"You can't be too careful anymore." Recht hat die Sängerin, Hayley Williams, mit dem Refrain des Operners. Zu häufig hat man zuletzt erlebt, wie Bands von ihrem eigenen Stil in den Mainstream abgedriftet sind und dabei einiges an Qualität eingebüßt haben. Es ist allerdings schön zu sehen, dass Paramore bei diesem "Trend" nicht mitmacht.
Zu den Songs:
Die Songs auf dem Album sind sehr abwechselungsreich, wie man es schon von Riot! kannte. Der neue Opener "Careful" ist meiner Meinung nach einer der besten Songs auf dem Album und führt mit viel Intensität in die Platte ein. Da passt einfach alles zusammen: die wundervolle, facettenreiche Stimme der Sängerin, die stets stimmigen Riffs und auch die Drumparts. Da steckt richtig Kraft hinter. So muss ein Opener sein. 9/10 Punkte
Es folgt "Ignorance", die zweite Singleauskopplung ("Decode" mitgerechnet) des Albums. Der Song besticht durch einen herrlichen Text und den genialen Refrain (auch wenn er mich melodisch ein wenig an den Refrain von "Fences" erinnert). 9/10 Punkte
"Playing God" ist ein etwas besonnenerer Song, der sich von den vorigen bereits durch das langsamere Tempo abhebt. Er geht nicht so sehr ins Ohr, wie die anderen beiden Songs, er ist dabei trotzdem alles andere als schlecht. 7/10 Punkte
"Brick By Boring Brick" ist bislang mein Lieblingssong. Die Stimme von Hayley wird bei dem Song in allen Facetten gefordert und außerdem darf man sich als Fan auch auf das nächste Konzert freuen. Da wird dann wohl die ganze Halle Ba-bapp-bapp-ba-da-ba-ba-bapp mitsingen dürfen. Ein sehr geiler Höhepunkt. 10/10 Punkte
"Turn It Off" ist ein solider Song, der ins Ohr geht, dann aber sofort den anderen Songs Platz macht. Da fehlt die Besonderheit. Insgesamt stimmig, aber er geht eben nicht durch Mark und Bein. Eher ein schlechterer Song des Albums. 5/10 Punkte
"The only Exeption" bietet die erste Ballade der Platte und ist solide. Die Paramore-Balladen waren noch nie so sehr mein Fall, aber hier trifft Hayley mit den nötigen Stimmlagen tatsächlich den Nagel auf den Kopf. Trauriges Thema, aber voller Herz umgesetzt. 8/10 Punkte
"Feeling Sorry" klingt ja eher wie der Titel einer Ballade, dient hier allerdings für eine rockige Nummer. Wie bei den meisten Paramore-Songs bildet auch hier die einzigartige Stimme von Hayley den Mittelpunkt, während die Instrumente sie anfangs nur untermalen, dann aber zu einer kraftvollen Dynamik ansteigen. 7/10 Punkte
"Looking Up" ist eine sehr schnelle Nummer, die vor allem von den treibenden Riffs und Drumparts lebt. Der Text und Songaufbau haben dabei aber besondere Genialität, die ich nicht vorweg nehmen möchte. 9/10 Punkte
"Where The Lines Overlap" ist ebenfalls eine sehr schnelle Nummer, die wohl ebenfalls einen festen Platz in der Setlist auf Konzerten haben wird. Starke Dynamik mit einem passenden Text "now I've got a feeling if I sang this loud enough YOU would sing it back to me" Ich tippe mal, dass sie mit dem "feeling" goldrichtig liegen. 10/10 Punkte
"Misguided Ghosts" stellt die zweite Ballade der Platte dar und gefällt mir sogar noch besser als die erste. Was für ein genialer Gitarrenpart, da läuft es einem sofort eiskalt den Rücken herab. Die gefühlvolle Stimme von Hayley tut ihr übriges. 9/10 Punkte
"All I Wanted" ist nicht ganz mein Geschmack. Ist okay und Hayley schreit sich da am Ende auch ganz schön die Seele aus dem Leib. Haut mich jetzt aber nicht so um. 5/10 Punkte
"Decode" dürfte wohl jedem bekannt sein. Ist ein stimmiger Song, der im Refrain viel Kraft entwickelt. Mir hat er (trotz der Verbindung zu Twilight) gut gefallen. Gitarre und Stimme sind dabei einfach zu gelungen, um ihm wegen dem Schmacht-Streifen Punkte abzuziehen. ;) 9/10 Punkte
Zum Booklet:
Schön illustriert. Motive aus den Songs tauchen wieder auf und werden sogar mit den Texten in Verbindung gebracht. Da steht zum Beispiel der schöne Satz "because it has to be so" allein auf einem Spiegel, während das Ende des Satzes allein außerhalb des Spiegels steht und was könnte das wohl sein? Genau: "lonely". Sind also nicht nur Texte, sondern auch durchdachte Motive drin.
Fazit:
Das warten hat sich gelohnt. Das Album ist eine sehr runde Sache. Ist zwar noch immer Luft nach oben, aber die Songs versprechen für die kommenden Wochen eine Menge Abwechselung. 97/120 Punkten, knapp über vier Sterne. Hätte wegen dem Booklet am liebsten 4 1/2 Sterne vergeben, aber für fünf reicht es dann doch nicht.
PS: Eine Überarbeitung der Rezension erfolgt evtl noch. Manche Songs erschließen sich erst nach mehrmaligem anhören in ihrer ganzen Schönheit. (wenn ich da nur an das geniale "A Weekend in the City" von Bloc Party denke).