Aus der Amazon.de-Redaktion
Durch die Oberfläche dringt sie allemal -- und das gleich bei ihrem Debutalbum.
Breaking the surface heißt das Album des Maria Kannegaard-Trios, auf dessen Cover sich eine fette Kröte aus der Wasseroberfläche eines Flusses erhebt. Die Kröte habe ich in der Musik der dänischen Pianistin, die seit langem in Norwegen lebt, nicht entdecken können -- und trotzdem gibt es assoziative Entsprechungen zwischen der mittsommernächtlichen Stimmung dieses Bildes mit seinem klar gezeichneten Vordergrund und der verschwommenen Landschaft im Hintergrund.
Es ist nicht leicht, als Pianistin im Jazz Fuß zu fassen -- zumal in der klassischen Trio-Besetzung. Zu viele gute Musikerinnen und Musiker tummeln sich auf der weiten Ebene zwischen Geheimtipp und (inter)nationaler Anerkennung. Um aus der Masse herauszustechen braucht man neben guten Kontakten und dem viel zitierten Quentchen Glück auch einen unverkennbaren personalen Stil. Und den kann die 29jährige Maria Kannegaard bereits aufweisen. Nach eigenen Aussagen beeinflusst von Gerri Allen und Herbie Nichols (über den sie auch ihre Examensarbeit am Trondheim Music Conservatory schrieb), hat Kannegaard eine komplexe harmonische Tiefe, die trotzdem nicht überladen ist, gepaart mit wunderschönen melodischen Tunes und präzise platzierten rhythmischen Patterns. Überhaupt wirkt ihr Spiel sehr klar und wohlüberlegt, häufig im Gestus des Understatement. Dies kommt in den Eigenkompositionen genauso zum Ausdruck, wie in den frei improvisierten Tracks. Gleichzeitig bleibt das Zusammenspiel mit Mats Eilertsen, Bass, und Thomas Strønen, Schlagzeug, im Sinne des emanzipierten Trio-Spiels eines Bill Evans sehr offen und kommunikativ. Da sprechen drei Musiker miteinander und zu uns, mit leisen, eindringlichen Stimmen, ruhigem Atem und einer enormen inneren Kraft. Wunderschön. --Anja Buchmann