Wenn "Brainy" böse wird, weil man eine zeitlich begrenzte Übung überzieht, dann wird sein Gesicht ganz rot, und er meldet sich lautstark zu Wort. Da bemüht man sich dann schon, endlich die Zwangshandlung, die man nicht beenden kann, doch zum Abschluß zu bringen. Man möchte doch keinen Streit mit "Brainy", obwohl man weiß, dass er kein reeller Mensch ist und nicht wirklich streiten kann. Aber es hilft schon zu wissen, dass da Jemand bei einem ist, der einen in quälenden Situationen nicht alleine läßt, und Zwangshandlungen haben einen sehr quälenden Charakter.
Mit der "Gedankenmühle" verhält es sich nicht viel anders. Sie ermöglicht es dem Zwangskranken, sich Zwangsgedanken immer und immer wieder anzuhören, bis sie zum einen ihre schreckliche Bedeutung verlieren, denn man gewinnt Abstand zu ihnen, zum anderen wird dem Kranken klar, dass es reine Gedanken sind, die niemals Wirklichkeit werden.
Beide Programme liegen dem Buch "Brainy, das Anti-Zwangs-Training" von Christoph Wölk und Andreas Seebeck bei. Sie können leicht und ohne großes technisches "Know-How" installiert werden.
Das Buch selbst gibt eine anschauliche und genaue Darstellung der Zwangserkrankung und ihrer Behandlungsmöglichkeiten. Durch die beiden detaillierten Berichte von zwei Kranken am Ende des Buches wird dem Leser der mühsame und beschwerliche Alltag dieser Menschen sehr deutlich.
Sicherlich kann ein virtueller Co-Therapeut, wie "Brainy" nun mal einer ist, nicht den menschlichen Therapeuten ersetzen. Aber es beruhigt die Seele zu wissen, dass man auch zu Hause gegen den Zwang üben kann, und dass es Menschen gibt, die sich darum bemühen, gemeinsam mit dem Kranken diese schlimme Erkrankung zu besiegen.
Als ehemals Zwangskranke kann ich daher das Buch von Christoph Wölk und Andreas Seebeck jedem Therapeuten und Zwangskranken nur wärmstens empfehlen! Besonders in den ersten Monaten der Therapie haben "Brainy" und die "Gedankenmühle" unwahrscheinlich dazu beigetragen, jeden Tag ein Stückchen mehr meiner eigenen Persönlichkeit zurück zu gewinnen, und die Zwänge endgültig hinter mir zu lassen.