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Wir brauchen nichts ist die Antwort der Band Tele auf die existenziellen Fragen unseres Alltags. Wovon sollen wir leben war ihr Vorgängeralbum, und nun das: Fast so etwas wie eine Bankrotterklärung an das Rattenrennen nach Glück plus Geld und zugleich Liebeserklärung an das nackte Leben, ganz ohne Schnickschnack und Schmalz, genau wie ihre Musik. Auch wie ihr Song Mario, über einen Millionärssohn, der alles hatte (und noch viel mehr) und wusste, dass es niemals reicht: Oh oh Mario! Ein verdammt starkes Stück Musik mit einem Refrain der sich gewaschen hat. Er gräbt sich ins Hirn bis in die tiefsten Träume und verführt dabei zum Immer-wieder- und Immer-lauter-Hören. Francesco Wilkings souveräne Sprachkünste lassen so manchen Poetry-Slammer vor Neid erblassen und Rapper wie Bushido und Konsorten als lupenreine Legastheniker dastehen. Zwar schrammt seine zuweilen arg gepresste Falsettstimme nah an der Grenze zum Strapaziösen entlang, doch befindet sich Wilking in guter Gesellschaft mit Udo Lindenberg und Heiner Pudelko von Interzone. Deren Schwäche im oberen Drehzahlenbereich vermochte bekanntlich ebenfalls nichts an ihren Songwriter-Qualitäten und ihrer Präsenz als Interpreten und zu rütteln.
In musikalischer Hinsicht ist Wir brauchen nichts eine solide, puristische Angelegenheit, in textlicher eine herausragende. Wo beides aufeinander trifft möchte man am Liebsten klatschen. Es beginnt zu dämmern, warum eine Einrichtung wie das der Kommunikation verpflichtete Goethe-Institut diese Band für drei Wochen auf eine Afrikareise einlud: Weil die mit ihrer Musik so etwas wie einen Generalschlüssel zu den Seelen ihrer Zuhörer im Gepäck trug. Wie gute Geschichten es meist an sich haben, sind auch die Texte Wilkings ohne den Hintergrund persönlicher Erfahrung undenkbar. Jede Zeile in gelungenen Arrangements verpackt, mit dezenten Chorsätzen (Mario), Big-Band-Anleihen (Rio de Janeiro) und Streichquartett (Immer nur Du und Lila lass mich in Ruhe), zusammengehalten von Gitarrenklängen, mal rockig mal akustisch, sowie einem schön straight gespielten, trockenem Schlagzeug. Fazit: Wir brauchen nichts, das sind 15 Songs, verteilt auf eine runde Stunde wunschlosen Glücks. Andreas Schultz
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