1979 bekam ich meinen ersten eigenen Cassettenrecorder geschenkt. Damals nahm man die Musik einfach aus dem Radio auf - immerhin gab's einmal die Woche Mal Sondocks Hitparade, es gab SWF 3 (und noch nicht SWR 3) und es gab BFBS. Auf der allerersten Cassette (die ich heute noch habe) befindet sich (neben Pop Muzik von M, Does your mother know von ABBA oder My Shirona von The Knack...) der "Logical Song". Damals für mich eine der besten Musikstücke überhaupt. Die dazugehörige LP hatte mein grosser Bruder. Ich verbrachte Stunden im Partykeller, um diese Platte immer wieder zu hören. Ich war 12.
Heute - 30 Jahre später - habe ich Massen an Pop- und anderer Musik verkonsumiert, gekauft und wieder verschenkt, aufgenommen und wieder gelöscht und schliesslich als MP3 auf einer Festplatte abgelegt. Diese 30 Jahre konnten BREAKFAST IN AMERICA nicht anhaben. Nicht das Geringste.
Die fünf jungen Herren hatten den Stil, den sie auf CRIME OF THE CENTURY erfanden und die nächsten Produktionen einfach weiterführten, bis ins Feinste perfektioniert. Hier waren 5 echte leidenschaftliche Musiker am Werk, und das hört man an jedem einzelnen Ton. In Deutschland hatten Supertramp bis dahin nicht dan ganz grossen Wurf geschafft. Mit BREAKFAST IN AMERICA schafften sie ihn - weltweit. Ob der kommerzielle Erfolg die Qualität der Aufnahme schmälert? Ich sehe das nicht so. Songs wie "Child Of Vision" sind einfach zum wegfliegen, "Just another nervous wreck" - einfach Klasse. Die Details in den Arrangements und die Art und Weise, wie Supertramp den Songaufbau zelebrieren, waren damals einzigartig und sind bis heute unerreicht. "Take The Long Way Home" ist - laut gehört - immer noch ein Wahnsinn.
Die Besonderheit lag in der 70ern immer in dem Zusammenspiel der Gegensätze von Roger Hodgon und Rick Davies. Genau diese Reibung ergab diese perfekte Mischung aus bodenständigen, blues-angehauchten Nummern von Davies und diesen abgehobenen deliriumartigen Arrangements von Hodgson. Ein bisschen wie ein braver Drogenrausch.
BREAKFAST IN AMERICA feiert in diesem Jahr 30-jähriges Jubiläum. In Zeiten, wo es Deluxe Editionen von den blödsinnigsten Platten gibt, vermisse ich eine Sonderausgabe von BREAKFAST und den anderen Hodgson / Davies Platten ganz besonders. Wo bleibt die Sammleredition mit Rohfassungen, Demos, Alternate Takes, Liner Notes etc. Wenn ein Album eine Sonder-Edition verdient hat, dann dieses. Da schlafen die A&M Strategen ein wenig. Na ja, solange tröste ich mich mit der Goldversion der MFSL-Schmiede.
Wer dieses Album noch nicht sein eigen nennt - vor allem die jüngeren Leser dieser Rezension: tut Euch einen Gefallen und bestellt Euch diese CD. Nehmt Euch mal eine Stunde Auszeit und hört einfach mal hin. Dann denkt daran, wie sich die Popmusik in den letzten 30 Jahren entwickelt hat. Wenn Ihr dann am Schluss denkt, hey dass soll schon so alt sein? - dann wisst Ihr: dies ist ein absolut zeitloser Klassiker und eines der besten Pop-Alben in der Geschichte.