Es braucht keine besonderen prophetischen Eigenschaften, um den Erfolg dieses Buches vorherzusehen. Denn Günther Beyer ist nicht nur ein Gedächtniskünstler, sondern auch ein „begnadeter" Marketingmensch. Aber mir geht die letzte Version seiner Selbstdarstellung auf den Geist. 16 Seiten Eigenwerbung am Schluss des Buches und dazwischen immer wieder die Hinweise auf seine wundersamen Fähigkeiten. Doch irgendwann wissen wir, dass Beyer der beste ist. Aber wir wissen spätestens seit Gardner auch, dass es verschiedene Intelligenzen gibt. Und nicht alle sind bei Beyer auf dem Höchststand. Und um den kritischen Teil gleich abzuschliessen: Die beigelegte CD-ROM ist Anfixen pur. Sie nützt nichts, sondern soll lediglich dazu animieren, die nützliche Version zu bestellen. Das finde ich schon fast eklig.
Gegen über 2 Millionen Beyer-Anhänger zu schreiben, ist ein sinnloses Unterfangen. Also gehe ich doch noch darauf ein, was der Mann kann und die Leser dieses Buches profitieren können. Sie erfahren von einem Guru der Materie, dass sich das Gedächtnis trainieren lässt und wie ein solches Übungsprogramm aufgebaut wird. Mitgeliefert wird auch der wissenschaftliche Hintergrund seiner Methode. Den hat zwar Beyer nicht allein erarbeitet, aber er bringt ihn so, dass er allgemein verständlich wird. Auch wenn nicht alles den neusten Erkenntnissen der Neurowissenschaften entspricht. Doch das ist nebensächlich, schliesslich geht es ums Üben.
Wer vor allem sein Faktengedächtnis leistungsfähiger machen will, kommt bei Beyer voll auf die Rechnung. Ich habe mich bei einigen Beispielen einfach gefragt, ob die natürliche Vergesslichkeit nicht sinnvoller ist als das Speichern unwichtiger Daten. Aber das ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Ich lebe ganz gut damit, nicht zu wissen, welche Promis auf den Geldscheinen abgedruckt sind, wie das Zifferblatt meiner Uhr im Detail aussieht oder welche Farbe das obere Licht der Verkehrsampel hat.