Die magischen langen schwedischen Sommerferien hier einmal nicht als Schärenidyll, sondern in in einer Vorstadtversion, wo Eltern allenfalls am Rand vorkommen, die größten Abenteuer auf dem Schrottplatz bestanden werden und die Polizei weitläufig umgangen wird.
Kein Grund, Betroffenheitsprosa zu befürchten oder die Tristesse des sozialistischen Realismus '- die Protagonisten Marlon ('Brando'), Larsa und Ola sind keine Jammerlappen, sondern richtige Kämpfer, die viel einstecken müssen, aber auch ordentlich austeilen. Dieser Bandenkrieg ist kein ritterlicher Rosenkampf, außer den Fäusten kommen auch Eisenrohre, rostige Angelhaken und Luftgewehre zum Einsatz. Brando schlägt sich tapfer, doch abends, wenn er allein ist, kommen ihm oft Zweifel am Sinn dieser Auseinandersetzungen. Ein Ausweg fällt ihm nicht ein, er fällt ihm zu - wie, wird natürlich nicht verraten.
Die eingangs erwähnte Magie kommt so unauffällig daher, dass man sie erst gar nicht recht bemerkt, aber die Fähigkeiten des zunächst rumgeschubsten Ola sind zweifellos magisch, und Marlon und Larsa nehmen ihn zunehmend ernst. Dass Ola immun gegen glühendes Metall oder einen aufgesetzten Luftgewehrschuss ist, dass er einen Killerhund besänftigen und eine Kugellagerkugel schweben lassen kann, das ist zwar nicht auf Kommando reproduzierbar, hilft aber im Kampf und macht Eindruck. Seine Ahnungen, die sich immer als richtig erweisen, finden jedoch bis zum Schluss kein Gehör. Sein ganzes Sinnen und Trachten gilt dem Sammeln bestimmter Eisstiele für ein Preisausschreiben '- in einer andern Welt würde er auf ein Internat für Zauberer gehen...
Fazit:
1. es ist ein Jungsbuch.' Mädchen und Frauen kommen nur als Objekt der Sehnsucht vor und in Pornoheften. Mehr von solchen Büchern und Jungs würden vielleicht auch lieber lesen! Dann müsste sich bitte noch jemand um eine vernünftige Covergestaltung kümmern '- kein Junge, der etwas auf sich hält, würde ein Buch mit DEM Umschlag anfassen.
2. die Protagonisten sind noch nicht ganz in der Pubertät eingetroffen; Jungs, die dort schon angekommen sind, werden sich nicht mehr mit ihnen identifizieren.
3. es ist die Frage, ob für die, die sich identifizieren könnten, der lakonische, verknappte und schonungslose Stil geeignet ist, oder ob der wahre Wert des Buches nicht darin besteht,
4. allen nicht-Jungs und allen Behüteten einen Blick in ein anderes Leben zu gewähren.
Auf jeden Fall ist das hier richtige Literatur, toll geschrieben, toll übersetzt und jede Minute wert, die man damit verbringt.