kulturnews.de
Art Spiegelman trägt eine schwere Last. Seine Eltern haben den Holocaust überlebt, sein Bruder nicht. Er, der Nachgeborene, der Amerikaner, konnte weder den Selbstmord seiner Mutter 1968 verhindern noch die Eltern wirklich verstehen. Er hat es versucht, hat "Maus" gezeichnet - und dafür 1992 den Pulitzer-Preis bekommen. Als erster und einziger Comicautor. Doch dies machte das Leben des grüblerischen Zeichners nicht leichter. Im Gegenteil. Wie ein Schatten hängt das persönliche Schicksal über allem, was Spiegelman fortan anfasst. Daran ändert das zu seinem 60. Geburtstag erscheinende "Outbreak - Porträt des Künstlers als junger %@&*!" natürlich überhaupt nichts, ist es doch sowohl eine gezeichnete Autobiografie als eine Faksimile-Sammlung seiner frühen Geschichten. Aber es ist viel mehr als nur ein weiterer Einblick in das Leben des Art Spiegelman. Der neue Teil ist eine hochkomplexe und intelligente Reflexion über Comics und ihre Entwicklung, über ihre Kunst und die verschiedenen Ebenen der Wahrnehmung, die auch geübte und geschulte Comicleser noch überraschen wird. Der Faksimile-Teil ist lebendige Comicgeschichte, macht Verschollenes zugänglich, liefert Beweise für die Einflüsse der Underground-Comics-Bewegung um Robert Crumb und anderer Zeitgenossen auf den jungen Spiegelman, zeigt aber auch die ästhetische und erzählerische Eigenständigkeit des Ausnahmekünstlers auf. Spiegelman war und ist nichts weniger als ein Genie. (kab)
Kurzbeschreibung
In »Breakdowns« zeichnet Art Spiegelman sein Selbstportrait als junger wilder Mann, der als Kind die bunten Heftchen über alles liebt und ständig Comics zeichnet. In San Francisco entdeckt er den Kreis um Robert Crumb die Subversion eines Genres: Die Underground-Comics lassen den American Dream in sarkastischen Sprechblasen explodieren. Spiegelman wird Dick Tracy und die Katzenjammer Kids auseinandernehmen, von den Kamerafahrten und schnellen Schnitten des Experimentalfilms lernen, bis er schließlich in expressionistischen Schabkartons vom Selbstmord seiner Mutter erzählt. So erlernt er, alles in die kleinen Boxen zu packen und dem Leser Sehfabriken zu schenken, und findet den Erzählrhythmus, mit dem er die Geschichte seiner Eltern, die beide Auschwitz überlebten, aufzeichnen kann: »Maus« entsteht, das Buch, das aus Kult Kunst werden ließ.
Über den Autor
Art Spiegelman ist 1948 in Stockholm geboren und lebt in New York. Für sein berühmtestes Werk »Maus« das die Lebensgeschichte seiner Eltern - beide Holocaust- Überlebende - schildert, wurde 1992 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. In der Folge wurde er zum Begründer wie Mentor einer neuen Kunstform.