"Brazil" lässt Könnerschaft und Passion perfekt fusionieren, wie es einem Film bisher nur selten gelang. Und genau dies ist der Punkt: Würde man von einer Idee lesen, ein Regisseur plante ein wohl abgeschmecktes und doch zutiefst eigenes Konglomerat verschiedenster Genres, in ein singuläres Werk zu fügen, würden Skeptiker bereits losprusten. Von wegen! Doch genau das macht "Brazil" übergreifend und outstanding. Niemand würde ein Remake wagen.
Terry Gilliams Interpretation des Orwellschen Klassikers weiß all dies zu fügen. Diese visionäre Vielfältigkeit, fantasievolle Gestaltung des Ganzen, das Set-Design, die knackige Action - unterbrochen von purer Komik (der Bon für den Ehemann, der Kampf um den Schreibtisch etc.) - und nicht zuletzt die von einer grotesken Babymaske bedeckten doch längst entlarvten Erscheinung, welche die Hinrichtung vollziehen soll, betonen eine weitaus unangenehmere, wenn nicht klar ausgedrückt, hässlichere Vorstellung dessen, was uns erreichen könnte.
Sämtliche Elemente lassen sich in das Hier & Jetzt übertragen - die Gefährlichkeit, eine eigene Meinung zu postulieren, zu lieben gegen alle politischen und gesellschaftlichen Limits, die Sinnlosigkeit, das Ich erblühen zu lassen, selbst Schönheitschirurgie kommt zum Tragen. Denn wenn der Mensch das Menschsein völlig unterschritten hat, folgt die unauslöschlichliche Reue, die (zu) späte Erkenntnis. Allein die Liebe triumphiert.
Was will man mehr? Ich weiß es - mehr von T.G. - einem der letzten Kinovisionäre.