"Brasilien" mag vielleicht nicht John Updikes wichtigster Roman sein (?), vielleicht auch nicht sein bester (?), aber er ist mein absoluter Lieblingsroman von John Updike.
In poetischer, erotischer und sinnlicher Weise verlegt John Updike die Geschichte von Tristan und Isolde nach Brasilien.
Ausgangspunkt für diesen Roman, der sich auch mit der Rassenfragen in Brasilien beschäftigt ist die Geschichte von Tristao, ein armer schwarzer Junge aus den Slums, der Isabel, die wunderschöne weiße Tochter aus reichem Haus trifft. Die beiden verlieben sich, werden aber von Isabels Vater und in weiterer Folge von der Gesellschaft an einer harmonischen Entwicklung ihrer Liebe gehindert.
Sie fliehen und leben ihre Liebe, allen Hindernissen zum Trotz, bis zum bitteren Ende.
"Brasilien" ist im Schaffen John Updikes ein Ausnahmefall.
Es ist sein erster und (meines Wissens nach) auch einziger Roman, der einem Liebespaar eine hoffnungslos romantische und allen Hindernissen trotzende Liebe erlaubt.
Beeindruckend, wie sich John Updike hier sinnlich der Mythologie bedient, in Passagen, die an die großen Meister des "Magischen Realismus" erinnern, spielt er mit der Janushaftigkeit des Menschen, halb Mensch, halb Tier.
"Unser Körper ist ein Tier, das unsere Seele ein Stück weit trägt. aber wie weit die Reise geht, entscheidet ganz allein das Tier. Nicht wir beherrschen unseren Körper, er beherrscht uns und schert sich einen Dreck um unsere Launen - selbst wenn wir sterben wollen..."
Die Liebe von Isabel und Tristao wird immer stärker, bis die beiden sogar in symbolischer Manier die Hautfarben tauschen und daraufhin die Sexualität ganz anders erleben, als davor.
Ein weiser, ein hocherotischer, ein äusserst spannender, ein theologischer- und gleichzeitig antitheologischer Roman.
Vielleicht der vielschichtigste Roman von John Updike.
Absolute Leseempfehlung.