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Brecht & Co.
 
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Brecht & Co. [Gebundene Ausgabe]

John Fuegi
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 1086 Seiten
  • Verlag: Europäische Verlagsanstalt; Auflage: Autorisierte erweiterte und berichtigte deutsc... (1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3434500677
  • ISBN-13: 978-3434500674
  • Größe und/oder Gewicht: 22,8 x 16,4 x 5,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 487.063 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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John Fuegi
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Ohne Scham und Humor

John Fuegis Brecht-Biographie auf deutsch

Das «Ärgernis» Brecht war viele Jahre lang die Weigerung der Firma Brecht-Erben, neue Lesarten seiner Stücke oder eingreifende Bearbeitungen zu genehmigen, und das gerade bei Texten fürs Theater, die schon aus Prinzip Änderungen brauchten. Der amerikanische Literaturwissenschafter John Fuegi möchte die Zahl der finanziell Erbberechtigten erheblich erweitern und hat zu diesem Zweck in Gestalt eines dickleibigen Buches die Firma «Brecht & Co.» gegründet (vgl. NZZ 4. 1. 94), deren Chef er als fiesen, seine Mitarbeiterinnen nach dem Sex-for-text-Prinzip ausbeutenden Literaturunternehmer schildert, als notorischen Dieb, der weibliches Schreiben behinderte, indem er es sich nutzbar machte, die Arbeitenden um ihren Lohn und vor allen Dingen deren Erben um den ihnen gebührenden Tantièmenanteil brachte.

Die Schreibwerkstatt, die der Augsburger Stückeschreiber, moderne Kunstmarkt-Strategien vorwegnehmend, 1924/25 im Berliner Kulturdschungel etablierte, sowie die Anstrengungen, die er auf sich nahm, um das Heer seiner Zuarbeiter und Mitarbeiter wirksam zu lenken und an sich zu binden, es trotz schwierigsten Umständen auch im Exil für sich tätig werden zu lassen, um es dann als Kollektiv «Berliner Ensemble» höchste Anerkennung erleben zu sehen, bieten allerhand Stoff für eine aufregende Biographie. John Fuegi hat ihn über viele Jahre aus unterschiedlich verlässlichen Quellen oder Zeugenbefragungen zusammengetragen, selbst die dürftigsten Briefe, Quittungsblöcke, vergilbte Rechnungen und Vertragskopien ausgewertet und schliesslich sein höchstes Forscherglück in den Materialien der Brecht gewidmeten CIA-, Stasi-und KGB-Akten gefunden. Durch allzu moralisierende Urteile und geradezu puritanische Humorlosigkeit vergibt sich Fuegi aber die Chance, die Freuden und Leiden der Frauen um Brecht in ihrer ganzen Dimension zu verstehen, geschweige denn ihr Talent angemessen zu würdigen, beziehungsweise ihre Hingabe, ihre politischen Hoffnungen und Illusionen, ihre Tapferkeit, ihre Siege und Niederlagen adäquat darzustellen.

Wer Brecht heute die Unterdrückung der «Autonomie» seiner Mitarbeiterinnen vorhält, sollte nicht vergessen, dass Brecht die schriftstellerische Arbeit von Elisabeth Hauptmann, Margarete Steffin und Ruth Berlau nicht behindert, sondern vielmehr verlangt, stimuliert und nachdrücklich gefördert hat. Dass so viel Liebe dabei im Spiel gewesen ist und begreiflicherweise viel Wettbewerb, Rivalität und Eifersucht, macht die Sache spannend und zugleich sehr kompliziert. Kein Literaturhistoriker wird hinreichend die Frage beantworten können, warum die erwähnten Mitarbeiterinnen zu Brechts Gunsten auf eine eigene Laufbahn als Autorin verzichtet haben.

Fuegi geht es nie um den literarischen Rang des Werks von Brecht oder den Gebrauchswert eines Stücks fürs Theater, da er fast immer nur das Problem anspricht, wie weit ein Text oder eine Szene übernommen, irgendein Urheberrecht tangiert oder der Wortanteil eines Verfassers nicht korrekt vermerkt wurde. Die Forderung, bei Veröffentlichungen die Namen der Mitarbeiter nicht ins Kleingedruckte zu verbannen und also den Gedanken der Schreibwerkstatt und kollektiver Arbeitsweise hochzuhalten, ist vollkommen berechtigt, lächerlich aber ist das ständige Insistieren auf Kenntlichmachen der Urheberschaft. Abgesehen davon, dass sehr oft die Handschrift oder die maschinenschriftliche Abschrift nicht mit der Verfasserschrift identisch ist, widerspricht jeder Versuch, die jeweiligen Anteile an der Autorschaft eines Verses, einer Szene oder nur eines Satzes systematisch zu identifizieren, sowohl der Methode als auch der Intention des Brechtschen Schreibens.

Die gegenüber der amerikanischen noch etwas erweiterte deutsche Ausgabe von «Brecht und Co.» ist vom Übersetzer Sebastian Wohlfeil gründlich durchgesehen, korrigiert und mit zusätzlichen Anmerkungen versehen worden; die eindrucksvolle Liste von Fehlern und törichten Behauptungen, die zum Beispiel der Londoner Brecht-Forscher John Willett erstellt hatte, wurde weitgehend berücksichtigt. Zu beklagen bleibt weiterhin die mangelnde Scheu des Verfassers, komplizierte Sachverhalte in der simpelsten Weise zu gefühlsduseligem Enthüllungsjournalismus, verallgemeinernden Maximen oder in politische Kolportage umzuwandeln. Auch die revidierte Fassung enthält noch viele Unterstellungen, selbst gegenüber Personen, die der Verfasser vor Brechts «erotischem Magnetismus» und Pascha-Allüren zu schützen vorgibt. So kolportiert er zum Beispiel vage Vermutungen des einstigen Stasi-Opfers Martin Pohl, die Brecht-Geliebte Isot Kilian «sei eine von mindestens zwei Kontaktpersonen der Staatssicherheit gewesen, die man angeworben hatte, um über jedes Wort aus Brechts Mund informiert zu sein». Völlig aus dem Zusammenhang gerissen, weil nur so in sein Konzept passend, zitiert Fuegi den den nahenden Tod schon spüren lassenden letzten Brief Brechts an Käthe Reichel als auf politische Hoffnungen nicht eingehende Antwort auf einen Brief von Käthe Rülicke.

Klaus Völker

Kurzbeschreibung

Basierend auf seiner fünfundzwanzig Jahre dauernden Auseinandersetzung mit der Person und dem Werk von Bertold Brecht schreibt Fuegi nicht nur eine Biographie des großen Dichters, sondern unternimmt weit mehr: Er legt die kollektive Biographie des "Brecht-Kreises" vor, aller derjenigen, die selbst das Werk Brechts sind und zugleich an dessen Zustandekommen wesentlich beteiligt waren. Fuegi zeigt, indem er das literarische Werk ausbreitet, Tagebücher, Briefe, literarische Entwürfe heranzieht, den Dichter als einen verhexenden Mann, ehrgeizig, genial und geltungsbedürftig, ruhmsüchtig, anmaßend und von unentrinnbarem Zauber.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Diesmal nicht der BB einfach nach dem Schulbuch, nicht pure Anbetung oder aus unkritischer idealer "DDR-Sichtweise" - nein, BB mal von seiner menschlichen Seite mit all den Unperfektheiten u. Abgründen. Wer Brecht mag, der sollte auch diese Sicht von BB kennen.

Außerdem ist die gesamte Brechtbiografie ein hochinteressanter Spaziergang durch unsere deutsche Geschichte. Ein Geschichtsbuch besser, als es die sterilen Schul-Geschichtsbücher sind, weil eben vital.

Ein feines Buch, ein Schmankerl für alle Brecht-Liebhaber!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
John Fuegi hat es geschafft das Denkmal Brecht vom Spinngeweben der Musealität zu befreien und ihm Leben anzuhauchen. Diese Biografie ist vielseitig, frisch und richtig notwendig weil wir uns keine Totems der Literatur wünschen, sondern lebendige Menschen, die auf der einen Seite großes schaffen auf der andere Seite Menschen sein können. Brecht mag ein menschenverachtender Egoist und Ausbeuter gewesen sein,sein Werk jedoch wird dadurch nicht kleiner. Viele der Brecht-Fans waren empört über diese Biografie, weil wahrscheinlich sie als blasphemisch empfanden, dass man es wagte ihm gegenüber kritisch zu sein. Kritik und Selbstkritik sollte man jedoch nicht als Angriff verstehen sondern als Annäherungsversuch als Kommunikationsversuch als Schritt zur Wahrheit, die nicht nur Gut oder Schlecht ist sondern komplexer Natur.
Mich als Brecht-fan hat diese Biografie viele Information geliefert über die Person BB, den Autor und Macher BB, über die Entstehungsgeschichte seiner Werke und über die geschichtlichen Gegebenheiten seiner Zeit.
Erst kommt das Fressen und dann die Moral....
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Grosse Werke, kleiner Mann 19. Januar 2004
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Die NZZ nennt den Fuegi "humorlos". Naja. Was Ich aus diesem Buch genommen habe: die Bücher bleiben gut, der (oder die)Verfasser unbekannt. In vielen Fällen, kriegt man den Eindrück, "Brecht" hasst und liebt, versteht und versteht nicht Frauen. Wenn Fuegi recht hat, wird dies verständlich. Erst kommt das Fressen, oder die Veröffentlichung; dann kommt die Moral, oder mindestens, moralische Sprüche.
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