Eine landläufige Meinung über viele Bereiche der Kammermusik - und als leidenschaftlicher Liedsänger höre ich diese Kommentare stets zu meinem großen Leidwesen... - lautet: "Ach, wissen S', das is' ja alles so abgezirkelt, da gibt's keine großen Ausbrüche, oft is' auch gar zu beschaulich, sogar a bisserl blutleer... Wenn S' mich fragen, a so a leidenschaftliche Symphonie oder a ordentlich's Solokonzert mit einem recht sentimentalen Virtuosen gibt halt doch mehr her..." Voilà, hier ist sie, die Quadratur des Kreises: vier höchst virtuose, sowohl sentimentale als auch vor Leidenschaft strotzende Solisten ersten Ranges treffen sich zu einem Fest, wie es ausgelassener und feuriger nicht sein könnte. Zugegeben, der Brahmssche Tokajer fließt bei einem reschen "Rondo alla zingarese" auch in Strömen; überhaupt ist Brahms - auch in den langsamen Sätzen, bei denen Stern, Laredo, Ma und Ax sämtliche Piano-Nuancen hervorzukitzeln wissen - niemals blutleer! Ich empfehle diese Gesamtaufnahme seiner Klavierquartette wärmstens: für mich ist sie exemplarisch. Und auch wenn manche Pedanten die eine oder andere Intonationstrübung bei den Streichern ("über's Ziel hinausgeschossen...") bekritteln mögen - sei's drum! Hier wird vom Scheitel bis zur Sohle musiziert...