Die Schöne und - nun ja - der Schluffig-Hübsche machen's wie einst Brigitte und Serge und schmachten sich gegenseitig an, auf einem Album voller Duette.
Bereits 2006 soll es gewesen sein, als Pete Yorn die Idee hatte, ein durchlebtes Liebesdesaster mithilfe eines Albums zu verarbeiten. Zur Seite sollte ihm dabei nach seiner spontanen Vorstellung niemand geringeres als die 2000er-Film-Ikone Scarlett Johansson stehen, auf dass es ein "Boy Meets Girl"-Album voller Duette werde. Nun ist es tatsächlich soweit: "Break Up" ist fertig. Und im Gegensatz zu ihrem musikalischen Debüt, dem letztjährigen ätherischen Tom-Waits-Coveralbum "Anywhere I Lay My Head", für das sie sich ein hippes Soundgewand von Indie-Über-Nerd David Sitek (TV On The Radio) schneidern ließ, gibt sich Scarlett Johansson hier um einiges erdverbundener und scheint auch deutlich mehr Spaß zu haben.
Kunststück - schließlich zauberte Singer/Songwriter und Duettpartner Pete Yorn acht launige Songs aus dem Hut, die sowohl mit klassischen Strukturen wie auch mit dezenten neuen Sounds aufwarten, und bei denen sie die lässige Lady geben darf und tatsächlich eine recht überzeugende Bandbreite an gesanglichem Können präsentiert. Garniert mit einem geschmackvoll ausgewählten Cover (Chris Bells "I Am The Cosmos") haben die beiden ein vergnügliches Stück Pop geschaffen.
Highlight ist eindeutig Album-Eröffnungssong und Vorabsingle "Relator": Musikalisch werden dabei nämlich die klassischen Nancy Sinatra/Lee Hazlewood-Duette zitiert, doch auch die Beatles werden textlich bemüht, und das Zusammenspiel der beiden Stimmen funktioniert hier am besten. Aber auch die übrigen Songs machen durchaus Spaß, klingen angenehm altmodisch und doch gleichzeitig modern.
Scarletts Stimme lässt ein ums andere Mal an alte und neue Soul-Ladies denken, dazu schmachtet Pete Yorn wie der liebenswerte Indie-Beau, der er ist. Denn die Rollenaufteilung scheint wirklich so zu sein, dass "er" (nicht unbedingt Pete Yorn selbst, mehr das lyrische, männliche "Ich" dieses Albums) leidet, während sie (s.o.) sich ihrer Sache nicht so ganz sicher scheint. Besonders deutlich im Abschlusssong "Someday", bei dem Yorn die komplette Lead-Stimme übernommen hat - und wie traurig und pessimistisch er da klingt! Aber dieses Spannungsfeld hat ja schon oftmals die beste Musik hervorgebracht.
Mal sehen, ob das hier wirklich eine einmalige Angelegenheit bleibt oder ob die beiden nicht vielleicht doch soviel Spaß daran hatten, dass sie die Scarlett-Pete-Show fortsetzen wollen.
Kurzbeschreibung
Mit PETE YORN und SCARLETT JOHANSSON gibt es zumindest musikalisch ein neues Traumpaar. Break Up heißt das gemeinsame Album, das, wie der Titel schon nahelegt, die lange Geschichte einer entstehenden und vergehenden Liebesbeziehung in einem Zyklus von 13 Songs aufrollt. Nach einer Trennung litt ich wochenlang unter Schlafstörungen , erklärt Songwriter PETE YORN. Und als ich einmal aus einem Halbschlaf erwachte, hatte ich diese fixe Idee im Kopf, ein Duett-Album wie Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot zu machen. Nicht vom Sound her, aber mit dieser Idee der Jungen-Mädchen-Geschichte. Und wer ist die Brigitte Bardot von heute? Natürlich SCARLETT JOHANSSON!
Wie hervorragend diese Wahl ist, offenbart der Song Relator, der im zügigen Uptempo und als rau belassenes Juwel das Album Break Up eröffnet und sowohl YORNs erfrischendes Songwriting als auch JOHANSSONS markante Stimme voll zur Geltung kommen lässt. Beides passt ganz glänzend zusammen und trifft die emotionale Verstrickung, um die es auf dem Album geht, auf den Punkt. Pete war ganz vernarrt in die Idee, dass zwei Menschen ihre komplizierte Beziehung in einer Reihe von Duetten verkörpern , so Scarlett.
Schon vor etwa zwei Jahren überraschte SCARLETT JOHANSSON mit ihrem Debüt-Album Anywhere I Lay My Head, einem Zyklus von Tom Waits-Interpretationen, der bei uns auf Patz 15 der Charts ging. Dort zeichnete sie sich vor allem durch eher gehauchte Stimmlage aus, die den Waits-Songs durchaus gut zu Gesicht steht. Mit Break Up zeigt SCARLETT JOHANSSON nun eine ganz andere Facette, nämlich eine schöne Singstimme mit einer Skala von lieblich-feminin bis hin zu am Boden zerstörter Melancholie.