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Entsprechend hat das Buch bei seinem Erscheinen viel Wirbel ausgelöst: In Großbritannien warfen einige Medien und Historiker dem Autor vor, er wolle die Geschichte verdrehen und die Kriegführung der Alliierten mit den nationalsozialistischen Verbrechen gleichsetzen. Davon allerdings kann keine Rede sein. Friedrich zweifelt nicht daran, dass der Kampf gegen das NS-Regime moralisch gerechtfertigt war. Ebenso verweist er darauf, dass Deutschland zuerst mit der Luftschlacht begann -- Angriffe auf englische Städte wie London und Coventry hatten verheerende Folgen.
Die Art und Weise, wie die Alliierten den Bombenkrieg gegen die deutschen Städte führten, kritisiert der Autor als ebenso unmenschlich wie überflüssig. Die Bomben waren nämlich nicht nur gegen Rüstungsfabriken und Verkehrswege gerichtet. Sie sollten ganz bewusst die Zivilbevölkerung treffen. Deswegen setzten die Alliierten nicht nur Sprengbomben gegen bestimmte Gebäude ein, sondern vor allem Brandbomben. Diese entfachten am Boden unaufhaltsame Feuerstürme, die Menschen, Häuser und alles Brennbare verschlangen.
Das "moral bombing" sollte den Durchhaltewillen der deutschen Bevölkerung brechen. Das misslang jedoch, wie Friedrich konstatiert: Anstatt gegen das nationalsozialistische Regime aufzubegehren, verfielen die Deutschen angesichts des apokalyptischen Bombenhagels in Depression und Apathie. Trotz der erkennbaren militärischen Sinnlosigkeit, so lautet der Vorwurf des Autors, steigerten Engländer und Amerikaner ihre Abwürfe aber immer weiter und nahmen wissentlich ein "Massaker" an der Zivilbevölkerung in Kauf.
Ausführlich schildert Friedrich die Angriffe auf einzelne deutsche Städte: Hamburg und Berlin, Dresden und Pforzheim, Nürnberg, Essen und andere mehr. Er fügt die vielen lokalen Berichte über die Kriegsereignisse zusammen und liefert somit eine Gesamtdarstellung des Bombenkriegs in Deutschland. Neben dem militärischen Verlauf dieser Angriffe und der eingesetzten Waffentechnik interessiert Friedrich vor allem, wie die deutsche Bevölkerung die Bombardements erlebte. Er beschreibt reportagehaft und mit emotionalisierender Sprache die Allgegenwart der Todesangst, die ständige Flucht vor den Bomben in Keller und Bunker, den Verlust von Angehörigen.
Friedrichs Buch rührt bewusst an ein Tabu. Denn angesichts der barbarischen NS-Verbrechen wollte vor allem in Deutschland lange Zeit niemand die Art der alliierten Kriegsführung in Frage stellen. Friedrich tut genau das -- nicht als rechtsradikaler Geschichtsrevisionist, sondern als Wissenschaftler. Die Debatte um dieses Buch ist ebenso schmerzhaft wie notwendig. --Christoph Peerenboom
Bei Kriegsende machte die Royal Air Force geltend, sie allein habe 657.000 Tonnen Bomben auf Deutschland geworfen die amerikanischen Angriffe nicht mitgerechnet. Den Bombenkrieg erlebten 30 Millionen Deutsche, über tausend Städte und Gemeinden gerieten ins Inferno, über 100.000 Kinder fielen dieser Strategie zum Opfer, in fünf Jahren von 1940 bis 1945 widerfuhren den Deutschen Dinge wie noch keiner Zivilbevölkerung vor ihnen. Ihren Höhepunkt erreichten die Flächenbrände, die alliierte Bomben entfachten, erst im letzten Kriegsjahr. Von Januar bis Mai 1945 starben jeden Tag durchschnittlich 1000 Zivilisten im Bombenhagel auf das schon nahezu wehrlose Reich. Kriegsentscheidend waren diese Angriffe längst nicht mehr, vielleicht sogar nicht einmal mehr kriegsverkürzend. Dresden, im Februar 1945 zerstört, ist zum Symbol einer sinnlosen Vergeltungs- und Strafaktion gegen eine schutzlose Zivilbevölkerung geworden.
Also ein Kriegsverbrechen, wie der konservative Historiker Arnulf Baring meint? Oder ist Friedrichs Buch vielmehr ein problematischer, noch nie da gewesener Angriff auf die Kriegsführung der Alliierten, wie die Londoner Zeitung The Daily Telegraph die Studie bezeichnete? Der britische Geschichtswissenschaftler Correlli Barnett warf Friedrich sogar empört vor, er habe sich gefährlichen Revisionisten angeschlossen und versuche, eine moralische Gleichwertigkeit zwischen Churchills Unterstützung für die Flächenbombardements und den unsäglichen Verbrechen der Nazis herbeizuschreiben das sei niederträchtiger und gefährlicher Unsinn.
Fragen über Fragen, zum Teil so schwer zu beantworten wie philo¬sophische Aporien: Ist Friedrich ein Revisionist? Selbstverständlich, antwortete der Autor unerschütterlich, die Geschichtsschreibung wird ständig revidiert. Heiligt der gute Zweck jedes Mittel? Kein Zweifel, die Niederringung Hitlers war notwendig und gerecht, das steht auch für Friedrich außer Diskussion. Nur, ist der Gerechte schon dadurch, dass er die gerechte Sache vertritt, also einen gerechten Krieg führt, in allen seinen Taten gerechtfertigt? Das sei eine Frage, die sich jeder selbst stellen und neu beantworten müsse, so Friedrich. Er beansprucht lediglich, mit seinem Buch die Tatsachenbasis dafür geliefert zu haben. Friedrich, ebenso lakonischer und gerade deshalb auch pathetischer Erzähler wie akribischer Geschichts- und Quellenforscher, führt seine Leser ohne Arg auf vermintes Gelände. Aber die Deutschen, das hat die Rezeption dieses Buches auch gezeigt, sind nach 60 Jahren Auseinandersetzung mit der Vergangenheit moralisch davor gefeit, sich in einen fatalen und larmoyanten Opferkult zu flüchten.
Friedrichs Verdienst besteht darin, den Schleier des Vergessens und Verdrängens weggezogen zu haben, den auch diejenigen über Verlauf und Ausgang des strategischen Bombenkriegs ausgebreitet hatten, die ihn am konsequentesten betrieben hatten die Briten. Denn ihnen war nie wohl gewesen bei dieser unmenschlichen Art der Kriegsführung, die auch nie die Unterstützung der ganzen Nation fand, sondern immer bei allen Besonnenen einen nagenden Selbstvorwurf des nationalen Gewissens nährte. Der Bischof von Chichester, George Bell, kritisierte im Februar 1944 im Oberhaus Churchills Regierung wegen ihrer Politik der Bombardierung feindlicher Städte im gegenwärtigen Umfang, besonders von Zivilisten. Es müsse eine Verhältnismäßigkeit zwischen den eingesetzten Mitteln und dem erreichten Zweck bestehen.
Auch im Unterhaus stellte der Labourabgeordnete Richard Stokes die moralische Berechtigung des Bombenkriegs öffentlich in Frage. Und Lord Salisbury, Oberhaupt der führenden Familie der Konservativen Partei Großbritanniens, vertrat in seiner Privatkorrespondenz die Ansicht, dass die Deutschen natürlich damit angefangen haben, aber wir nehmen uns nicht den Teufel zum Vorbild. Sir Arthur Harris, Chef des Oberkommandos der britischen Bomberverbände (Bomber-Harris), steht heute zwar in Bronze gegossen im Zentrum von London. Aber er war nach Kriegsende nicht zum Lord ernannt worden wie praktisch alle anderen ranghohen britischen Oberbefehlshaber und wanderte verbittert aus.
Seinen Flugzeugbesatzungen wurden keine besonderen Erinnerungsmedaillen zugestanden, obwohl das Bomber Command 56000 Gefallene zu beklagen hatte; auf den Schlachtfeldern im Ersten Weltkrieg waren nicht so viele britische Offiziere gestorben. Mit dem Rücken an der Wand, urteilt der angesehene Historiker John Keegan, Verfasser eines Standardwerks über den Zweiten Weltkrieg, hatte das britische Volk beschlossen, nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass es sich auf das Niveau des Feindes begab. Nach dem Sieg erinnerte es sich daran, dass es an die Werte des Fair Play glaubte. Der strategische Bombenkrieg, der vielleicht noch nicht einmal als vernünftige Strategie gelten kann, war auf keinen Fall Fair Play. Das ins Gedächtnis zurückgerufen zu haben, machte Friedrichs Buch in Großbritannien für viele zum Skandalon.
Mit den Flächenbombardements von Städten wurde ein Prinzip in die Kriegsführung eingebracht, das zuvor nur für die Belagerung von Festungen gegolten hatte. Dort mussten die Bürger, die innerhalb der Mauern einer verteidigten Stadt ausharrten, alle Härten des feindlichen Ansturms erdulden: Beschuss, Hunger und Brandschatzung. Um diesem Schicksal, das Paris teilweise im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erlitten hatte, zu entgehen, hatte die französische Regierung während des Debakels im Juni 1940 die Hauptstadt kampflos übergeben entgegen Churchills Drängen.
Zwar bombardierte die deutsche Luftwaffe im September 1939 Warschau aber die polnische Hauptstadt konnte in diesem Sinne als Festung angesehen werden. Und am Nachmittag des 14. Mai 1940 machten deutsche Flugzeuge das Zentrum von Rotterdam dem Erdboden gleich. Das war das erste militärisch nutzlose Flächenbombardement des Zweiten Weltkriegs, in dem etwa 900 Zivilisten starben; der niederländische Widerstand brach danach völlig zusammen. Doch hatte die Luftwaffe anscheinend eine Meldung der Erdtruppen nicht mehr rechtzeitig empfangen, die Stadt stand sowieso vor der Übergabe.
Bis Mitte Sommer 1940 ließen alle kriegführenden Nationen, von diesen beiden Ausnahmen abgesehen, die feindlichen Großstädte unangetastet. Nur die Bombardierung militärischer Ziele im weiteren Sinn Flugplätze, Kriegshäfen oder Eisenbahnknotenpunkte war nach herkömmlichem Kriegsrecht legitim. Bei Ausbruch der Luftschlacht um England bestand Hitler zunächst darauf, die Angriffe auf Flugplätze und die Londoner Hafenanlagen zu beschränken. So groß waren die Ängste vor einem hemmungslosen Terrorkrieg gegen die Zivilbevölkerung, der theoretisch schon angedacht worden war, etwa von dem italienischen Luftkriegsvisionär Giulio Douhet oder den britischen Luftwaffen-Planern Hugh Trenchard und John Slessor, dass keine Seite als Erste die moralische und durchaus eigennützige Ächtung des Bombenkriegs im Hinterland des Feindes durchbrechen wollte.
Das änderte sich, je länger sich die Schlacht um England ohne entscheidendes Ergebnis hinzog. Am 24. August 1940 lud eine deutsche Maschine, die sich verirrt hatte, ihre Bombenlast über Ostlondon ab. In der folgenden Nacht flog die Royal Air Force einen Vergeltungsangriff auf Berlin. Für Hitler war damit die Zeit der Selbstbeschränkung vorbei; er entschloss sich zu einer fatalen Eskalation. Am 4. September verkündete er vor einer jubelnden Menge im Berliner Sportpalast: Wenn sie erklären, sie werden unsere Städte in großem Ausmaß angreifen wir werden ihre Städte ausradieren! Wir werden diesen Nachtpiraten das Handwerk legen, so wahr uns Gott helfe. Es wird die Stunde kommen, da einer von uns beiden bricht, und das wird nicht das nationalsozialistische Deutschland sein. Eines der größten militärischen Verhängnisse der Kriegsgeschichte nahm seinen Lauf.
Anfangs waren die Deutschen in diesem Schlagabtausch die Überlegenen, obwohl sie gar nicht über schwere strategische Langstreckenbomber verfügten; sie flogen gegen England mit Mittelstreckenbombern, die eigentlich für die Unterstützung der Bodentruppen vorgesehen waren. Ende 1940 zerstörten oder beschädigten sie in der Industriestadt Coventry 60 000 Gebäude (568 Tote). Während des ganzen Blitz-Winters 1940/41 brannten London und andere britische Städte. Allein bei einem einzigen Angriff am 29. Dezember 1940 verursachte die deutsche Luftwaffe in der City of London 1500 Feuersbrünste. Noch 1941 konnten die Briten keiner deutschen Stadt vergleichbare Schäden zufügen. Die Verluste der Flieger des Bomber Command waren im Laufe des ganzen Jahres 1941 höher als die Zahl der Opfer in den bombardierten Städten; 700 Maschinen der Royal Air Force kehrten von ihrem Einsatz nicht zurück.
Erst Anfang des darauffolgenden Jahres, als die Wehrmacht auch am Boden, vor Moskau, ihren ersten großen Rückschlag hatte hinnehmen müssen, begann sich das Blatt zu wenden. Neue, erheblich verbesserte Angriffsflugzeuge (vom Typ Halifax und Lancaster) wurden in Dienst genommen, genauere Navigationshilfen und Zielsuchgeräte erhöhten die Wirkung und die Eindringfähigkeit der Maschinen beträchtlich. Und den Oberbefehl übernahm ein Mann, der weder Zweifel noch Skrupel kannte: Arthur Harris, damals 49, ein engstirniger Offizier, für den der Bombenkrieg eine Obsession war. Viele Menschen sagen, mit Bomben lässt sich der Krieg nicht gewinnen, sagte er kurz nach Amtsantritt im Februar 1942. Meine Antwort lautet, wir haben es noch nicht versucht. Warten wir es ab.
Die Generalprobe erfolgte in der Nacht vom 28. zum 29. März 1942 bei einem Einsatz gegen Lübeck, eigentlich ein nachrangiges militärisches und industrielles Ziel. Die mittelalterliche Backsteinarchitektur der historischen Hansestadt wurde in großen Teilen bis auf die Grundmauern zerstört; es gab 320 Tote. Die britischen Verluste dagegen blieben diesmal gering: Die Bombergeschwader kehrten zu 95 Prozent unversehrt zurück. Bomber-Harris war begeistert, er gab sich überzeugt, dass er nunmehr die Zauberformel für den Sieg gefunden hatte. Ich wollte meine Besatzungen Blut lecken lassen Sie sollten zur Abwechslung mal ein Erfolgserlebnis haben, prahlte Harris mit makabrem Zynismus.
Zugleich fielen die letzten Bedenken. Immer mehr Brandbeschleuniger wurden den Bomben und Luftminen beigemengt; so wurden, bei entsprechenden Wetterbedingungen, jene entsetzlichen Feuerstürme entfacht, die zum Beispiel in Hamburg, Kassel, Darmstadt, Wuppertal und Magdeburg wüteten. Als die Brände im Juli 1943 in Hamburg erloschen, war mehr als die Hälfte der Wohnungen zerstört, und mindestens 34 000 Einwohner waren tot, darunter viel mehr Frauen als Männer. Die Überlebenden standen unter Schock. Fasziniert beobachtete der spätere Verleger Gerd Bucerius die britischen Angriffswellen. Als er die Leichen in der verwüsteten Innenstadt sah, empfand er Grauen und Mitleid, aber auch: Ihr, die Toten, habt es so gewollt.
Friedrich, Jahrgang 1944, hat diese Leidensgeschichte eindrucksvoll dokumentiert und spannend erzählt. Längst ging es nicht mehr vorrangig darum, die Rüstungsproduktion direkt zu treffen. Das Ziel war vielmehr die Enthausung, die großflächige Vernichtung von Wohnraum, vor allem in Arbeitervierteln. Denn die Bomber-Patrizier in London blieben ihren Klassenvorurteilen verhaftet; sie glaubten, wie der britische Militärhistoriker und Stratege Basil Liddell Hart schon lange vor dem Krieg prophezeit hatte, dass die Elendsviertel durch Bombenangriffe zu wütendem Aufruhr und Plünderungen getrieben werden und in Nazi-Deutschland aus Kriegsmüdigkeit eine Neuauflage der russischen Revolution von 1917 möglich wäre. Sie unterschätzten die Disziplin des deutschen Proletariats gröblich.
Dennoch hätten die Briten die Luftschlacht über Deutschland wohl kaum gewinnen können, wenn sie nicht im Laufe des Jahres 1942 entscheidende Unterstützung bekommen hätten durch die U.S. 8th Air Force mit ihren schwer bewaffneten B-17 Flying Fortress, zu denen später B-24 Liberator und Mustang-Begleitjäger mit tausend Kilometer Reichweite kamen. Die Amerikaner konnten anscheinend unerschöpfliche Reserven in die Materialschlacht werfen. Sie konzentrierten sich, anders als die Briten, auf Tagangriffe und auf Einsätze gegen vermeintliche Engpässe der deutschen Kriegswirtschaft statt auf Wohngebiete. Die strategischen Tag- und Nachtangriffe lähmten im Winter 1944/45 das deutsche Wirtschaftsleben. Die Produktionsleistung sank um 30 Prozent bei Stahl, um 25 Prozent im Motorenbau. Am Ende brach das Transportwesen fast vollkommen zusammen.
Das Deutsche Reich erwies sich als zunehmend verteidigungsunfähig. Die Zahl der Bomber über Deutschland nahm weiterhin zu, ihre Verlustrate ging im Januar 1945 zurück auf weniger als ein Prozent der Maschinen pro Einsatz. 1944 hatte die 8th Air Force der Amerikaner dagegen noch 2400 Bomber verloren. In den letzten Monaten konnte die deutsche Luftwaffe mangels Treibstoff ihre wenigen verbliebenen Jäger kaum noch starten lassen. Das Luftschutzsystem band zwei Millionen Männer und Frauen. Die Flak richtete immer weniger aus, weil die schnellen und hoch fliegenden Bomberverbände ihrem Feuer nicht länger als einige Minuten ausgesetzt waren.
Die wachsenden Erfolge der alliierten Bomber gingen einher mit den Niederlagen der Wehrmacht am Boden. Deshalb konnten, als alles vorbei war, die Ideologen des Luftkriegs gegen die Zivilbevölkerung wie Harris behaupten, sie seien die Väter des Siegs gewesen. Beweisen lässt sich das nicht.
Dagegen scheint fest zustehen, dass die Moral der deutschen Zivilbevölkerung trotz der furchtbaren Bombardierungen nie wirklich ins Wanken geriet. John Keegan hat dieser überlebenden Bevölkerung, der im Mai 1945 alle Mittel zum Wiederaufbau fehlten, ein für einen Angehörigen der Siegernation erstaunliches Zeugnis ausgestellt: Durch nichts bestätigten die Deutschen ihren Ruf, ein diszipliniertes und mutiges Volk zu sein, so überzeugend wie durch die Zähigkeit, mit der die Männer und Frauen in den heimgesuchten Städten 1943 bis 1945 die alliierten Luftangriffe ertrugen.
Die Frauen vielleicht noch mehr als die Männer, muss man hinzufügen, weil sie an der Heimatfront die Verantwortung für das tägliche Leben und die Familien trugen. Vielleicht wollte Jörg Friedrich, jenseits aller Polemik, nichts anderes aufzeigen, und mit seinem Bestseller den Opfern der Luftangriffe auf Hitler-Deutschland, den hilflosen, wenn nicht unschuldigen Menschen da unten in ihren Kellern und Bunkern, ein literarisch-historisches Denkmal setzen.
Nachwort von Romain Leick zu Der Brand. SPIEGEL-Edition Band 35 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erschütternde 530 Seiten,
Von Hauke Stammer "Phantasie ist wichtiger als Wi... (Flensburg) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Brand: Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945 (Gebundene Ausgabe)
Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Büchern mußte ich dieses immer wieder weglegen, bevor ich es weiter lesen konnte. Viele Berichte erschüttern, erschrecken auch nach so vielen Jahren noch immer. Das Einflechten persönlicher Schicksale reißt die Opfer aus der Anonymität ohne dabei in den Kitsch abzugleiten.Die eigentliche Stärke des Buches aber liegt woanders. Bei der Beschreibung der zahllosen Bombardements deutscher Städte umreißt der Author stets die Geschichte des jeweiligen Ortes, die Kulturschätze, welche der Vernichtung anheim fielen und die militärischen Ziele, so es denn welche gab. Ich kann nur erahnen, wieviel Arbeit und Mühe in dieser Ausarbeitung steckt. Aber erst die geschichtsträchtige Erläuterung kann die Barberei der Angriffe begreifbar machen. Im Gegensatz zu einigen Zeitungsartikeln mag ich in den Seiten keine Aufrechnung mit den einstigen Kriegsgegnern entdecken. Das Buch versucht nicht, deutsche Schreckenstaten in einem besseren Licht erscheinen zu lassen, sondern relativiert den auch im Schulunterricht gelebten Versuch, den 2. Weltkrieg zu simplifizieren. Man kann nur erahnen, was geschehen wäre, hätte sich Churchill gegen Roosevelt durchgesetzt, und chemische wie biologische Waffen im großen Umfang gegen deutsche Städte eingesetzt. Der einzige Kritikpunkt ist die fehlende "Timeline", die den Verlauf des Bomberkriegs übersichlicher gestaltet hätte. Und ein abschließendes Datenblatt, daß die Art und die Masse der abgeworfenen Bomben in Relation zu den Schäden an Gebäuden, Rüstungsbetrieben und Menschen stellt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
57 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bomben auf Deutschland,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Brand: Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945 (Gebundene Ausgabe)
Diese Beschreibung der systematischen Zerstörung Deutschlands im 2. Weltkrieg durch britische und später auch amerikanische Bombenangriffe ist schwere Kost, auch für einen Leser, der einen Tag vor Hitlers Machtergreifung zur Welt kam und einen wesentlichen Teil seiner Jugend in der Ruinenlandschaft Berlins durchlebt hat. Zu jener Zeit waren die Feuer in den Ruinen längst erloschen und mit der angeborenen Unbekümmertheit eines jungen Menschen nahm man die Situation hin. Heute, Jahrzehnte später, macht einem dieses Buch erst klar, welchen Schrecken man in der relativen Ruhe der schlesischen Provinz entgangen war und welche Verluste dem Lande zugefügt wurden.Das Werk ist schwer zu lesen, nicht etwa weil der Verfasser schlecht schriebe (na ja, gelegentlich ist der Stil etwas knorrig), sondern weil man immer wieder quasi aus Angst vor dem, was kommen muss, das Buch schließt. Bei der Lektüre entwickelt sich langsam eine große Hochachtung vor der Leistung des Autors, der sein Werk ganz sicher nicht als eine Exkulpierung des Nationalsozialismus anlegen wollte und wohl noch mehr als seine Leser vor den Ergebnissen seiner Forschungen erschrocken ist. Indem er die Deutschen einmal nicht als Hitlers willige Vollstrecker, sondern als unschuldige Opfer der Bomben beschreibt, hat er einen enormen Beitrag zu einem distanzierteren Umgang mit den Ereignissen in jenem dunklen Tal der europäischen Geschichte geleistet. Friedrich zeigt auf, dass die Bombardierung Deutschlands mit Millionen Tonnen von Munition aller Art durchaus nicht als alleinige Konsequenz vorhergegangener deutscher Angriffe anzusehen ist, sondern dass die Konzeption des Bombenkrieges gegen ein ganzes Land die logische Folge der Entwicklung des Kriegshandwerks und der entsprechenden Waffen war - Churchills gedankliche Planung eines Luftangriffs mit tausend Bombern auf das kaiserliche Berlin ist dafür ein nicht zu verwerfendes Zeugnis. Die Waffe wurde eingesetzt, weil es sie gab und weil es nur einer geringen Verschiebung der Begriffe bedurfte, um alle Bewohner eines Landes zu Kombattanten zu erklären. Über den zynischen Rat, das Kampfgebiet rechtzeitig zu verlassen, soll hier gar nicht diskutiert werden. Das Buch macht in erschreckender Weise den Unterschied zwischen den deutschen Angriffen auf England und den alliierten Bombardements deutscher Ziele klar. Görings Luftwaffe sollte 1940 England an den Verhandlungstisch bomben - zu mehr war sie ohnehin nicht in der Lage. Aufgabe des Bomber Commands war die maximale Zerstörung Deutschlands - seiner Substanz, seiner Bewohner, seiner Geschichte. Der Auslöser des 2. Weltkriegs, nämlich die Erhaltung der Integrität Polens, spielte schon bald nach Kriegsbeginn keine Rolle mehr, es ging nur noch um die Ausschaltung einer großen Macht in Mitteleuropa. Die bis in die letzten Kriegstage fortgesetzte Bombardierung ziviler Ziele bezeugt, dass es auch gar nicht darum ging, die Moral der Bevölkerung zu brechen, denn schon um eigenen Verluste einzugrenzen hätte man ja dieses Ziel immer wieder einmal auf seine Wichtigkeit untersuchen müssen; das geschah aber nie, man bombte einfach weiter bis zum Ende der Kampfhandlungen. Materiell sicherte die Verbrennung der deutschen Städte einen Vorteil für England auf ein kleines Jahrzehnt hin; etwa 1955 waren die deutschen Schäden im wesentlichen beseitigt. Die geistige Wirkung war stärker, sie dauert bis heute fort. In unserer Naivität können wir uns nicht vorstellen, dass diese Zerstörungen keinen moralischen, sondern nur einen politischen Grund hatten - obwohl uns ja der Abwurf der Atombomben auf Japan zu denken geben sollte. Der Bevölkerung in den alliierten Ländern, und später auch den Deutschen im Rahmen der re-education, musste eine so totale Zerstörung Deutschlands durch den Hinweis auf entsetzliche, von den Deutschen begangene Verbrechen begreiflich gemacht werden - jedoch muss man sich darüber klar werden, dass solche Verbrechen beim Beginn der Planung der alliierten Luftkriegsstrategie durchaus nicht in einem Umfang gegeben waren, der einen solchen Holocaust gerechtfertigt hätte. Durch seine Schilderung der Verhältnisse am Boden setzt der Verfasser auch den einfachen Menschen ein Denkmal, die ohne jedes Verschulden einer solchen Strafe unterworfen wurden. Jörg Friedrich beschreibt in diesem Zusammenhang Aktionen, die ganz einfach das Wort „heldenhaft" verdienen, und auch unser derzeitiger Außenminister müsste angesichts solcher Taten vielleicht doch seine Einstellung zu deutschen Helden etwas ändern. Implizit führt uns Friedrich auch vor Augen, was für bewunderungswürdige Leistungen die verbleibende Bevölkerung in beiden Teilen Deutschlands, dezimiert und verkrüppelt wie sie war, in den Jahren nach dem Kriege allen Widrigkeiten zum Trotz vollbracht hat, ganz im Sinne von Rudyard Kiplings „or watch the the things you gave your life to, broken, and stoop and build them up with worn-out tools." Vielleicht sind wir Deutschen doch manchmal besser, als wir glauben wollen. Es wäre zu wünschen, dass entsprechende Teile des Buches Eingang in die Heimatkunde-Bücher aller deutschen Städte finden. Im Jahre 2003, am 60. Jahrestag des ersten großen britischen Angriffs auf Hamburg, bei dem etwa 40 000 Menschen zu Tode kamen, fand in der Hansestadt eine Gedenkfeier statt, auf der auch der britische Botschafter in vorzüglichem Deutsch eine Rede hielt. Er unterstrich darin den Wahn, der die europäischen Völker in jener dunklen Periode der Geschichte ergriffen hatte. Man fühlte sich erinnert an die letzten Worte in dem Film 'Die Brücke am Kwai': "Madness, madness..." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
69 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Brand. Dld im Bombenkrieg 1940-1945, von Jörg Friedrich,
Rezension bezieht sich auf: Der Brand: Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945 (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch schildert den Bombenterror gegen Deutschland und das deutsche Volk, greift aber auch auf die anderen europäischenStaaten aus (wer weiß schon, daß auch italienische, aber vor allem französische Städte mit zehntausenden von Ziviltoten gnadenlos bei der "Befreiung" bombardiert wurden, solange sich dort noch ein deutscher Soldat aufhielt). Was dieses Buch nötig machte, ist, daß es außer dem wenig bekannten Werk von Maximilian Czesany "Europa im Bombenkrieg" bislang keine Gesamtschau zum Thema gab. Und dann das "wie", der Autor gibt hinter den Vernichtungsorgien geschichtliche Abrisse der vernichteten Orte, er läßt in Erlebnisberichten Zeitzeugen zu Wort kommen und er schafft Bilder, die in ihrer biblisch-philo- sophischen Härte in einer Sprache daherkommen, die es so selten gegeben hat. Beispiel: "Die Verbrennung zwingt dem Körper Ausdrucksgesten auf, die der Betrachter entschlüsseln möchte. - Eine junge Frau lag da wie eine ungut geratene Plastik. Die Beine mit verkohlten hohen Absatzstiefeln nach hinten in die Höhe gestreckt, die Arme wie zur Abwehr erhoben. Das Gesicht noch andeutungsweise erhalten, der Mund mit bräunlichen Zahnreihen geöffnet, so daß man nicht wußte, ob sie lachte oder schrie. - Das Lachen ist nicht lustig und der Schrei nicht schmerzlich. Dies Geschöpf drückt kein Empfinden aus, sondern seinen Schöpfer. Es ist die Skulptur des Brandkriegs." Zitat Ende. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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