La Coka Nostra, das sind die komplette House Of Pain Crew um Everlast, DJ Lethal und Danny Boy, dazu kommen noch die beiden Psycho+Logical MCs Ill Bill und Slaine, die die Formation komplettieren. Nach fast dreijähriger Arbeit stand im Sommer ihr Debüt als Gruppe, "A Brand You Can Trust", in den Läden, für das sie im Vorfeld mit dem gelungenen Mixtape "The Audacity Of Coke" bereits mächtig die Werbetrommel gerührt haben. Allein schon die die Namen des Quintetts lassen Freude aufkommen, wenn man dann noch erfährt, dass Leute wie Snoop Dogg, B-Real, Sen Dog, Sick Jacken oder Bun B mitgewirkt haben, dann kann man schon fast sicher davon ausgehen, eines der besten Alben 2009 in den Händen zu halten.
Als erstes sollte positiv hervorgehoben werden, dass dem Hörer 15 vollwertige Tracks geboten werden, keine Spur von nervigen Skits bzw. Intro oder Outro. Das bedeutet, man steigt mit "Bloody Sunday" schon gleich voll ins Album ein und das mit einem wahren Kracher. Dank dicker E-Gitarrenriffs, harten Drums und Sen Dog am Mic, erinnert dieser Track doch stark an die Musik von Cypress Hill, dürfte daher Fans von ihnen sehr gut gefallen. Zum ersten Mal zeigen sich La Coka Nostra als super harmonierendes Team, da geht der zweite Gast Big Left etwas unter. "Get You By" wäre eine Spur melodischer, nichts desto trotz kommen auch hier die Rockstars in den Jungs hervor und schaffen den vorangegangenen Song noch einmal zu toppen. Mehr West Coast Style hat "Bang Bang" und wer würde dazu besser passen als das Ehrenmitglied der Crips: Snoop Dogg? Der Doggfather begleitet LCN lässig wie eh und je und ist sozusagen die Würze in dem aus E-Orgel, fettem Bass und Schüssen zusammen gemixten Gangsta Rap Track. Nachdem Everlast ja solo schon den ein oder anderen Ausflug in die Country Rock Szene gemacht hat, kommen Lieder wie "The Stain" nicht überraschend. Während des Refrains kommt hier noch ein gefühlvoller Akustikgitarren-Sound gepaart mit Everlasts kratzigem Gesang zum Tragen, die Strophen hingegen sind wesentlich härter und mit Rap-Einlagen gestaltet, was einen tollen Kontrast ergibt, allerdings muss man offen für die Fusion aus Rap und Rock sein.
"I'm American" ist ja schon etwas länger bekannt, dürfte bestimmt auch viele Leute neugierig auf diese Scheibe gemacht haben. Einen Beitrag dazu leistet B-Real, der auch wunderbar in die La Coka Nostra Zusammenstellung hätte passen können. Musikalisch bekommt man ein nicht all zu dominantes Instrumental geboten, leicht düsterer Touch und eine Prise von L.A., genau das braucht die Hip Hop Welt dringend wieder. Die Rhymes kommen wie immer hart und bissig. Natürlich sticht B-Real's helle Stimme hier heraus, aber auch LCN, besonders Ill Bill, liefern sehr gute Arbeit ab. Nach dieser lässigen Nummer poltert "Brujeria" (feat. Sick Jacken) mit hohem Tempo duch die Boxen, dem folgen mit "Once Upon A Time" und "Cousin Of Death" zwei nachdenkliche Nummern, von denen besonders das zweitgenannte mit seinem düsteren Klang und den traurigen Melodien, sowie dem hervorragend dazu passenden Refrain von Everlast, länger im Gedächtnis bleiben dürfte. Selbes ist bei "Choose Your Side" der Fall, einem der besten Titel von "A Brand You Can Trust". Durch seinen indisch-orientalischen Chill-Out-Sound hebt es sich deutlich von den anderen Liedern ab, überzeugt in erster Linie mit einem unheimlich coolen Groove, Südstaaten Legende Bun B legt eine dementsprechend lässige und elegante Strophe hin. Die andern mit ihren rauen Organen können das zwar nicht ganz so perfekt, sind aber natürlich auch ein echter Genuss für's Gehör.
Ein Stück, das mir persönlich nicht besonders gefällt wäre "Soldier's Story". Irgendwie plätschert der Song recht belanglos und unspektakulär vor sich hin, auch wenn sich die Rapper wirklich ins Zeug legen und man daher eher den Vorwurf an die Produktion machen muss. Umso besser gelang da "Gun In Your Mouth". Der verruchte Gitarrensound hat schon fast etwas von Western-Duell, geht richtig gut ab und man sympathisiert schnell mit den fünf Outlaws, die ihre Stimmen wie Revolver benutzen und uns mit aggressiven Rhymes befeuern, Danny Boy's Vers hat es besonders in sich. Leider erlebt die letzte Phase des Albums ab hier einen kleinen Einbruch der Qualität. Man darf natürlich nicht denken, dass die Lieder nun schlecht werden, doch man hat ab und an das Gefühl, dass ihnen die Ideen ausgegangen sind. Die wirklichen Kracher fehlen und generell hat man das Gefühl, dass sie das Vorangegangene wiederholen ohne dabei das ganze Potential ausgereizt zu haben, besonders bei "Nuclear Medicenmen" schade um den Gastbeitrag von Immortal Technique ist. Ungefähr das selbe Urteil kann man über "That's Coke" und "Fuck Tony Montana" (feat. Sick Jacken & B-Real) fällen: gelungen, aber nicht übermäßig. Noch dazu kommt die Tatsache, dass sie schon relativ lange vor Release bekannt waren und dadurch der Überraschungseffekt fehlt.
Sehr fresh, was die Jungs uns da abgeliefert haben. Ruff, grimey und real, das ist noch Rap für echte Kerle, die das ganze Pop-Gedudel langsam satt haben. Der Style der Jungs ist zwar nicht neu, aber sehr selten, daher eine echte Ausnahmeerscheinung im Rap-Biz, der uns mal wieder frischen Wind durch die Anlage bläst. Wer den alten Stuff von Cypress Hill und House Of Pain mag, noch dazu Non Phixion nicht abgeneigt ist, der wird mit "A Brand You Can Trust" genau das Richtige für sich finden, aber auch für den ein oder anderen könnte diese Platte sicher ein Geheimtipp sein.