Eins vorweg: Die Strecke von Berlin nach Bad Wilsnack ist ganz sicher ein reizvoller Weg. Dafür sorgen schon die ganz unterschiedlichen Landschaftsräume im "Brandenburger Outback", wie der Autor die Gegend nennt. Aber leider hat man den Eindruck, das kleine Bändchen sei ziemlich schnell zusammengeschrieben worden. Schon die oft schludrige Sprache ("vorprogrammiert") oder die vielen Allgemeinplätze ("manche Gasthäuser sind mittags geschlossen, andere schließen abends früh") stören. Wo ein wenig mehr Information sinnvoll gewesen wäre - etwa zu der Schlacht von Fehrbellin, das Schlachfeld liegt nahe der Strecke - begnügt sich der Autor mit ganzen 7 Zeilen, in denen er zudem noch missverständlich von einem "Frontverlauf" zu berichten weiß. Die Informationen zur Natur ähnlich allgemein gehalten (oder soll ich sagen: aus der Sicht eines Berliner Professors geschrieben?). So heißt es im Büchlein, im Luch hätten sich "Fischotter, Biber, Reiher und Schwan wieder eingerichtet". Leider falsch. Denn Fischotter, Reiher und Schwan hat es hier immer gegeben, Graureiher und Schwäne sogar ausgesprochen häufig.
Aber wirklich ärgerlich ist etwas anderes. Nämlich die unbrauchbaren Streckenskizzen. Karten im eigentlichen Sinne enthält das Buch nämlich nicht. Und wäre nicht schon dies ein gewaltiges Manko, weichen die Skizzen auch noch von der Beschreibung der Strecke im Text ab. Ein Beispiel. Im Krämerforst geht der Weg laut "Karte" bis über den Berliner Autobahnaußenring immer geradeaus. Richtig ist, dass vor Jahrzehnten die Hamburger Poststraße diesen Verlauf nahm; seit Bau der Autobahn noch zu DDR-Zeiten ist der Weg abgeschnitten und man muss aber über eine nördlich gelegene Brücke die Autobahn queren! Der Text fordert immerhin - abweichend von der Karte! - auf, an der Försterei Krämerpfuhl rechts abzubiegen. Ohne mit Einzelheiten zu langweilen: Wer lediglich rechts abbiegt, wird mit Sicherheit sein Tagesziel nicht oder nur nach ärgerlichen Umwegen erreichen. Offenbar ist der Autor die Strecke niemals gegangen, jedenfalls nicht diesen Abschnitt.
Fazit: Eine gründliche Überarbeitung, insbesondere der Karten, ist dringend geboten. Ein Pilgerführer mit schlechter Wegbeschreibung kann nicht mehr als 2 Sterne bekommen. Da allerdings auch viele sehr nützliche Informationen zusammengetragen worden sind, etwa Telefonnummern von Gasthäusern an der Strecke, Pfarrerämter etc., ist eine weitere Abwertung nicht geboten.