Braun Series 7 Modell 735
Das Design: Braun halt. Die Grundform klassisch rechteckig, der Body leicht geschwungen, der Scherkopf etwas abgewinkelt, so dass man den Rasierer nicht im 90 Grad-Winkel, sondern nur noch mit ca. 80 Grad führen muss, was Schulter- und Handgelenke etwas schont. Liegt gut und angenehm schwer in der Hand.
Nach dem Auspacken des 735 stellte ich fest, dass irgend etwas mit dem Scherfolien und dem Trimmer nicht stimmte, diese federten nicht zurück, sondern verharrten in der Position, in die man sie drückte.
Nach dem ich den Scheraufsatz abgenommen und wieder aufgesetzt hatte, funktionierte das dann korrekt. Schon mal seltsam, dass ein Rasierer so vom Hersteller ausgeliefert wird.
Das Rasierer-Gehäuse ist aus vielen Einzelkomponenten zusammengesetzt und weist deshalb viele Rillen und Kanten auf, sicher nicht einfach sauber zu halten. Einiges am Gehäuse knarzt, wenn man drauf drückt, u.a. der Plastikring, welcher den Ein/Aus-Schalter umgibt. Insgesamt wirkt das Gehäuse eher billig. Hier wäre weniger mehr.
Vergeblich suchte ich die Abdeckung des Scherkopfes zum Schutz der Scherfolien, doch es gibt hat keine!
Die legt Braun - vollkommen unverständlicherweise - nur noch seiner "Series 1" bei.
Das, was am empfindlichsten ist, ist bei Braun generell ungeschützt? Damit nimmt Braun die versehentliche Beschädigung der Scherfolien bewusst in kauf. Da wird selbst der Plastikreißverschluss des hochwertig wirkenden Weichetuis zum potentiellen Scherfolienkiller, ganz übel. Will man bei Braun so den Verkauf des Ersatz-Schersystems ankurbeln?
Die Aufbewahrung des 735 im Weichetui? Zwingend, wenn man den Scherfolien wenigstens ein Mindestmaß an Schutz bieten möchte, aber nicht wirklich sicher.
Ein Transport des 735 im Weichetui im Koffer oder der Reisetasche? Ausgeschlossen! Auf Reisen sollte man zwingend den Scherkopf separat in einem Hardcase (feste Plastikdose, o.ä.) transportieren.
Außerdem passt das Netzkabel nicht mit ins Etui, das scheint heute aber bei Akkurasierern so üblich zu sein.
Wer sich vor bösen Überraschungen schützen will, oder wem ab und zu mal was herunter fällt, der sollte sich gleich mit einem Ersatzschersystem bevorraten.
Zwei weitere große Minuspunkte ergeben sich daraus, dass die Scherfolien und -messer im Schersystem fest integriert sind und ein fast komplett in sich geschlossenes System bilden. Dadurch können weder einzelne defekte Scherfolien oder -messer getauscht, noch der Scherkopf ordentlich von Hand gereinigt werden, weil man an den "Dreck" nicht ran kommt. Damit wird man de facto gezwungen, eine Reinigungsstation zu benutzen, oder man akzeptiert, dass man das Schersystem von Hand nie richtig sauber bekommt.
Als ich den Rasierer gereinigt hatte, musste ich feststellen, dass sich das Schersystem nicht problemlos in den Scherkopf einsetzen lässt, ich brauchte meist 2, manchmal auch 3 Versuche.
Dabei fand ich auch die Ursache für das Anfangs beschriebene Problem: das Schersystem war nur auf einer Seite eingerastet, daher die Fehlfunktion. Die Haltenasen desselben sind zudem aus Plastik und machen nicht den Eindruck, dass sie dieser Belastung bei täglicher Reinigung 18 Monate lang - so lange soll das Schersystem scharf bleiben - standhalten.
Die erste Rasur war teilweise enttäuschend. Nur durch deutlichen Andruck, wiederholte Rasur ein und derselben Stelle unter leichter Drehbewegung des Rasierers und manuelles Spannen der Haut ging der Bart ab. Offenbar entspricht die Dicke meines Barthaares überwiegend nicht der Lochanordnung in der OptiFoil, die Braun als Innovation bewirbt.
Nach 10 Minuten war dann doch alles annehmbar glatt. Am Hals gab es für mich sogar eine positive Überraschung: sehr glatt.
Das Rasierwasser brannte etwas heftiger, als nach der Nassrasur.
Eine leichte Rötung seitlich am Hals an einer Problemzone, die sich erst nach 24 Std. komplett legte.
Ein allgemeines Jucken, ausgelöst durch die wuchtigen Vibrationen des Rasierers, legte sich nach einigen Minuten.
30 Minuten nach der Rasur begann mein rasierter Hals plötzlich deutlich zu brennen, was sich jedoch nach weiteren 30 Minuten wieder vollständig gab. Allerdings hielt die Rasur nicht lange vor, bereits nach 6 Std. war es mit der glatten Haut wieder vorbei.
Sinn und Wirkungen der Komforteinstellungen erschlossen sich mir nicht. Rasurverlauf und -ergebnis zeigten bei den drei möglichen Einstellungen keinen erkennbaren Unterschied.
Beim Rasieren habe ich den seltsamen Eindruck, dass der Scherkopf durch seine Vibration gar keinen richtigen Kontakt zur Haut hat. Die Scherfolien wirken sehr dick.
Der Scherkopf ist in einer Ebene beweglich, allerdings nicht federnd gelagert, d.h. er kehrt nicht von selbst in die Grundstellung zurück, was den Sinn dieser Beweglichkeit in Frage stellt, da der Scherkopf dadurch eben nicht optimal den Konturen des Gesichts folgt.
Der Langhaarschneider ist nur für absolute Notfälle geeignet, denn er rastet nicht ein, sondern klappt beim kleinsten Druck sofort wieder ein. Bei der Benutzung desselben muss man deshalb den Schiebeschalter, mit dem man den Langhaarschneider ausklappt, ständig nach oben drücken. Das ist äußerst umständlich.
Die Anzeigeelemente sind nicht optisch gegeneinander abgeschirmt, so dass von einer Anzeige das ganze Display hinterleuchtet wird und man schon genau hinsehen muss, was gemeint ist.
Auch wenn man den Rasierer unter fließendem Wasser reinigen kann, ist er kein Nass-Trocken-Rasierer.
Er muss nach wie vor auf der trockenen Haut angewendet werden.
Zusammenfassung
[+] gründliche Rasur, leider nicht sehr lang vorhaltend
[+] für sensible Haut geeignet
[-] keine Scherkopfschutzabdeckung
[-] Langhaarschneider nicht nutzbar
[-] sehr schlecht von Hand zu reinigen
Mein Fazit
Am Besten hat mir das Etui gefallen.
Die sehr starke Vibration des Rasierers ist vermutlich sehr effektiv bei der Lösung von Zahnfüllungen, trägt aber, entgegen der Werbeversprechen, nicht zu einer gründlicheren Rasur bei - im Gegenteil, sie vermindert meiner Meinung nach den direkten Hautkontakt und vergrößert die Entfernung zu Barthaar, dadurch vermutlich auch die kurze Vorhaltezeit der Rasur.
Braun sollte sich an seine Wurzeln erinnern: mit dem micron vario 3 hatte Braun mal einen hochwertigen Rasierer ohne Schnickschnack, der alles das hatte und konnte, was die aktuellen Rasierer von Braun nicht können: schnell und gründlich hautschonend rasieren, Schutzkappe, Lederetui mit Kabelaufbewahrung, lange Haltbarkeit, gründliche Reinigung und preisgünstige Ersatzteile.
Würde es den micron vario 3 noch geben, würde ich ihn sofort kaufen, jedoch keinen der aktuellen Rasierer von Braun.
Wertung
Rasurergebnis, Hautschonung, manuelle Reinigung, Nutzbarkeit aller Komponenten, Ausstattung.
Für den Braun Series 7 Modell 735 vergebe ich nur zwei Sterne, einen für die Rasur und einen die Hautschonung.