Das ich hier noch mal die Ehre haben würde ein Magnum - Album zu rezensieren, damit hätte ich fast nicht mehr gerechnet. Die Band, die meiner Meinung nach zum absolut Allerbesten im Sektor der melodischen Rockmusik gehört, löste sich bekanntlich 1994 nach dem Ausstieg von Gitarrist und Songwriter Tony Clarkin in ihre Bestandteile auf. Sänger Bob Catley begann daraufhin zunächst an der Seite seines oben erwähnten Gitarrenkumpanen mit der Band Hard Rain, konzentrierte sich dann aber zunehmend auf seine Solokarriere, die bisher drei ganz vorzügliche Soloalben hervorbrachte. Hard Rain waren ohne Catley natürlich auch zum Scheitern verurteilt. Doch bereits zum Release des letzten Bob Catley - Albums "Middle Earth" sickerte durch, dass sich die britische Hardrocklegende Magnum wieder vereinigen wolle.
Fraglich war nur, in welcher Besetzung. Alles außer der Optimalbesetzung Catley / Clarkin / Stanway / Barker / Lowe wäre lächerlich gewesen. So sahen das offenbar auch die alten Veteranen von Magnum und fanden sich in der oben genannten Besetzung wieder zusammen. Lediglich Bassist und Gründungsmitglied Wally Lowe war aus seiner spanischen Finca nicht mehr hervor zu locken. In Al Barrow konnte jedoch gleichwertiger Ersatz gefunden werden.
Die zweite Frage war, inwiefern sich das neue Album in die bisherigen Schaffensperioden der Band einordnen lassen würde. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein zweites "On A Storyteller's Night" ist das neue Werk "Breath Of Life" selbstverständlich nicht. Das wäre wohl auch ein bisschen viel verlangt gewesen. Interessanterweise konnte man sich jedoch etwas vom Sound der beiden Hard Rain - Alben lossagen (was ich nicht unbedingt erwartet hätte) und musiziert wieder in Richtung des '92-er Meisterwerks "Sleepwalking", dessen Klasse man jedoch nicht ganz erreichen konnte. Never mind, "Breath Of Life" steckt so manches alte Magnum - Album in die Tasche und ist somit qualitativ um Einiges besser als z.B. "Goodnight L.A." oder "Rock Art". Man kann auf "Breath Of Life" mit überwiegend gutem, teils sogar sehr gutem Songmaterial aufwarten. Dabei stehen drei Songs besonders heraus: "Everyday", "This Heart" und die Ballade "Dream About You" sind eindeutig die Highlights des Albums. Mit etwas Abstand folgt das ebenfalls sehr schöne "After The Rain", welches wohl am Ehesten in der Art des "Sleepwalking" - Albums tönt. Alle weiteren Songs wissen durchaus zu gefallen, können aber nicht wirklich die Klasse aufweisen, die man von dieser Band im Normalfall erwartet. Doch eine Reunion ist ja auch kein Normalfall...
Ich denke, man kann zufrieden sein, und wir sollten mal das nächste Album abwarten (welches Bob Catley) bereits in diversen Interviews angekündigt hat). Sicher hat sich die Band dann wieder etwas mehr eingespielt und bringt hoffentlich wieder Großtaten zustande. Mickey Barker ist übrigens nicht gewillt auf der Tournee zu trommeln. Man rekrutierte dafür den letzten Schlagzeuger der britischen Rocker von Thunder. Ich bin jedenfalls jetzt schon gespannt, was uns diese illustre Band in Zukunft bringen wird. Eines sollten Magnum jedoch vermeiden: Auch noch Keyboarder (und wesentlichen Soundbestandteil) Mark Stanway zu verlieren und somit in den Augen der Öffentlichkeit wieder zum Duo Catley / Clarkin zu schrumpfen. Dann hätte man auch gleich den Namen Hard Rain beibehalten können. Ach so, die Erstauflage der CD enthält drei Liveaufnahmen der Klassiker "The Flood", "Backstreet Kid" und "We All Need To Be Loved" als Bonus. Schöne Sache! Leider klappt's mir die Fußnägel hoch, wenn ich die verstimmte Gitarre von Tony Clarkin bei der Unplugged - Version von "We All Need To Be Loved" höre. Die beiden anderen Liveversionen sind jedoch durchaus "plugged" und absolut vorzüglich!