Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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67 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Da freuen sich die Synapsen!!!!, 27. November 2006
Mit dem menschlichen Gehirn hat die Evolution zweifellos ihr Spitzenprodukt hervorgebracht. Ein 1,4 kg schwerer, glibbriger Klumpen aus 100 Mrd. Nervenzellen. Dabei ist rein körperlich gesehen ein großes Gehirn so ziemlich das lästigste, was es gibt. 20 Prozent der gesamten Energiezufuhr gehen direkt in die Birne ob man will oder nicht. Und für die wirklich wichtigen Dinge braucht man es nicht mal. Schlafen, essen und Sex dafür reicht im Prinzip das Rückenmark.
Warum also leistet sich die Evolution so eine unglaubliche Verschwendung? Weil der Mensch nichts besonders gut kann außer Denken. Damit haben wir das Feuer und die Relativitätstheorie entdeckt, haben das Rad, die Teflonpfanne und schließlich den Klingelton erfunden.
Unser Hirn hat nur einen einzigen Wunsch: Es will beschäftigt werden. Viele wissen das nicht und schonen es daher. Ein großer Fehler, denn unser Gehirn braucht ständig Futter. Und nicht nur das. Erst seit kurzem ist bekannt: Neben den Zutaten ist die Zubereitung mindestens genauso wichtig.
In Braintertainment stimmt beides. Hier vermitteln 18 hochqualifizierte Kopfarbeiter die Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung genau so, wie es unserem Hirn am besten schmeckt: Ein intelligentes 17-Gänge-Menü gespickt mit den neuronalen Geschmacksverstärkern Kurzweiligkeit, Überraschung und Witz!
Wenn z.B. Wulf Bertram selbstironisch über Transkranielle Mandelkernmassage referiert oder Manfred Spitzer über den Handel mit Varianzanalysen, dann ist das ein Schlag auf die Großhirnrinde für all diejenigen, die meinen, wissenschaftliche Forschung sollte doch bitte möglichst kompliziert verfasst und damit nur einem elitären Fachpublikum zugänglich sein.
Die Autoren von Braintertainment pfeifen auf den wissenschaftlichen Elfenbeinturm und sehen die Sache statt dessen mit viel Humor. Der ist übrigens noch immer nicht ganz verstanden. Zwar weiß man schon seit langem, dass Patienten mit rechts frontalen Schäden unter bleierner Humorlosigkeit leiden (der Umkehrschluss gilt selbstverständlich nicht). Gleichzeitig fand man jedoch keinen Hinweis auf ein klar abgegrenztes Humorgebiet im Gehirn. Im Gegenteil. In unserem Oberstübchen ist offenbar alles mit allem verbunden. So ähnlich wie bei unserem Körper auch: Wenn man sich am Allerwertesten ein Haar ausreißt, dann tränt das Auge.
Spannend auch das Phänomen Glück. Wir fühlen uns immer dann glücklich, wenn in unserem Frontalhirn hirneigene Endorphine ausgeschüttet werden. Das passiert bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Ob man also die Kurven einer Frau anguckt oder eine mathematische Kurvendiskussion durchführt dem Hirn ist das offensichtlich egal.
Aber gerade als Physiker weiß ich natürlich, dass vieles, was wir als Wirklichkeit bezeichnen, nur eine Illusion ist. Wenn Sie z.B. eine Frau küssen, dann bauen die Elektronenwolken der Atomkerne Ihrer Lippen eine elektromagnetische Wechselwirkung auf. Obwohl Sie sich also zueinander hingezogen fühlen, sind es in Wirklichkeit die Abstoßungskräfte, die unser Gehirn als körperlichen Kontakt interpretiert. Wie genau es das macht, das ist immer noch nicht ganz geklärt. Selbst der freie Wille ist anscheinend nur ein cleverer PR-Gag unseres Hirns, der uns das Gefühl geben soll, wir hätten auch etwas zu melden.
Wussten Sie übrigens, dass man ursprünglich den morgendlichen Nasenschleim für ein Abfallprodukt des Gehirns gehalten hat? So was steht auch im Buch. Natürlich lächeln wir heute darüber. Aber dieses Beispiel zeigt, dass wissenschaftlicher Fortschritt eben nur erreicht wird, indem man das Risiko von Irrtümern eingeht. Noch vor 150 Jahren haben bayerische Ärzte geglaubt, dass Bahnfahren unausweichlich zu psychischen Erkrankungen führt. Und als 2003 das neue Tarifsystem eingeführt wurde, konnte man es auch nachweisen.
So zeigt jedes Kapitel von Braintertainment einen neuen, spannenden Blick auf unser Gehirn und lässt erahnen, wie vielschichtig und fachübergreifend Hirnforschung ist. Wenn Sie also erfahren wollen, wie Sie ihr Gehirn bei einer Darmspiegelung überlisten können, was Psychopharmaka tatsächlich bewirken oder warum sich (nicht nur das männliche) Auge so leicht täuschen lässt, dann lesen Sie dieses Buch. Die Herausgeber Manfred Spitzer und Wulf Bertram hatten dafür zwei Beweggründe: Hirnforschung ist viel zu spannend, um sie dem Elfenbeinturm zu überlassen. Und: Ein vergnügtes Gehirn lernt besser als ein angestrengtes. Großes Kompliment an die Autoren. Ziel erreicht! Ich jedenfalls habe jede Seite genossen.
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39 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Intelligente Unterhaltung mit Geist und Gehirn, 7. November 2006
Was für ein Titel! Jetzt gibt es also ein neues Wort, Braintertainment, das für Gehirn und gute Unterhaltung steht. Braintertainment ist ein sehr verständlich und eingängig geschriebenes Buch über das Gehirn. Es will sowohl informieren, als auch unterhalten, und so befassen sich in diesem Werk nicht nur prominente Hirnforscher, Psychiater und Medizinhistoriker mit unserem wichtigsten Organ, sondern mit viel Humor auch Feuilletonautoren und Satiriker. Satire, Humor und Neurowissenschaft, wie verträgt sich das? Man darf und kann Humor durchaus ernst nehmen, ja sogar neurowissenschaftlich untersuchen, allein schon um zu verstehen, warum wir über einen lustigen Witz lachen (was bekanntlich auch gut für die Gesundheit ist).
Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir einen guten Witz hören? Hirnforscher fanden unlängst mit einem bildgebenden Verfahren (fMRT) eine Aktivierung im Stirnhirn, genauer gesagt: im medialen präfrontalen Kortex. Allerdings scheint es nicht das Humorgebiet zu geben sondern mehrere Beteiligte, unter anderem auch in Hirnregionen, die bei der Suche nach sprachlicher Inkongruenz und Widersprüchlichkeit aktiv sind. Dieser Befund passt zur Vorstellung, dass wir bei einem guten Witz eine Inkongruenz von Worten wahrnehmen müssen, einen unsinnigen Zusammenhang sozusagen, bevor die Pointe überraschend einen (zuvor verborgenen) Sinn erkennen lässt, eine Kohärenz. Und diese muss man finden, sonst hat man den Witz nicht verstanden, schreibt Barbara Wild in ihrem Essay über Lächeln, Erheiterung und Gehirn. Der springende Punkt ist die positive Überraschung; sie bringt Entspannung und so viel Erheiterung, dass wir lachen. Warum ist das so? Eine Erklärung findet sich im Aufsatz von Manfred Spitzer: Wann immer uns etwas Überraschendes widerfährt, das besser ist als erwartet, dann springt das Dopaminsystem an. Dies hirneigene Belohnungssystem bewirkt im Frontallappen eine Ausschüttung von endogenen Morphinen, die uns vergnügt und glücklich machen. Kann, darf und soll man Glück überhaupt wissenschaftlich untersuchen? Oder muss man es sogar?, fragt Spitzer und beantwortet seine Frage souverän, indem er über das Glück an sich und die dabei ablaufenden Gehirnprozesse informiert, und obendrein auch gleich etliche nützliche Tipps zum Glücklich- (oder Unglücklich-)Sein liefert.
Zu guter Letzt erfährt man von Eckart von Hirschhausen, dass glückliche Naturen einen aktiveren linken Frontalkortex hätten als pessimistische Typen, weil dieses Hirnareal offenbar schlechte Gefühle im Zaun halte; aber dieser Hirnteil lasse sich trainieren. Glück sei (laut Richard Davidson), eine Fertigkeit, die sich erlernen ließe wie das Spielen eines Musikinstruments, und wer übe, werde immer besser. Dabei würde das Gehirn (strukturell) verändert, im Prinzip genau so wie beim Erlernen eines Musikinstruments. Das menschliche Gehirn ist eben plastisch, wie man weiß, und zwar lebenslang.
Das Zauberwort heißt neuronale Plastizität. Diese Fähigkeit des Gehirns, sich lebenslang zu verändern; ist von größter Bedeutung für alle Lernprozesse auch in einer Psychotherapie, erklärt Gerhard Roth in seinem Artikel über Neurobiologie und Psychoanalyse. Laut Roth gehen psychische Konflikte und schlechte (frühkindliche) Erfahrungen in der Regel mit dem Entstehen bestimmter falscher Verknüpfungen in neuronalen Netzwerken des Limbischen Systems einher, die aber im Prinzip durch eine Psychotherapie korrigiert werden können, wenn sich aufgrund positiver Erfahrungen in der Therapie Ersatzschaltungen im Mandelkern und in anderen Regionen des Gehirns herausbilden. Sprechende Medizin kann prinzipiell genau so das Gehirn verändern wie Psychopharmaka. Und Psychopharmaka sind derzeit, so Josef Aldenhoff, Grundlage einer menschlichen Psychotherapie. Wie Rolf Adler bemerkt, geht es in der Psychotherapie nicht ohne Gespür bzw. Spurensicherung und das Einfühlungsvermögen eines erfahrenen Therapeuten. Hier wiederum spielen vermutlich die in Katja Gaschlers Beitrag besprochenen empathischen Spiegelneurone des Gehirns eine Rolle.
Gewiss ist das menschliche Gehirn das komplexeste Organ aller Lebewesen; doch in manchem ist das Gehirn bestimmter Säugetiere dem unsrigen eindeutig überlegen. Beispielsweise hat ein Hund vierzig Mal so viele Riechsinneszellen wie ein Mensch, kann aber eine Million Mal besser riechen. Das muss an seinem Gehirn liegen. Sein Riechvermögen ist so gut, dass es einem trainierten Hund sogar möglich ist, mit 90% Wahrscheinlichkeit zu erkennen, ob ein Mensch an einer bestimmten Krebsart erkrankt war, steht im Essay über Geruchssinn und Gehirn von Hannah Monyer und Kollegen (S. 150). Ihr Kapitel Im Dschungel der Düfte beginnt mit Rainer Maria Rilkes herrlicher Hymne an den Duft (Wer bist du, Unbegreiflicher; du Geist ...) und endet mit einer Laudatio auf Marcel Prousts Poesie und einer Erläuterung des Proust Phänomens der Fähigkeit der Düfte, Erinnerungen hervorzurufen, weil, neurophysiologisch erklärt, der Riechkolben im Vorderhirn direkte Verbindungen zu den Gedächtnisstrukturen im Hippocampus hat.
Auch Laien werden keine Probleme haben, solchen Argumenten zu folgen schon deshalb, weil sie aus dem einführenden Kapitel von Wulf Bertram über die Anatomie des Gehirns bestens Bescheid wissen, wo es lang geht zum Hippocampus. ! Künftigen Lesern und Leserinnen mag dies einen kleinen Vorgeschmack dessen geben, was sie erwartet: eine Fülle hoch interessanter Informationen und beste Unterhaltung, sogar mit Hirn und Grips in der Popkultur (Michael Freund). Ganz ohne die neurobiologische Terminologie geht es aber auch nicht. Dass diese nicht trocken sein muss, ja sogar spannend sein kann, beweist Axel Karenberg anschaulich und humorvoll, denn so bleiben die vielen Begriffe und Termini besser im Gedächtnis hängen. Ein solcher Lernerfolg erfreut und motiviert, das Gehirn auf unterhaltsame Weise durch die weitere Lektüre des Buches zu erkunden. Ich selbst habe dieses Buch mit Vergnügen und großem Interesse gelesen; am Schluss fragte ich mich, ob der faszinierende Titel Braintertainement nicht doppelsinnig gemeint sei. Schließlich ist unser Hirn auch unser (endogener) Entertainer und dies nicht nur, wenn wir einen guten Witz verstehen und darüber lachen können.
Johann Caspar Rüegg, Hirschberg
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43 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was gute Laune alles vermag, 6. März 2007
Vielleicht sähe die Welt anders aus, wenn Politiker ihre Ideen nach einer Musiksession und dem Geniessen eines guten Rotweins gebären würden. Aber wenn ich die verklemmten Gruppenbilder und das steife Händeschütteln in der Tagesschau sehe, hege ich wenig Hoffnung, dass in ovalen Machtzentren weiterhin lustig und lustvoll gewerkelt wird. Doch zum Glück greift wenigstens die Wissenschaft manchmal zum Zaubertrank der Fröhlichkeit. Und dass dies durchaus zu fundierter Vermittlung ihres Tuns führen kann, beweist dieses Buch.
Manfred Spitzer produzierte in den letzten Jahren so viele Bücher und Publikationen, dass Legehühner ihre Vormachtsstellung riskieren. Nicht jedes Ei, das Spitzer mir ins Bücherkörbchen legte, fand meine uneingeschränkte Begeisterung. Das moralingetränkte "Vorsicht Bildschirm!" war für mich kein grosser Genuss. Doch schon ein halbes Jahr später legte Manfred Spitzer mit Wulf Bertram zusammen diesen Sammelband vor, den ich gerne weiterempfehle. In diesem Buch wird endlich wieder einmal spürbar, was Herausgeber bewirken können und sollten. Das beginnt bei der Auswahl der Autoren. Auch wenn die Prominenz nicht fehlt, war der Bekanntheitsgrad offenbar nicht das massgebende Kriterium im Aufnahmekatalog. Die Beitragsverfasser kommen zwar aus den unterschiedlichsten Gebieten, teilen jedoch die Auffassung der Herausgeber, Wissenschaftliches lasse sich durchaus unterhaltsam vermitteln. Deshalb der Titel, der mir allerdings nicht besonders ans Herz gewachsen ist. Aber dafür ist der Inhalt umso stärker. Seit sich die Werbeabteilungen der Titelfindung angenommen haben, ist es leider oft umgekehrt.
Was dem Leser an Stofflichem alles geboten wird, haben andere begeisterte Rezensenten bereits ihrem PC und den Lesern anvertraut. Ich haute einfach noch in die Tasten, um diesem Buch eine weitere Empfehlung mit auf den Weg zu geben. Damit die guten Stilnoten aber nicht der Verdacht aufkommen lassen, es handle sich bloss um ein rotweininspiriertes Spassbuch, möchte ich darauf hinweisen, dass jeder Beitrag auf fundierten Erkenntnissen beruht, mit hilfreichen Anmerkungen versehen ist und mit einem Literaturverzeichnis aufhört. Etliche Autoren veranschaulichen ihre Meinungen und Theorien zudem mit Illustrationen. Den Herausgebern ist es ausserdem gelungen, inhaltliche Doppelspurigkeiten grösstenteils zu vermeiden oder zumindest als nützliche Perspektivenwechsel zu legitimieren.
Mein Fazit: Den Herausgebern ist es geglückt, Autoren für ihren Sammelband zu gewinnen, die etwas zu sagen haben und das Gesagte lustvoll verpacken können, ohne in einen billigen Unterhaltungsstil zu verfallen. Da es sich trotzdem noch um die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse handelt, kommt der Leser nicht darum herum, nebst Zeit auch eigene Denkarbeit zu investieren. Aber für diesen Beitrag wird er reich belohnt. Selbst ein Fachpublikum erfährt noch Neues.
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