von bach zu brahms, dem grossen verehrer des alten meisters, und es verwundert nicht,
dass murray perahia, daselbst nun einer der älteren, grossen pianisten, seine
immensen bach-erfahrungen der vergangenen jahre hier auf brahms konzentriert.
bemerkenswert der ernsthaft strenge gestaltungswille perahias,
den jungen wie den gereiften brahms aus einem spätromantischem klangreflex heraus
formal zu (be)zwingen, in eine umfassend geschlossene klanggestalt von gewichtiger
fülle und moderat strömender bewegtheit.
die händel-variationen als frühe klassiker-bekenntnisse des jungen brahms könnte
man sich auch weniger kalkuliert und deftiger-akzentuiert, virtuos-verspielter
vorstellen, die späten klavierstücke variabler und mehr pastellen gelichtet,
etwas weniger gewichtig und grüblerisch gefärbt.
jedoch, bewundernswert sind klangkultur und phrasierungskunst,
perahias ruhig bewegte agogik, atmendes timing, seine mit bedacht gesetzten,
moderaten herbheiten.
er ist ein verhalten expressiver, behutsam akzentuierender klavierkünstler.
gestalterisch-inventierte, kapriziöse freiheiten (kempff), kontemplative introspektion (gould)
oder schwungvoll-spontane exposition (argerich) sind ihm eher fremd.
perahia überzeugt als musiker und pianist mit seiner gedanklich-gestalterischen ästhetik,
fremd heutiger event-kultur und abseits des new-fashioned,
mit einem brahms-album pianistisch-stilvoller meisterschaft.