Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich als gerade ordinierter junger Pfarrer 1983 zum ersten Mal mit einigen anderen Menschen aus meiner ersten Dorfgemeinde unsere Partnergemeinde in der damaligen DDR besuchte. Neben vielen anderen Eindrücken, die ich nie vergessen werde, gehört der Zustand der zahlreichen Kirchen innerhalb des Kirchspiels der damaligen Partnergemeinde zu den Erinnerungen, die sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt haben. Damals dachte niemand ernsthaft daran, dass sich daran jemals etwas Gravierendes würden ändern können, doch schon bei den ersten Besuchen nach der Wende 1989/1990 begann die Erhaltung und die Renovierung dieser Kirchen ein Thema zu werden und wurde auf die Agenda all der Dinge gesetzt, die unsere Partnergemeinde in Angriff nehmen wollte.
Nicht nur dort, sondern überall in der damaligen DDR und ihren Landeskirchen war die Situation ähnlich. Kirchen, zum Teil mit wertvoller Architektur und wichtiger Geschichte drohten zu verfallen und endgültig verloren zu gehen. Da kam die Wende gerade rechtzeitig und die große finanzielle Unterstützung aus dem Westen. Heute, fast 20 Jahre danach präsentieren sich viele Kirchen wieder in altem Glanz und zeugen von der großen Geschichte des Protestantismus in Ostdeutschland.
Der vorliegende von Kara Huber herausgegebene prächtige Bildband gibt ein eindruckvolles Zeugnis davon. Kara Huber ist im Hauptberuf Leiterin der Ev. Grundschule in Potsdam und engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Erhalt der brandenburgischen Dorfkirchen.
Der Bildband zeigt die Vielfalt und den architektonischen Reichtum dieser Dorfkirchen, aber er beschreibt auch die Menschen, ohne die diese Kirchen nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnten.
Das sind Menschen, Männer und Frauen, die Kara Huber die Hüter" nennt, Menschen aus den Dörfern, die es sich zum Teil zusammen mit einem Kreis anderer Ehrenamtlicher zur Aufgabe gemacht haben, ihre Kirchen zu öffnen, da zu sein für Gespräche mit Besuchern und auf diese Weise einen erheblichen Beitrag leisten bei der Erhaltung dieser Kirchen.
Diese Paten dieser Kirchen erzählen in Texten, die sie für dieses Buch verfasst haben über ihre persönliche Beziehung zu dem jeweiligen Gebäude. Die kunstgeschichtliche Entwicklung Brandenburgs wird so im Spiegel der Dorfkirchen und in sehr individuellen Geschichten lebendig und gegenwärtig. Kleine, von der Herausgeberin verfasste Erläuterungen, gut lesbar neben die Texte der Autoren gestellt, geben Auskunft über wichtige Details.
Beim Lesen der Geschichten, beim Betrachten der ausdrucksvollen Bilder dieses Bandes schleicht sich immer wieder der Gedanken in meinen Kopf, ob in vielleicht nicht allzu ferner Zeit auch hier in den westdeutschen Landeskirchen ähnliche Anstrengungen unternommen werden müssen, denn, wie man liest, können weder die evangelische noch die katholische Kirche all ihre Kirchengebäude auf Dauer halten und unterhalten.
In meinem Wohnort jedenfalls gibt es seit langem eine Gruppe von Menschen, die nach einem festen Dienstplan die örtliche Ev. Kirche öffnen und während dieser Zeiten Besuchern, Betenden und Suchenden für Gespräche zur Verfügung stehen. Viele überraschende und beeindruckende Begegnungen habe es da schon gegeben, und es mache große Freude, diesen Dienst zu tun, haben Mitglieder dieses Kreis unlängst im Gemeindebrief berichtet.