Die Neuverfilmung von "Brüderchen und Schwesterchen" bietet viele gute Aspekte: schöne Bilder, passende Kulissen. Das Drehbuch gibt die Geschichte nah am Grimm'schen Original wieder, auch wenn die Versuche, einige lustig gemeinte Figuren und Szenen hinzuzufügen, Geschmackssache sind... Wie im Märchenbuch erhalten die Figuren auch im Film keine Namen, sondern sind einfach Brüderchen, Schwesterchen, König, usw. Die Tricks mit dem verzauberten Wasser und - Vorsicht, jetzt wird etwas verraten - die Sequenz, in der sich die Seele des Schwesterchens nach dem Mordanschlag in eine Taube verwandelt, halte ich für gut gelungen. Kitschfreunde hätten sich für das Reh sicherlich ein weißgeflecktes Kitz gewünscht, aber das braune Tier erfüllt seine "Rolle" ebenso gut.
Leider gibt es ein großes Aber: die Schauspieler. Andrea Sawatzki ist offensichtlich die einzige, die sich wirklich bemüht zu spielen. Leider tut sie es so übertrieben, dass ihre Stiefmutter nicht mehr unheimlich oder gefährlich wirkt, sondern wie eine misslungene Karrikatur. Die meisten anderen Schauspieler sind mäßig, für einen Kinderfilm wahrscheinlich gut genug. Der König aber ist unterirdisch, keine Sekunde kauft man ihm ab, dass er König sei - er wirkt leider wie ein Neuling in einer Laienspielgruppe. Möglicherweise liegt es daran, dass der zweite Teil des Films, der sich auf die Ereignisse im Schloss konzentriert, generell recht hektisch und zu kurz geraten erscheint. 60 Minuten reichen für ein zugegebenermaßen langes Märchen wie "Brüderchen und Schwesterchen" eben nicht aus.
Ich gebe dem Film drei Sterne, weil die Produktion an sich überzeugt, die Leistung der Schauspieler meiner Meinung jedoch nicht. Für Märchenfreunde, die nicht zuviel erwarten, dennoch ein netter Film für zwischendurch.