Wer mit dem Autor die Welt hinter Wien erkundet hat, der wird ihm bedingungslos auch in die weit weniger attraktive Eurokratenwelt von Brüssel folgen, so war wohl das Kalkül. Es ist aufgegangen. Wieder setzte sich Martin Leidenfrost einem Eigenexperiment aus, und wir lassen uns bezaubern von der Poesie, die er den 'Bürofluchten und Wohnwelten der Europäisten' abringt, sind kurz irritiert, wenn er vom 'Brüssel-Menschen' spricht. Nein, ein Eurovisionär ist Leidenfrost dennoch ebenso wenig wie ein Eurodissident oder gar ein Eurorealist. Seine innere Distanz zu seinem Thema lässt ihn das Wort 'Europablase' arg strapazieren, dafür gibt er, vielleicht als Mittel eben dieser Distanzüberwindung, vollen Einsatz vor, wenn er die 'nationalen Intimpartien' (?) in immer neuer weiblicher Begleitung quer durch die europäische Artenvielfalt untersucht. Wir sind ein wenig ermüdet nach dem Bericht über seine Bettenwechsel, die ihn doch nur immer wieder von slowakischen Schönheiten träumen lassen. Dort liegt nunmal für ihn die Mitte Europas. Möge es so sein -' für mehr Poesie und weniger Beklemmung.