Wegen der vielen schlechten Rezensionen hier und auch auf Seiten wie Kaffee-netz.de habe ich sehr lange mit dem Kauf gezögert; Ausschlag gegeben hat dann schließlich meine Begeisterung fürs Braun-Design, meine Kindheitserinnerung KMM1, die ausdrückliche und korrekte Behandlung der Espressobereitung in der online verfügbaren Bedienungsanleitung der KMM30 und eine gewisse Risikofreude (und im Notfall, also wenn sie wirklich nicht geeignet für Espresso gewesen wäre, hätte ich sie ja filterkaffeetrinkenden Verwandten oder Bekannten überlassen können).
Das wichtigste "in a nutshell": Mein Exemplar der Braun KMM30 ist absolut espressotauglich.
Ich will nicht ausschließen, dass Braun das Innere des Gerätes seit den älteren Rezensionen geändert hat, aber auf der feinsten Einstellung mahlt meine KMM30 so fein, dass meine Espressomaschine (dazu gleich mehr) sichtlich Mühe hat, überhaupt Wasser durchs Kaffeemehl zu bekommen, und es nur ganz langsam tröpfelt. Innerhalb der korrekten 25 Sekunden wird bei dieser Mahlgradeinstellung gerade einmal der Tassenboden bedeckt.
Meine Espressomaschine ist zwar nur eine Saeco Aroma, aber ich verwende nicht den mitgelieferten Ventil-Siebträger, sondern einen "richtigen" Siebträger (Saeco bezeichnet ihn als Classic-Siebträger und verkauft ihn zu einem Preis, um den man auch schon eine chinesische Billig-Espressomaschien bekäme), bei dem man - wie es sich gehört - das Kaffeemehl andrücken muss. Auch dazusagen muss ich, dass ich den Espresso fast immer zu Cappuccino weiterverarbeite - der wird jedenfalls perfekt.
Ebenfalls ein bisschen mulmig war mir angesichts der Tatsache, dass der Mahlgutbehälter auf einer Schiene am unteren eingeschoben und nur dort und von einem gefederten Dorn in einer Aussparung an seiner Unterseite festgehalten wird. Er wird aber so präzise in Position gehalten, dass das Kaffeemehl dort landet, wo es hingehört, und ich mir nicht vorstellen kann, dass beim Mahlen welches seitlich austreten kann - Langzeiterfahrungen damit, ob die Präzision der Halteschiene mit den Jahren nachlässt, habe ich aber natürlich nicht (rechne aber subjektiv nicht damit).
Anders ist es beim Entnehmen des Mahlgutbehälters: Wenn beim Mahlen einige Bröseln Kaffeemehls ungünstig zu liegen gekommen sind, können sie beim Herausziehen des Behälters herausfallen und auf der Halteschiene zu liegen kommen (wo sie aber keinen Schaden anrichten). Vermeiden kann man das, wenn man vor dem Entnehmen des Behälters mit dem Reinigungswerkzeug am Ende des beigelegten Dosierlöffels den Auslass auswischt; will man das nicht, dann reicht es, alle heiligen Zeiten mit einem feuchten Tuch das Kaffeemehl von der Halteschiene zu wischen. Und schließlich könnte man den Mahlgutbehälter gänzlich an seinem Platz lassen und nur den Deckel abnehmen, um das Kaffeemehl vor Ort von oben zu entnehmen - das finde ich aber weniger praktisch, zumindest bei der Anordnung meiner Küche.
Nicht einmal am Laufgeräusch der Maschine habe ich etwas auszusetzen, und das macht mich schon einigermaßen stutzig - entweder bin ich wirklich so viel unempfindlicher als die anderen Rezensent(inn)en, oder ich habe nur noch nie eine wirklich leise Kaffeemühle gehört: Man hört die Braun zwar deutlich, aber ich empfinde das Geräusch als angenehm, fast als sounddesigned. Weder dringt es in angrenzende Zimmer durch, noch ist es - in meinen Ohren - in irgendeiner Weise schrill oder unangenehm.
Nachdem ich meinen Worten selber kaum glauben kann (vielleicht haben ja die anderen Rezensent(inn)en Recht und habe ich entweder einen besonders positiven Ausreißer erwischt *oder* sind meine Ansprüche besonders niedrig), würde ich potenziellen Interessent(inn)en empfehlen, darauf zu achten, ein Exemplar der neuesten Serie zu bekommen und - sofern das möglich ist - vielleicht sogar erst einmal im Geschäft ein Vorführgerät auszuprobieren; ich selbst würde die KMM30 aber jederzeit wieder kaufen und bin froh, mich nicht von den negativen Rezensionen abschrecken lassen zu haben.