Hallo!
[Dieses ist eine modifierte Rezension basierend auf der vom 10. Dezember 2010 und ergänzt um jüngste Erkenntnisse, da sich ein kleiner aber fataler Fehler eingeschlichen hat. Bei der in der NEUEN Generation der Oral-Bs verbauten Akkutype handelt es sich um 4/5AA und NICHT 4/5A wie in dem von mir zerlegten weiß-grauen Vorgängermodell. Notwendig sind Lötfahnen in U-Form, die man am Ende auf ca. 1mm Breite verschmälern muß. Diese Verkleinerung des Akkus von ca. 2200 auf 1200mAh ist natürlich unsinnig, weil vollkommen unnötig und ausschließlich Herstellungskosteneinsparungsmaßnahmen geschuldet - im Akkuhalter aus Polyamid sind Stege angespritzt, die den ansich vorhandenen Platz auf 4/5AA-Bauraum verkleinern!
Da es sich bei den Beobachtungen in Sachen "schwächelnde Akkus" offenbar nicht um Einzelfälle handelt, habe ich in meiner Rezension zur "Braun Oral-B Professional Care 6000" und im Anschluß dieser Kritik eine detaillierte Anleitung zum DIY-Tausch der defekten Zelle gegeben. Dazu benötigt man außer Lötkolben/-zinn und ggfs. Entlötlitze nur ein wenig Geduld - ein Versuch kann sich insbesondere deswegen lohnen, da man 4/5AAs auf dem Markt schon für einen kleinen einstelligen Eurobetrag bekommt.]
Seit etlichen Jahren verwende ich und meine Familie etliche elektrische Zahnbürsten aus dem Hause Oral-B, die trotz einigen Neuerungen und Designänderungen dem aktuellen Modell "Oral-B ProfessionalCare 500" weitgehend identisch sind. Die (tadellose) Reinigungsleistung haben meine Vorredner bereits umfassend erörtert, daher will ich mich auf ein paar andere Punkte beschränken: Umweltfreundlichkeit und Reisetauglichkeit.
Ein regelmäßiges Ärgernis ist bei allen Akkumodellen der fest eingebaute und nicht ohne detailliertes Wissen (Erwärmen des Kunststoffteils im Backofen, prinzipielles Vorgehen nach der "Recyclinganleitung" jedoch mit größter Vorsicht) zerstörungsfrei auswechselbare NiMH-Akku, der bei regelmäßiger Benutzung im zahnärztlich empfohlenen Umfang (2-3x täglich, jeweils 2-5 Minuten) schon nach etwa 2 Jahren deutliche Kapazitätsdefizite (Laufzeitverkürzung auf unter 50%) zeigt. Im Unterschied zu frei verkäuflichen Markenakkus der gleichen Kapazität übrigens, die ich in ein derart schwächelndes Gerät einmal eingebaut hatte.
Ein entsprechendes Ersatzteil existiert [1] - warum die Wahl anstatt des weitverbreiteten Mignon-Formats ("AA") auf den Typ "4/5AA" [Ed: Hier stand vorher 4/5A - kleiner Buchstabe, große Wirkung. I. d. T. passen Akkus mit ca. 42-43mm Länge und 14mm Durchmesser!] gefallen ist, der sich neben einem höheren Preis dadurch auszeichnet, daß er zwar denselben Durchmesser hat, aber mit 42mm um gut 8mm kürzer ist als sein Pendant, erschließt sich mir jedoch nicht. Sparsame Naturen können AAA-Eneloops einbauen - dazu ist es aber notwendig kurze Drähtchen an den Polen anzulöten, denn das Original verlangt nach Lötfahnen in U-Form, die am Ende in ca. 1mm schmale Laschen münden. Allerdings nutzt man dann nicht die maximale Kapazität aus (die Micro-Eneloops haben ungefähr 800mAh, wohingegen es die 4/5AA auf rund 1200mAh bringen), bedingt durch die etwas höhere Systemspannung und die flachere Entladekurve könnte die nutzbare Kapazität aber sogar vergleichbar sein.
Zur Bauform: Nach eingehendem Studium der Entsorgungshinweise (Abdrehen des Fußteils mit der Nase an der Rückwand des Laders, wobei man das Handgerät erst im Backofen auf ca. 50-60° erwärmt es dann IM GEGENUHRZEIGERSINN dreht - Vorsicht: Das Unterteil mit der Ladespule ist federbelastet, d. h. das Handgerät mit etwas Druck auf der Demontagenase des Laders fixieren) und Blick in das Innere der Zahnbürste können Erwägungen des Bauraums jedenfalls nicht ausschlaggebend gewesen sein.
Auch ist mir nicht klar, warum das Design nicht analog der Oral-B AdvancePower 400 oder mit einem bajonettartigen Verschluß zum Auswechseln des Akkus durch Laien ausgelegt werden konnte, wie es jeder Hersteller von Billigtaschenlampen vormacht und man letztlich zum Kauf einer neuen Zahnbürste gezwungen ist, wenn man nicht - wie ich - mit einem Lötkolben umgehen kann und über das nötige Fingerspitzengefühl verfügt. Hier könnte man das System ebenfalls so auslegen, daß es mit den 1.2 Volt des NiMH-Akkus (frühere Oral-Bs waren bis vor kurzem noch mit einem NiCd-Akku ausgestattet) und notfalls auch Primärzellen zurechtkommt.
Natürlich müßte dann eine andere Lösung für den Anschluß der Ladespule gefunden werden, die gegenwärtig mit vier äußerst dünnen Kupferlackdrähten erfolgt, aber auch das ist keine Raketenwissenschaft. Braun/Oral-B hält schlicht und ergreifend an einem 10 Jahre alten Konzept fest und wärmt es immer wieder mit neuen Designs auf. Das zeigt die Historie der von mir zerlegten Geräte ganz deutlich.
Für den Auslandsreisenden ist das Basismodell Oral-B ProfessionalCare 500 ebenfalls nicht verwendbar, da dessen induktive Ladestation auf 220-230V fixiert ist und nachweislich bei 110V nicht funktioniert. Eine "Braun Oral-B Reiseladestation" mit den Anschlußdaten 100-240 V 50-60Hz/2W kann nachträglich zum annähernden Preis des kompletten hier rezensierten Sets erworben werden [2], jedoch ist diese unverständlicherweise (vermutlich wegen der inkompatiblen Systemspannung) auf folgende Handstücke festgelegt: 3718, 3719, 3728, 4715, 4717, 4729, 4733, 4736 D 15/17/18/19er Serie D10511 OC 18er Serie S 18er Serie (Sonic Complete).
Besitzer einer "Volkszahnbürste" wie der ProfessionalCare 500 sind damit außen vor und sehen sich einer weiteren, kostspieligen Anschaffung gegenüber. Die Firmenwebsite (oralb.de) erwähnt die Existenz des o. a. Ladegeräts schlußendlich überhaupt nicht und geht in den "Weiteren Informationen" bzw. "Merkmalen" selbst des Spitzenmodells Oral-B Triumph 5000 mit keinem Wort auf dessen Reisetauglichkeit ein - der Benutzer soll sich wohl aus den kargen Informationen "Reise-Etui / Tragbares SmartPlug-Ladeteil" selbst einen Reim machen.
Eine Alternative könnte im mobilen Betrieb die mit knapp 20 Euro noch verschmerzbar günstige Oral-B AdvancePower 400 sein [3], jedoch läßt die Produktbeschreibung [4] "[...] Inkl. zwei Duracell® Batterien und Reiseschutzkappe für die Aufsteckbürste [...]" samt Abbildung zweier Primärzellen schon vermuten, daß es zwei (warum eigentlich zwei?) NiMH-Zellen wie die Sanyo Eneloop mit ihrer geringeren Systemspannung wohl nicht tun.
Ob die Reinigungswirkung, die Dimensionen und die Betriebsdauer der AdvancePower 400 der ProfessionalCare 500 vergleichbar sind, bleibt ebenfalls offen.
Noch ein Wort zur Selbstentladung: Neuere Modelle der oben beschriebenen Oral-B-Serie (diejenigen die mit der Ladezustands-LED blinken können oder eine gelbe statt grüne LED haben) erzeugen ein deutlich vernehmbares "Tickern" im Ruhezustand (d. h. ausgeschaltet und nicht auf dem Ladeteil). Aus naheliegenden Gründen muß man unterstellen, daß dort, wo Geräusche entstehen auch (unnötigerweise) Strom fließt. Strom, der den eingebauten Akku kontinuierlich entlädt und zusätzliche Ladezyklen aufzwingt.
Warum Oral-B statt diese Probleme zu lösen in drahtlose Displays, LCD-Anzeigen im Handteil und ähnliche Gimmicks Entwicklungsressourcen investiert, bleibt einigermaßen rätselhaft. Eine entsprechende Mail mit den obigen Kritikpunkten an das Unternehmen ergab folgende Antwort (Auszugszitat):
"[...] Für uns als Hersteller ist die Meinung der Benutzer unserer Produkte immer von großem Interesse, denn wir versuchen stets, aus Ihren Erfahrungen im praktischen Gebrauch zu lernen. Es freut uns, wenn sich unsere Kunden mit unseren Produkten auseinandersetzen. Dafür danken wir Ihnen und freuen uns, wenn Sie auch weiterhin unseren Produkten treu bleiben. [...]
Das standardmäßig im Lieferumfang enthaltene Ladegerät (220-240V/50Hz) ist nicht geeignet um es im Ausland (Länder mit einer Spannung von 110 Volt) zu nutzen, da das standardmäßige Ladegerät keinen Smart-Plug-Stecker (automatische Spannungsanpassung) enthält. [...]
Die Teilenummer für das "Braun Ladeteil mini multi voltage" für die Professional Care 500 lautet 67040052. Sie benötigen ein Ersatzteil oder eine Reparatur? Wenden Sie sich bitte an einen unserer autorisierten Service-Partner, diese haben den kompletten Ersatzteil- und Reparaturservice für uns übernommen. Die Adressen, einschließlich der Telefonnummern finden Sie auf unserer Internetseite braun.com/de [...]"
Das Fazit: Es gibt derzeit definitiv keine Zahnbürste die besser putzt. Wer nicht der Wegwerfgesellschaft (teure Bürstenköpfe aus Kunststoff und nicht auswechselbare Akkus im Handteil) angehören will, sollte sich den Kauf gründlich überlegen. Außerdem kommt man nicht umhin, auf mehrtägigen Auslandsaufenthalten außerhalb von 230V-Ländern weiterhin manuellen Zahnbürsten den Vorzug zu geben oder in einen Lader zu investieren, der den Anschaffungspreis annähernd verdoppelt.
Saubere Grüße!
P.S.
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