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Breakfast on Pluto
 
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Breakfast on Pluto [Gebundene Ausgabe]

Patrick McCabe


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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Patrick McCabe landete mit seinem dritten Roman Der Schlächterbursche, der für den 1992er Booker-Prize in die engere Wahl gelangte, von Neil Jordan verfilmt und als "Meisterwerk der literarischen Bauchrednerkunst" gefeiert wurde, einen Volltreffer. Mit seinem fünften Werk Breakfast on Pluto ebenfalls in der engeren Booker-Wahl, schuf McCabe abermals eine unnachahmliche Stimme, die amüsiert und zugleich wütend macht, die den überreizten, fast hysterischen Stil einer Figur perfekt wiedergibt, deren emotionaler Entwicklungsprozess etwa im Alter von vierzehn Jahren brutal angehalten wurde und deren Geschichte die höchste Konzentration von Ausrufezeichen in der Welt der Literatur aufweist.

Patrick "Pussy" Braden hält "ihre" Erinnerungen für den mysteriösen Dr. Terence fest, und ihre Geschichte hat es in sich. Nachdem der scharfe Pfarrer Bernard mit seiner Aushilfs-Haushälterin (die Mitzi Gaynor aufs Haar gleicht) einen Schritt zu weit gegangen war, wurde das Ergebnis -- Patrick Braden -- in einem Waschmittelkarton auf einer Treppe ausgesetzt und landete schließlich bei dem Alkoholiker Hairy Braden in Pflege. Patrick sucht Zuflucht in Phantasien von Vic Damone und hin und wieder in einem schicken Kleid, und schließlich stürzt sich die neugetaufte "Pussy" -- unweigerlich -- ins Leben als Transvestit und Stricher auf dem Piccadilly Straßenstrich. Aber dies ist nicht nur Pussys Geschichte. Als eine bislang unauffällige paramilitärische Gewalt zum Ausbruch kommt, gerät Pussys Leben aus den Fugen und schafft einen anschaulichen und beunruhigenden Abschlußkommentar zu den menschlichen Opfern, die im Irland der siebziger Jahre gezahlt werden mußten. --Alan Stewart

Neue Zürcher Zeitung

Auf Stöckelschuhen durch den Bürgerkrieg

Patrick McCabe: «Breakfast on Pluto»

Patrick Braden alias Pussy alias Kit-Kit, parfümierte Schöne der Nacht, trällert Pop-Songs und tänzelt durch ein Jahrzehnt blutiger irischer Geschichte. Er (bzw. sie?) singt «The Windmills of my Mind» und träumt mit Don Partridge von einem «Breakfast on Pluto», aber das erklärte Lieblingslied ist Dusty Springfields «Son of a Preacher Man», denn Patrick wurde eines schönen Vormittags im Jahre 1935 in Tyreelin, nur wenig südlich von der Grenze zu Nordirland gezeugt – in einem spontanen Akt der Zuwendung des örtlichen Pfarrers zu seiner neuen, hübschen und eher überraschten Haushälterin. Nach der Geburt wurde der Junge dann umgehend in einem Schuhkarton vor der Tür der heruntergekommenen Familie Braden ausgesetzt, wo er unter jämmerlichen Verhältnissen heranwachsen durfte. Das alles konnte nicht ohne Folgen auf seine geistige Verfassung bleiben und prägt unübersehbar auch jenen Bericht über sein Leben, den Patrick – nunmehr alias Mütterchen Riley, wunderliche Alte in Hauskittel und Kopftuch – für einen Psychiater aufsetzt, der sich schon lange nicht mehr um seinen Patienten kümmert.

«Breakfast on Pluto» macht es dem Leser nicht unbedingt leicht. Das «Times Literary Supplement» widmete 1998 dem neuen Roman von Patrick McCabe eine ausgesprochen schlechtgelaunte, säuerliche Kritik und erklärte ihn zum bisher prätentiösesten und am wenigsten überzeugenden Buch dieses Autors, während man anderenorts den Schriftsteller zum zweitenmal für den Booker Prize nominierte. Einerseits reiht das Buch zahlreiche bizarre, oft burleske Situationen aneinander und spielt hemmungslos Klischeevorstellungen über Transvestiten aus, um dann am Ende das Lachen im Halse ersticken zu lassen. Andererseits aber werden die verschiedenen Episoden auf mehreren Erzählebenen so ineinander verschachtelt, dass dem Leser immer wieder die Orientierung abhanden kommt. Denn der Roman ist die Selbstauskunft einer gespaltenen Persönlichkeit. Ein Konvolut von biographischen Angaben und phantasievoll ausgeschmückten Wunschbildern, von Hasstiraden und Angstgefühlen, dessen immanente Logik sich erst nach und nach entschlüsseln lässt.

Hinter all den zersplitterten Erzählungen und eingeschobenen kleinen Aufsätzchen scheint vor allem die Suche nach einer idealisierten Mutter die treibende Kraft zu sein – nach einer Frau, die so schön und gut sein müsste, wie die reale Ziehmutter als roh und gefühllos erlebt wurde. Patrick Braden alias Pussy entwirft sich seine leibliche Mutter als Lichtgestalt und hüllt sich selbst in Miniröcke und rosa Pullover, spielt mit einer Jugendfreundin Modeschau, lässt sich mit einem irischen Waffenhändler ein und kommt schliesslich Anfang der siebziger Jahre als Transvestit auf dem Strassenstrich am Londoner Piccadilly Circus auf den Hund.

Ungeachtet aller schrillen Akzente, die auch in der deutschen Übersetzung von Hans-Christian Oeser souverän ausgespielt werden, ist McCabe in diesem neuen Roman nicht weniger nah an der irischen Geschichte als in seinen früheren Werken. Indem er den Leser jedoch durch die Augen einer so verstörten Figur auf die blutigen Jahre nach 1970 blicken lässt, erlebt man die eskalierende Gewalt der Attentate und der Polizei- und Militäreinsätze vor und nach dem «Bloody Sunday» von 1972 als um so sinnloser. Egal, ob es sich um einen Bombenanschlag der IRA gegen britische Soldaten in einem Londoner Klub handelt oder um die Folterung eines Katholiken durch Ulster-Protestanten – Pussy registriert zwar das Blut, stöckelt aber durch die Szenerie, als gäbe es zwischen den Toten und den Trümmern nichts Wichtigeres als die eigenen zerrissenen Nylons und den lauen Trost von sentimentalem Pop. Inwieweit sie (bzw. er?) dabei in die Vorbereitung dieser Attentate auf seiten der IRA verstrickt gewesen ist, wird nicht recht klar – Pussys Phantasien handeln von der Suche nach dem richtigen «Fitzel» zum Anziehen beim Bombenlegen, aber die wirren Aussagen bei einem Verhör durch die Briten enden mit der Freilassung.

Ein politisch unkorrektes, ein blasphemisches Buch, weil darin wieder einmal die scheinheilige Rolle der katholischen Kirche ausgeschlachtet wird? Weil ein verstossener Bub seinem «Father Bernhard» nicht verzeihen will, dann aber weder seine Mutter noch ein Ventil für die Rache findet? Weil die Bewusstseinsspaltung der Hauptperson auf das trefflichste mit dem Riss und dem selbstzerstörerischen Potential der irischen Gesellschaft korrespondiert? Oder, aus einem anderen Blickwinkel gesehen: nur ein grausiges Spektakel, eine allzu peppig geratene Mischung von Pop und Blut, von Randgruppenexotik und Bürgerschreckgehabe? Vielleicht ist es ein unfairer Vergleich, aber wenn man an Michael Herrs Berichte aus Vietnam für den «Rolling Stone» denkt und an den Film, der u. a. darauf beruht, nämlich an «Apocalypse Now», dann erscheint einem «Breakfast on Pluto» über weite Strecken zunächst wie eine harmlose Spielerei. Man erkennt die Absicht, aber es dauert lange, bis der Funke überspringt. Wenn er es dann allerdings tut, etwa nach der Hälfte des Romans, steht man mit einemmal vor dem Bild einer erschreckend unverständlichen, gewalttätigen Epoche.

Michael Schmitt

Kurzbeschreibung

Auch wenn ich nicht mehr allzu viele Kunden habe, leider! Ich kann mir gut vorstellen, wie meine alten Bekannten reagieren würden, wenn sie mich jetzt hier -sitzen sähen in meinem albernen alten Hauskittel und Kopftuch - allesamt Hals über Kopf zur Tür hinaus und die Kilburn High Road runter, die Saubande! Aber es ist sinnlos zu klagen - irgendwann ist schließlich jede Schönheit ramponiert, und mag auch die Glanzzeit der armen, alten, süßen Miez-Miez-Muschi als Abzockerin für immer vorbei sein - sei's drum! Deswegen mach ich mir doch keinen Kopf, Mädels! Gebt mir Vic Damone, South Pacific und einen Stapel bunte Illustrierte, und ich bin glücklich, wenn ich die Seiten von New Faces of the Fifties, Picturegoer und Screen Parade durchblättern und mich noch einmal fröhlich unter die Stars von dazumal mischen kann. Hier in der Gegend nennen sie mich Mütterchen Riley und rufen immer: "Na, wie wär's denn mit uns beiden, Süße?" oder "Aussicht auf 'ne Nummer heute abend, Mrs. Riley?", sobald sie mich reinkommen hören. Ich möchte liebend gerne wissen, was sie sagen würden, wenn sie plötzlich herausfänden, wie viele "Nummern" die Alte zu ihrer Zeit geschoben hat! Glaubt mir, manchmal kann ich's mir kaum verkneifen und bin drauf und dran, zurückzurufen: "Aber ja doch! Jederzeit, Jungs! Heute abend lasse ich die Tür auf, dann könnt ihr alle reinmarschiert kommen und mir was geigen. Warum denn nicht?" Da würden sie bestimmt ganz schnell die Mücke machen! Furchtbar peinlich wäre es ihnen, den armen, kleinen, unschuldigen, rotbäckigen, schaufelschwingenden Söhnen der Grafschaften Sligo, Leitrim und Roscommon mit ihren schwieligen Pranken! Aber am besten lassen wir es nicht dazu kommen, denn in Wahrheit sind es alles grundanständige Kerle. Was sollen sie jetzt, nach vielen Jahren, mit all den schmutzigen, saftigen Einzelheiten aus dem Leben des lieben Patrick Braden anfangen - seufz! - aus dem Leben der süßen Mieze Kit-Kit, der parfümierten Schönen der Nacht, die einst im Blitzlichtgewitter die Laufstege der Welt erstürmt und gekrischen hat: "Uh! Schätzchen, ich hab dir doch gesagt, von meiner Schokoladenseite!" Wie sie dann davonschritt am Arm von Mr. Schwerblütig! Dem muskulösen schönen Mann, der geheimnisvollen Sorte, die ihr gefiel. Der mit Baßstimme säuselte: "Ich liebe dich!", bis ihr der Magen gluckste und sie ihm in die Arme sank.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Auch wenn ich nicht mehr allzu viele Kunden habe, leider! Ich kann mir gut vorstellen, wie meine alten Bekannten reagieren würden, wenn sie mich jetzt hier -sitzen sähen in meinem albernen alten Hauskittel und Kopftuch- allesamt Hals über Kopf zur Tür hinaus und die Kilburn High Road runter, die Saubande! Aber es ist sinnlos zu klagen - irgendwann ist schließlich jede Schönheit ramponiert, und mag auch die Glanzzeit der armen, alten, süßen Miez-Miez-Muschi als Abzockerin für immer vorbei sein - sei's drum! Deswegen mach ich mir doch keinen Kopf, Mädels! Gebt mir Vic Damone, South Pacific und einen Stapel bunte Illustrierte, und ich bin glücklich, wenn ich die Seiten von New Faces of the Fifties, Picturegoer und Screen Parade durchblättern und mich noch einmal fröhlich unter die Stars von dazumal mischen kann.
Hier in der Gegend nennen sie mich Mütterchen Riley und rufen immer: "Na, wie wär's denn mit uns beiden, Süße?" oder "Aussicht auf 'ne Nummer heute abend, Mrs. Riley ?", sobald sie michreinkommen hören.
Ich möchte liebend gerne wissen, was sie sagen würden, wenn sie plötzlich herausfänden, wie viele "Nummern" die Alte zu ihrer Zeit geschoben hat! Glaubt mir, manchmal kann ich's mir kaum verkneifen und bin drauf und dran, zurückzurufen: "Aber ja doch! Jederzeit, Jungs! Heute abend lasse ich die Tür auf, dann könnt ihr alle reinmarschiert kommen und mir was geigen. Warum denn nicht?"
Da würden sie bestimmt ganz schnell die Mücke machen! Furchtbar peinlich wäre es ihnen, den armen, kleinen, unschuldigen, rotbäckigen, schaufelschwingenden Söhnen der Grafschaften Sligo, Leitrim und Roscommon mit ihren schwieligen Pranken!
Aber am besten lassen wir es nicht dazu kommen, denn in Wahrheit sind es alles grundanständige Kerle. Was sollen sie jetzt, nach vielen Jahren, mit all den schmutzigen, saftigen Einzelheiten aus dem Leben des lieben Patrick Braden anfangen - seufz! - aus dem Leben der süßen Mieze Kit-Kit, der parfümierten Schönen der Nacht, die eins t im Blitzlichtgewitter die Laufstege der Welt erstürmt und gekrischen hat: "Uh! Schätzchen, ich hab dir doch gesagt, von meiner Schokoladenseite!"
Wie sie dann davonschritt am Arm von Mr. Schwerblütig! Dem muskulösen schönen Mann, der geheimnisvollen Sorte, die ihr gefiel. Der mit Baßstimme säuselte: "Ich liebe dich!", bis ihr der Magen gluckste und sie ihm in die Arme sank..."
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