"Gott schaut mit Zorn auf jene die ihn enttäuschen."
Dieser Satz des Gemeindepfarrers hat Beth seit ihrer Kindheit geprägt und ist wohl ein Grund für ihre manischen Zwiegespräche mit Gott. Die kleine schottische Gemeinde am Meer wird von streng gläubigen und dogmatischen Christen beherrscht, die selbst ernannte moralische Autoritäten in allen Belangen des Lebens darstellen. Jedes Schaf, das sich von der Herde entfernt oder andere Verfehlungen begangen hat, wird sogar nach dem Tode noch verflucht und in die Hölle geschickt. Diese christliche Indoktrinierung wird für Beth zu einer psychischen Gradwanderung zwischen Gottesfürchtigkeit und Selbstverurteilung, einem fast schizophrenem Zustand, aus dem nur noch die Liebe sie retten kann.
Gott erhört ihren Wunsch und Beth erhält das Geschenk der Liebe, auf die sie ihr ganzes Leben gewartet hat. Doch kurz nach der Hochzeit verunglückt ihr Mann auf einer Bohrinsel und wird gelähmt in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte geben ihm kaum eine Chance.
Zwischen großartigen Bildern der kargen, lichtdurchfluteten Küstenlandschaft wird das Leben von Beth in der kleinen Provinzgemeinde in seiner ganzen Härte gezeigt und fast nichts ausgelassen. Es ist ein Film über Liebe, die fast religiöse Züge annimmt und von der Außenwelt verurteilt und zerstört wird. Hier wird gezeigt, dass die Sonntagspredigten von Moral und Gotteshörigkeit nur leere Worte sind, die im praktischen Alltag ins Gegenteil verdreht und zu dogmatischen und unmenschlichen Gesetzen werden. Verständnis und Mitgefühl werden durch Drohung und Strafe ersetzt und ein Mensch der nach eigenen Vorstellungen leben will wird gnadenlos zugrunde gerichtet.
Es ist ein sehr symbolischer und tragischer Film, der seine Akzente auf das Leid und Unverständnis setzt, das eine Frau erfährt, die einen eigenen Zugang zu Gott hat und für die Liebe alles tut.
Nur 4 Sterne weil der Film etwas sehr konstruiert und übertrieben dramatisch angelegt ist. Ein Plus wegen den tollen Bild/Musik Kompositionen zwischendurch, die einem eine besinnliche Pause von der überaus tragischen Erzählweise gönnen und wo dann auch mal ein Kamerastativ zum Einsatz kommt um Ruhepunkte zu setzen. Ein weiteres Plus für die schauspielerische Leistung von Emily Watson. Und noch ein Plus weil die Filme von Lars von Trier in ihrer Radikalität einzigartig sind.