Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Truffauts meisterhafte Hitchcock-Hommage auf guter DVD, 8. Juni 2009
Die Glocken läuten, das frisch vermählte Paar verlässt glücklich die Kirche. Ein Schuss fällt, es ist ein Unfall, aber der Bräutigam stirbt in den Armen seiner Braut Julie (Jeanne Moreau), die fortan nur noch ein Ziel kennt - Rache an den Männern, die ihre große Liebe auf dem Gewissen haben!
Francois Truffauts DIE BRAUT TRUG SCHWARZ aus dem Jahr 1968 ist eine Hommage an das große Vorbild Alfred Hitchcock, eine rabenschwarze Geschichte um einen Racheengel und seine Bestimmung. Eiskalt und gnadenlos sucht sie die Verantwortlichen, schleicht sich in ihr Leben ein und richtet sie. Sie trägt nur Schwarz und Weiß, sie erscheint ihren Opfern als Verführerin, Traumfrau und künstlerische Vision. Mit den männlichen Opfern zeichnet Truffaut ein bedrückendes Bild der französischen Gesellschaft (und verlässt hier den Hitchcock-Pfad, der sich für derlei soziale Betrachtungen nie wirklich interessiert hat). Der schmierige Politiker Michel Lonsdale verlangt Höchstleistungen von seinem kleinen Jungen und kann selbst nicht mal eine Tütensuppe zubereiten, für ihn gehören Frauen in die Küche (allein dafür verdient er, was er bekommt). Michel Bouquet spielt den erbärmlichen Träumer, dem Moreau wie ein Engel vorkommt, nicht ahnend, dass sie sein Todesengel ist. Aufreißer Claude Rich läuft über einen Teppich aus Gummibrüsten und flirtet noch während seiner Verlobung mit der unbekannten Moreau, Künstler Charles Denner (Truffauts Der Mann, der die Frauen liebte) malt sie als Jagdgöttin. Keiner dieser Männer hat eine reale Vorstellung von Frauen, sie sind Gespielinnen, abstrakte Objekte, Putzhilfen. So ahnt auch niemand die Gefahr, die von Julie ausgeht.
Jeanne Moreau gehört dieser Film, sie ist schlicht fantastisch. Niemals verlangt Truffaut Mitleid oder Verständnis für sie, man muss sie sogar ablehnen, doch man kann nicht anders als ihr gebannt zuzuschauen. Wenn sie einen offensichtlichen Fehler macht, dann verfolgt sie damit schon einen weiteren Plan. Selten hat es im Kino eine so ambivalente, gnadenlose Frauenfigur gegeben. Die Durchführung ihres Plans bleibt konsequent bis zu einem Ende, das an Bösartigkeit nicht zu übertreffen ist. Hitchcock hätte seine Freude gehabt. Sein Lieblingskomponist Bernard Herrmann liefert die aufgewühlte Musik zu den ganz und gar unaufgewühlten und kalkulierten Taten der Julie.
DIE BRAUT TRUG SCHWARZ ist und bleibt mein persönlicher Lieblings-Truffaut. Makaber, faszinierend, gleichzeitig pures Kino und scharfe, ironische Gesellschafts- und Geschlechteranalyse. Ein Meisterwerk.
Diese neue deutsche DVD von Pierrot Le Fou bietet den Klassiker in sehr guter Bildqualität (scharfes Bild, 1:1,66, anamorph), die der bisherigen MGM-Version (EU-Import) deutlich überlegen ist. Ton ist Deutsch/Französisch, deutsche Untertitel sind vorhanden, als Extras gibt es einen sympathischen und gut informierten Audiokommentar vom Truffaut-Experten Robert Fischer, Interviews mit Moreau und Truffaut (ca. 6 Minuten, S/W), den US-Trailer sowie eine Bildergalerie. Die hässlichen bunten Aufkleber, die auf der Cover-Abbildung zu sehen sind, befinden sich gottseidank nur auf der Schutzfolie, das FSK-Logo allerdings nicht. Die Cover-Bemerkung über "die legendäre Vorlage zu Kill Bill" ist selbstverständlich absurd. Außer der Tatsache, dass es in beiden Filmen um die Rache einer Frau geht, haben die Filme nichts miteinander zu tun.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Racheengel auf der Jagd, 11. Oktober 2009
"Die Braut trug schwarz" ist ein Film von Francois Truffaut aus dem Jahr 1968.
Ein frisch verheiratetes Paar verlässt die Kirche, da fällt ein Schuss, der Bräutigam stirbt. Die junge Frau Julie (Jeanne Moreau), die soeben ihre Jugendliebe David geheiratet hat, wird am Tag ihrer Hochzeit zur Witwe. Die Braut ist verzweifelt und will sich selbst umbringen, wird aber daran gehindert. Sie sinnt auf Rache.
Jahre später hat sie die fünf Männer, die für das Unglück verantwortlich sind (der Schuss ging nur aus einem Gerangel heraus los), ausgemacht. Sie sucht einen nach dem anderen auf, macht ihre Bekanntschaft und tötet sie. Sie ist ein Racheengel ohne Skrupel, einzig von dem Gedanken besessen, den Mann zu rächen, den sie immer geliebt hat und den sie immer lieben wird. Die fünf Männer waren einst Junggesellen, die sich gelegentlich trafen. Ihre Hobbys waren Jagen und Frauen. Nun, beides beherrschten sie nicht, denn sie sind überheblich, geschwätzig und/oder verzweifelt. Mitleid mit ihnen zu haben fällt schwer. Auch wenn man die Taten der Julie hier nicht gutheißen kann, so ist sie doch die tragischste Figur von allen.
Die Musik zu diesem Film stammt von Bernard Herrmann, der oft für Alfred Hitchcock gearbeitet hat, an dessen Werken sich dieser Film auch orientiert.
Was soll man zu diesem Film noch sagen, was nicht längst gesagt wurde? Unbedingt ansehen, allein Jeanne Moreau ist absolut sehenswert.
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5.0 von 5 Sternen
Cineastisches Kraftfutter in erstklassiker Qualität, 17. Oktober 2009
Mag sein, dass Filme wie "Die Braut trug schwarz" heutzutage nicht mehr gedreht werden - Dank Quentin Tarantino bleiben sie jedoch unvergessen.
Im Falle "Kill Bill" ließ sich der Meister bekanntlich von mehreren seiner ganz persönlichen Alltime-Faves und deren Scores beeinflussen, doch ohne "Die Braut trug schwarz" hätte es seinen spektakulären Rache-Zweiteiler wohl nie gegeben.
Gewagte These? Mitnichten!
Truffaut ließ bereits Ende der Sechziger eine "Braut" namens Julie Kohler (hier: Jeanne Moreau; u.a. "Mr. Klein"), die kurz vor der Eheschließung stand, ehe ihr zukünftiger Gatte von einer Horde "Bad Boys" um die Ecke gebracht wurde, mit einer Waffe in der rechten und einer Abschuss-Liste in der linken Hand auf sein Kino-Publikum los.
Meisterregisseur Truffaut, dem Jean-Paul Belmondo mit "À bout de souffle" einen seiner wohl größten Erfolge schuldet, begab sich seinerzeit mit seiner "Kill Bill"-Blaupause auf die Spuren eines Alfred Hitchcocks. Suspense und ein Hauch schwarzer Humor waren ihm demnach wichtiger als spektakuläre Action-Einlagen.
Und obwohl es bei Truffaut nicht permanent knallt, umhüllt die "Die Braut trug schwarz" ein einzigartiges Flair; ein Flair, das sich mit nichts vergleichen lässt. AT Medien restaurierte die 68er-Vorlage so gut, dass unsereins den Eindruck hat, der Film wäre erst vor ein paar Jahren entstanden.
Sensationell ist auch das hochinteressante Bonus-Material, das den ohnehin schon positiven Gesamteindruck nahezu perfekt abrundet. Cineasten werden folglich mit einem Lächeln auf den Lippen und der DVD unterm Arm zur Kasse rennen.
Fazit: "Die Braut trug schwarz" ist ein über vierzig Jahre alter Klassiker, der heutzutage in einem neuen Licht erstrahlt und obendrein in einem feschen Papp-Schuber daherkommt. Was will man(n)/Frau mehr?
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