Das ist eine wunderschöne Gebrauchsanweisung. Gemacht wurde sie für Unternehmen und Menschen, die auf der Suche nach einer Werbeagentur sind, ihre derzeitige Agentur einem Check-up unterziehen wollen oder bereits auf dem Absprung sind. "Gemacht" ist in diesem Zusammenhang schon fast Majestätsbeleidigung. Denn Wulf-Peter Kemper gehört zum engeren Kreis, wenn es um die nächste Wahl des Werbepapstes geht. Kemper ist vielleicht nicht ganz so bescheiden wie David Ogilvy, aber er zählt ja nicht einmal vierzig Lenze. Seine Konkurrenten werden ihm bestimmt unterstellen, das Buch sei bloss eine kaschierte, vom Kunden gleich selber bezahlte Werbebroschüre. Und wahrscheinlich würde ihnen Kemper kaum widersprechen, sondern sie zur Nachahmung auffordern. Bloss ist das gar nicht so einfach. Denn nebst der wunderschönen Gestaltung und der textergeprüften Sprache liefert uns Kemper auch Inhalt. Der junge Werbeprofi beschreibt eine detaillierte Landkarte, die uns den Weg zur richtigen Werbeagentur weist. Er nimmt uns mit seinen Tipps die Angst vor den ersten Tagen und Nächten mit der auserkorenen Braut. Und er lässt uns über die Schultern blicken, wenn Kreationen entstehen und in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden perfektioniert werden. Gute Werbung scheut sich auch nicht vor der Erfolgsmessung. Dazu liefert Kemper allerdings nur den Fragekatalog und bestätigt damit das Vorurteil, dass Werber auf dieser Brust eher schwächlich sind. Das Nachwort hat mich am wenigsten begeistert. Denn der damit beauftragte Dr. Soundso benutzte die Anfrage als allzu plumpe Werbeplattform für seine von ihm mit Copyright geschützten Wörter. Bewusst oder unbewusst ist das der alte Trick der Könige, die keine anderen Schattenwerfer neben sich dulden. Weil seine Konkurrenten lieber trockene Anweisungen in Katechismusmanier verfassen, wird Kemper sie vorderhand nicht fürchten müssen. Toll.