Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Kinder- und Hausmärchen
OA 1812/15 (2 Bde.) Form Märchen Epoche Romantik
Zu einer Zeit, als die Aufklärung allem Wunderbaren in der Dichtung den Stempel des Trivialen aufgedrückt und es in die Kinderstuben verwiesen hatte, machten Jacob und Wilhelm Grimm mit ihrer Sammlung von Kinder- und Hausmärchen eine gering geschätzte literarische Gattung salonfähig. Ihre überwiegend aus mündlicher Überlieferung stammenden Texte verknüpfen ganz selbstverständlich Übernatürliches mit Alltäglichem und zeichnen ein Weltbild, in dem das Gute über das Böse triumphiert und soziale Schranken überwunden werden können.
Entstehung: Die viel beachtete Sammlung von deutschen Volksliedern, die Achim von R Arnim und Clemens R Brentano unter dem Titel Des Knaben Wunderhorn ab 1805 veröffentlichten, schürte auch bei den Grimms die romantische Begeisterung für die »verlorenen Töne der Poesie« (Arnim). Sie reichten ihre zunächst sporadisch, ab 1807 systematisch gesammelten Volkslieder und -märchen an Brentano weiter, der die Herausgabe einer Märchensammlung plante. Als diese nicht zustandekam, planten die Brüder, selbst einen Altdeutschen Sammler zu begründen, der in jährlich erscheinenden Bänden die Ergebnisse planmäßigen Zusammentragens volkstümlicher Überlieferung enthalten sollte. Doch dieses Vorhaben kam ebensowenig voran wie das Brentanos, so dass Arnim die Grimms ermunterte, wenigstens das Vorhandene zu publizieren. So erschien 1812 der erste Band der Kinder- und Hausmärchen mit 86 Texten, dem rasch (Anfang 1815) ein zweiter Band folgte. Die Veröffentlichung eines dritten Bandes erwies sich als überflüssig: Neue Texte fanden bei künftigen Auflagen Berücksichtigung, indem sie entweder im ersten Band gegen (meist in den Anhang verwiesene) Märchen ausgetauscht oder im zweiten Band an die ursprünglich 70 Nummern angehängt wurden. So wuchs die Zahl der Texte auf insgesamt 210.
Inhalt: Die Kinder- und Hausmärchen enthalten neben etwa 60 Märchen im heutigen Sinn alle Typen der Volkserzählung: Scherz-, Lügen- und Gruselgeschichten, Schwänke und Legenden, Tiererzählungen, Natursagen und andere sog. einfache Formen. Den Anfang machten Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (Band 1) bzw. Der Arme und der Reiche (Band 2), eine Version der schon in R Ovids Metamorphosen enthaltenen Sage von Philemon und Baucis.
Während die Grimms die Texte des ersten Bandes in sechs Jahren aus mündlichen und schriftlichen Quellen ihrer hessischen Heimat sammelten, stützten sie sich für den zweiten Band vor allem auf Erzählungen einer Bäuerin. Doch hielten sich die Brüder keineswegs an die von ihnen selbst geforderte getreue Wiedergabe der Texte. Vor allem Wilhelm (der die Märchensammlung ab der zweiten Auflage allein betreute) zögerte nicht, sein Material auszumalen, um die Handlung präziser zu motivieren und größere Anschaulichkeit zu erzielen. Außerdem ersetzte er indirekte durch direkte Rede und feilte unermüdlich an der Sprache, bis der heute charakteristische Grimmsche Märchenton entstand. Ein pädagogisches Anliegen hatte er dabei zunächst nicht, auch wenn er nach und nach anstößige Stellen tilgte. Die Grimms glaubten vielmehr, dass sich in der mündlichen Erzähltradition des einfachen Volks Reste »uralter, wenn auch umgestalteter und zerbröckelter Mythen« erhalten hätten, deren »Urform« es zu rekonstruieren gelte, damit »die Poesie selbst, die darin lebendig ist, wirke und erfreue«. Erst allmählich setzte sich der Gedanke durch, dass die Kinder- und Hausmärchen auch (wie es in der Vorrede zur zweiten Auflage 1819 heißt) »als ein Erziehungsbuch« dienen sollten.
Wirkung: Schon zu Lebzeiten der Brüder Grimm erschienen sieben Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen; eine von Wilhelm zusammengestellte kleine Ausgabe mit 50 Texten brachte es auf neun Auflagen. Der große Erfolg regte Sammler im In- und Ausland an, es den Grimms gleichzutun. Zur größten Konkurrenz wurde das Deutsche Märchenbuch (1845) von Ludwig Bechstein (180160), das in nur sieben Jahren eine Auflage von 63 000 Exemplaren erreichte. Trotz ihrer vielfältigen wissenschaftlichen Leistungen sind die Kinder- und Hausmärchen das bis heute populärste Vermächtnis der Grimms geblieben. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Kinder- und Hausmärchen
OA 1812/15 (2 Bde.) Form Märchen Epoche Romantik
Zu einer Zeit, als die Aufklärung allem Wunderbaren in der Dichtung den Stempel des Trivialen aufgedrückt und es in die Kinderstuben verwiesen hatte, machten Jacob und Wilhelm Grimm mit ihrer Sammlung von Kinder- und Hausmärchen eine gering geschätzte literarische Gattung salonfähig. Ihre überwiegend aus mündlicher Überlieferung stammenden Texte verknüpfen ganz selbstverständlich Übernatürliches mit Alltäglichem und zeichnen ein Weltbild, in dem das Gute über das Böse triumphiert und soziale Schranken überwunden werden können.
Entstehung: Die viel beachtete Sammlung von deutschen Volksliedern, die Achim von R Arnim und Clemens R Brentano unter dem Titel Des Knaben Wunderhorn ab 1805 veröffentlichten, schürte auch bei den Grimms die romantische Begeisterung für die »verlorenen Töne der Poesie« (Arnim). Sie reichten ihre zunächst sporadisch, ab 1807 systematisch gesammelten Volkslieder und -märchen an Brentano weiter, der die Herausgabe einer Märchensammlung plante. Als diese nicht zustandekam, planten die Brüder, selbst einen Altdeutschen Sammler zu begründen, der in jährlich erscheinenden Bänden die Ergebnisse planmäßigen Zusammentragens volkstümlicher Überlieferung enthalten sollte. Doch dieses Vorhaben kam ebensowenig voran wie das Brentanos, so dass Arnim die Grimms ermunterte, wenigstens das Vorhandene zu publizieren. So erschien 1812 der erste Band der Kinder- und Hausmärchen mit 86 Texten, dem rasch (Anfang 1815) ein zweiter Band folgte. Die Veröffentlichung eines dritten Bandes erwies sich als überflüssig: Neue Texte fanden bei künftigen Auflagen Berücksichtigung, indem sie entweder im ersten Band gegen (meist in den Anhang verwiesene) Märchen ausgetauscht oder im zweiten Band an die ursprünglich 70 Nummern angehängt wurden. So wuchs die Zahl der Texte auf insgesamt 210.
Inhalt: Die Kinder- und Hausmärchen enthalten neben etwa 60 Märchen im heutigen Sinn alle Typen der Volkserzählung: Scherz-, Lügen- und Gruselgeschichten, Schwänke und Legenden, Tiererzählungen, Natursagen und andere sog. einfache Formen. Den Anfang machten Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (Band 1) bzw. Der Arme und der Reiche (Band 2), eine Version der schon in R Ovids Metamorphosen enthaltenen Sage von Philemon und Baucis.
Während die Grimms die Texte des ersten Bandes in sechs Jahren aus mündlichen und schriftlichen Quellen ihrer hessischen Heimat sammelten, stützten sie sich für den zweiten Band vor allem auf Erzählungen einer Bäuerin. Doch hielten sich die Brüder keineswegs an die von ihnen selbst geforderte getreue Wiedergabe der Texte. Vor allem Wilhelm (der die Märchensammlung ab der zweiten Auflage allein betreute) zögerte nicht, sein Material auszumalen, um die Handlung präziser zu motivieren und größere Anschaulichkeit zu erzielen. Außerdem ersetzte er indirekte durch direkte Rede und feilte unermüdlich an der Sprache, bis der heute charakteristische Grimmsche Märchenton entstand. Ein pädagogisches Anliegen hatte er dabei zunächst nicht, auch wenn er nach und nach anstößige Stellen tilgte. Die Grimms glaubten vielmehr, dass sich in der mündlichen Erzähltradition des einfachen Volks Reste »uralter, wenn auch umgestalteter und zerbröckelter Mythen« erhalten hätten, deren »Urform« es zu rekonstruieren gelte, damit »die Poesie selbst, die darin lebendig ist, wirke und erfreue«. Erst allmählich setzte sich der Gedanke durch, dass die Kinder- und Hausmärchen auch (wie es in der Vorrede zur zweiten Auflage 1819 heißt) »als ein Erziehungsbuch« dienen sollten.
Wirkung: Schon zu Lebzeiten der Brüder Grimm erschienen sieben Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen; eine von Wilhelm zusammengestellte kleine Ausgabe mit 50 Texten brachte es auf neun Auflagen. Der große Erfolg regte Sammler im In- und Ausland an, es den Grimms gleichzutun. Zur größten Konkurrenz wurde das Deutsche Märchenbuch (1845) von Ludwig Bechstein (180160), das in nur sieben Jahren eine Auflage von 63 000 Exemplaren erreichte. Trotz ihrer vielfältigen wissenschaftlichen Leistungen sind die Kinder- und Hausmärchen das bis heute populärste Vermächtnis der Grimms geblieben. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Pressestimmen
"'Wenn man in einer Rezension `Hurra´ schreien dürfte, wäre es in diesem Fall angebracht', urteilte die" -- Zeitschrift für Volkskunde über die Erstausgabe. "[Die Märchen bieten] genug Stoff also, um ganze Heerscharen von Kindern bei Laune zu halten - wobei nicht jedes Werk für die Ohren der Kleinen taugt, weshalb das dreibändige Werk korrekterweise auch 'Kinder- und Hausmärchen' heißt. Interessant, wenn auch im Reprint nicht immer leicht zu entziffern, sind die 'Originalanmerkungen der Brüder Grimm'. Hier geben die Autoren Einblick in die Entstehungsgeschichte der Stoffe und erklären, welche Versionen in welchen Regionen kursierten. Was für eine Fleißarbeit. Und ganz ohne Internet." -- Stuttgarter Nachrichten
Kurzbeschreibung
Die "Kinder -und Hausmärchen" der Brüder Grimm sind zweifelsohne das meistverbreitete Buch deutscher Sprache, ein unerschöpflicher Schatz von Figuren und Bildern, die jeder aus seiner Kindheit kennt. Diese Gesamtausgabe ist im doppelten Sinne konkurrenzlos: Sie enthält tatsächlich alle Märchen (auch die, die in anderen Ausgaben ausgespart wurden) und liefert außerdem die Originalanmerkungen der Brüder Grimm.
Klappentext
Sämtliche Märchen der Brüder Grimm nach der letzten zu deren Lebzeiten erschienenen »Großen Ausgabe« von 1857.
Textkritisch bearbeitet, mit einem ausführlichen Nachwort zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, umfangreichen Kommentaren zu jedem Märchen, großem Namen und Sachregister, einem Wörterverzeichnis, einem Verzeichnis der Quellen-Beiträger und -Vermittler sowie einer Typologie der Märchen, versehen von Hans-Jörg Uther. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Jacob Grimm wurde 1785 in Hanau geboren. Er studierte in Marburg und Paris. Der Germanist arbeitete als Professor in Göttingen, wurde jedoch als Mitverfasser des politischen Protestes der Göttinger Sieben von seinem Amt enthoben. 1841 holte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. ihn und seinen Bruder Wilhelm Karl Grimm (1786-1863) als Mitglieder an die Akademie der Wissenschaften nach Berlin. Mit seinen auf eingehender Quellenforschung beruhenden Werken Deutsche Grammatik und Geschichte der deutschen Sprache legte Jacob Grimm die Grundlage der Germanistik. Er bearbeitete die ersten Bände des von ihm und Wilhelm Grimm begründeten Deutschen Wörterbuchs. Gemeinsam mit seinem Bruder und K. Lachmann gilt Jacob Grimm als der eigentliche Begründer der deutschen Philologie. Jacob Ludwig Carl und Wilhelm Karl Grimm sind die bekannten Herausgeber der "Kinder- und Hausmärchen". Jacob Grimm starb 1863 in Berlin.Wilhelm Grimm, geb. am 24. Februar 1786 in Hanau, gestorben am 16. Dezember 1859 in Berlin, lehrte in den 1830er Jahren in Göttingen, war Mitglieder der Göttinger Sieben und ab 1841 der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. Gemeinsam mit seinem Bruder Jacob arbeitete er an den "Kinder- und Hausmärchen", den "Sagen" und vor allem am "Deutschen Wörterbuch", das ab 1854 entstand. Sie gelten als Gründer der Deutschen Philologie und Germanistik.Heinz Rölleke ist Professor für Deutsche Philologie und Volkskunde an der Universität Wuppertal und einer der maßgeblichen Märchenforscher.
Als führender Grimm- und Märchenforscher erhielt er den Hessischen Staatspreis.
Als führender Grimm- und Märchenforscher erhielt er den Hessischen Staatspreis.