössische Beschreibung konzentriert bildet es ein wertvolles historisches Dokument.