Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein dystopischer und prophetischer Klassiker, 22. Dezember 2006
Wie kam eigentlich Aldous Huxley dazu, seinen Roman "Brave New World" zu nennen? - das ist so eine Preisfrage für Literaturwissenschaftler. Die Antwort darauf findet sich im vermutlich letzten Drama Shakespeares, "The Tempest" (dt. "Der Sturm"). Da ist es Miranda, die Tochter Prosperos, die - nach Erlebnissen von Intrigen und einem gerade noch vereitelten Mord - zu der scheinbaren Happy-End-Stimmung des Stücks folgende Verse ausspricht: "O brave new world, that has such people in't!"
Freilich ist das im Kontext des Dramas ziemlich zynisch und ähnlich zynisch sieht auch Aldous Huxley seine Welt.
Die Handlung spielt in einer fernen, aber bezifferbaren Zukunft, dem Jahre A.F. 632, also 632 Jahre nach der Geburt des Automobilmagnaten Henry Ford. Dem Leser offenbart sich eine perfekt organisierte Wohlstandsgesellschaft, voller biologisch und psychologisch konditionierter Arbeitsdrohnen. Wohlstand ist in dieser Welt - Marx lässt grüßen - tatsächlich für alle da, hingegen scheinen alle Krankheiten der Menschheit überwunden und ausgerottet. Der Preis für das synthetische Glück in Form der Droge Soma ist die Aufgabe von Individualität, Religion, Phantasie und Kunst. Auch um die Liebe sieht es düster aus, denn Promiskuität ist Teil des Alltagslebens in dieser schönen neuen Welt.
Eine der Figuren, Bernhard Marx, passt in dieses Gefüge nicht so recht hinein. Er gehört aufgrund seiner Intelligenz zwar der Alpha-Plus-Kaste an, aber sein äußeres Erscheinungsbild stigmatisiert ihn zum Außenseiter. Außerdem mag sich sein Gemüt nicht mit dem oberflächlichen Sexleben zufrieden geben, wie es auch keine Satisfaktion in der Droge Soma findet.
Im Gegensatz dazu steht Lenina Crowne, die pneumatische, also attraktive, perfekt konditionierte Frau. Gemeinsam besuchen sie ein Indianerreservat, wo sie auf John treffen, einem "noble Savage", der äußerlich zwar barbarisch erscheint, doch über ein hohes Maß an Bildung verfügt. Denn die zum verbotenen Kanon gehörenden Werke Shakespeares kennt John in- und auswendig; das Wertesystem hat er verinnerlicht.
John verliebt sich in Lenina - und lernt die schöne neue Welt nun wirklich kennen. Die Oberflächenstruktur des Romans ist relativ gut durchschaubar, was ihn für Sekundarstufenlektüre prädestiniert. Was den Roman wesentlich interessanter macht, sind die im Verborgenen liegenden Denkanstöße, angefangen bei den kleinen Wortspielen um sprechende Namen bis hin zu den wirklich großen Themen um Ethik und Wissenschaft.
Aldous Leonard Huxley entstammt der berühmten britischen Huxley-Familie, Thomas Henry Huxley war sein Großvater. Huxleys Werk steht in der Tradition der Romane H.G. Wells', also meist dystopische Zukunftsromane, die Fragen um Ethik, Technik, Fortschritt und menschliche Werte ausloten. Dass Huxley hier ein dramatisch überzeugendes, prophetisches und in mancher Hinsicht durchaus aktuelles Werk gelungen ist, darf als unbestrittene Tatsache angesehen werden. Und gerade das macht den Roman so faszinierend.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Huxley's masterpiece, 18. August 2006
A lot has been written about the drug-controlled society versus the natural or "savage" man in Huxley's book, and while that's a significant theme, a more interesting one to me is the isolation of individualism, which I think is often overlooked here. Many books have had this theme, but few have shown such a sharp divide between society and the individual as Brave New World.
A story about a society that has moved as far away as possible from the unpleasant aspects of being human, the question it raises is whether the easy elimination of these "disorders" has actually improved life, or taken something important away, no matter how unpleasant. The growth of the individual- the wisdom that comes from having been both up and down- is clearly missing; these people live half-lives. Yet, despite all efforts to sweeten life by removing all traces of the bitter, there remains a repulsive fascination with the savage, now considered unnatural in just one of many ironies to be found in the book. (Even the "Brave" in the title is ironic, since so few people strive to be any kind of courageous in this New World.) What's been created is a world where to be an individual means to ostracize yourself, to reject the instant gratification and quick fixes for what ails you. Anyone who does that is considered odd, since who wouldn't want a pain-free, always-happy life? The ultimate accomplishment of that indoctrination is to make individualism nearly impossible. That's Huxley's nightmare of the future, his dire warning of where we're headed in a hurry. The rebel or the loner is not only undesirable, it's not even comprehended by this bland society, which twists the "pursuit of happiness" into a kind of singular goal for all mankind. It's a sad world despite all the "happy" people in it, a world devoid of all real human aspirations, a stagnant world. If there's a braveness here at all, it's the unwitting willingness to forgo growth- since that often requires setbacks and pain- for the sake of total comfort.
We haven't yet reached that kind of comfort level in our own society, but the rise of political correctness and how easily people claim to be offended by anything that makes them uncomfortable says that Huxley was (unfortunately) correct about the direction we tend to drift, towards a personal comfort zone that blocks out anything we deem unpleasant, even if there are valuable lessons to be learned in things that conflict with our own beliefs and desires. Perhaps more than anything, that's the real warning behind Huxley's nightmare of his Brave New World.
Mark Wakely, author of An Audience for Einstein
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Düstere Utopie, 17. November 2005
Aldous Huxley entwirft in diesem Roman ein potenzielles Entwicklungsbild der Menschheit, die durch eine Aufgabe sowohl der persönlichen Freiheit als auch der ethischen Grundsätze gekennzeichnet ist. Kurzer Einblick in verschiedene Zustände und "neue Sitten": Der Mensch hat nur noch Geschlechtsverkehr zum totalen Vergnügen, ohne, dass die Gefahr besteht, ein Kind zu zeugen. Denn diese werden in Brutzentralen "gezüchtet", auf ihr zukünftiges Leben eingerichtet und somit in unterschiedliche "Level" (Alpha, Beta, Gamma etc.) eingeteilt. Außerdem lebt nahezu die gesamte Gesellschaft in Abhängigkeit von Drogen. Jegliche Würde und Wichtigkeit ist dem Individuum entrissen. Literaturhistorisch wird "Brave New World" in die Antiutopien eingeordnet, die einen Gegenpol zu der in Huxleys Schaffenszeit aufgekommenen Wissenschaft der Futurologie bildet, in der es hieß, dass alles in Zukunft besser werden würde. Das Buch gibt in recht hohem sprachlichen Niveau Zustände wieder, die der Mensch bald erreichen könnte. Die ersten Züge sind ja bereits heute zu erkennen...
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