7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lustige Geschichten aus dem Leben um den Boxhagener Platz von 1968, 3. Februar 2010
Im Buch beschreibt der Ich-Erzähler Holger seine Jugend um den Boxhagener Platz von 1968. Der Boxhagener Platz ist dabei das Zentrum, an dem sich alle Personen im Buch begegnen, treffen oder einfach nur wohnen.
In sehr lustigem Erzählstil berichtet Holger über seine frisch verliebte Oma Otti, die er immer auf den Friedhof über die Karl-Marx-Allee begleiten muß. Natürlich auch über seine Eltern mit seinem Vater als ABV des Kietzes um den Boxhagener Platz. Und natürlich seine Freunde, mit denen er sich auf dem Platz trifft um Fußball zu spielen.
Ein Mord am ansässigem Fischhändler und die damit in Umlauf kommenden Gerüchte bringen die Leute des Kietzes in Aufregung und Spekulationen.
Das Buch beschreibt mit viel Humor eine Momentaufnahme eines ostdeutschen Kiezes mit so ziemlich allen Facetten zwischenmenschlicher Beziehungen.
Eine Momentaufnahme auch, als der Feuermelder am Boxhagener Platz noch eine gesellige Kneipe und kein Treffpunkt linksradikaler Schlägertypen war.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mord an einem Fischkopp, 21. Dezember 2007
Torsten Schulz, 44, Berliner, Drehbuchautor, Regisseur und Professor für Dramaturgie an der Filmhochschule Potsdam hat nach einigen Drehbüchern, einem Buch zum Film und einem Sachbuch endlich einen Roman geschrieben. "Boxhagener Platz" heißt sein charmantes Werk, dass einem auf 191 Seiten das Leben Ende der 60er in der ehemaligen DDR nahe bringt.
Dies tut er gekonnt mit Hilfe einer Ostberliner Familie, den Jürgens', die alles andere als durchschnittlich und normal ist. Oma Otti, die rüstige Rentnerin, die Grabpflege zu ihren Hobbys zählt. Vater Jürgens, der ABV (Abschnittsbevollmächtigte), der seinen Dienst sehr ernst nimmt und ständig um den Boxhagener Platz schleicht. Mama Jürgens, die ab und zu ins Café NORD oder zu RENI geht, da Vater Jürgens sein Pulver bereits verschossen hat und Holger, der Sohn der Familie. Er steckt irgendwo zwischen Kindheit und Pubertät und versucht stetig seine Wissenslücken in punkto Sex zu schließen, was hauptsächlich auf dem Boxhagener Platz geschieht, wo Holger und seine Freunde ihre Zeit verbringen.
Oma Otti, eigentlich Ottilie, hat bereits fünf Ehemänner ins Grab gebracht und um den sechsten ist es auch nicht gut bestellt. Sie bedauert zwar, "dass de Männer aber ooch immer so schnell schlapp machen", aber dass findet sie immer noch besser als wenn sie selbst "abnibbeln" würde. Lieber auf dem Friedhof Blumen gießen, als selbst begossen werden scheint das Motto der rüstigen Alten zu sein, die die Männerherzen der über 60 jährigen rund um den FEUERMELDER, einer Kiezkneipe, höher schlagen lässt. "Die Kerle könn' noch so alt sein, aber von `n Weibern könn' se bis zum Schluss nicht lassen". Und weil Ehemann Nummer sechs zwar noch nicht tot ist, aber eben auch nicht mehr so richtig lebendig, schaut sich Oma Otti schon einmal nach jemand neuem um. Sie braucht natürlich nicht lange zu suchen, sind doch gleich zwei Bewerber zur Stelle. Fisch-Winkler, "der hässliche Karpfenkopp", der sie mit Gratis-Fisch gewinnen will und Karl Wegner, der Oma Otti erst zum Grabgießen einspannt, um ihr dann "den ersten Preis für Grabpflege" zu überreichen.
Eines Morgens jedoch wird der alltägliche Wahnsinn rund um den Boxhagener Platz gestört. Ein Mord ist geschehen. Ein Unbekannter hat Fisch-Winkler in seinem Laden mit einer Bierflasche erschlagen. "Um Fisch-Winkler, den ollen Karpfenkopp, isset ja nun wirklich nicht schade" findet Oma Otti, dennoch ist der Mord an Fisch-Winkler Wochenlang Kiezgesprächsthema Nummer eins.
Torsten Schulz schafft es mühelos durch die plötzlich auftauchenden Gerüchte so viele Verstrickungen zu schaffen, dass eigentlich jeder der Täter sein könnte: der fast-tote Opa Rudi, ein Saufkumpan aus dem FEUERMELDER, der Nachbar von gegenüber. Alles und jeder ist verdächtig und schließlich ist auch ein Komplott aus dem Westen nicht mehr ausgeschlossen. Bis zum Schluss werden die wüstesten Theorien gesponnen und nebenbei auch Skandale aus den elterlichen Schlafzimmern aufgedeckt.
"Boxhagener Platz" ist eine Ostberliner Komödie, die nicht nur durch ihre komischen Charaktere und deren Berliner Schnauze amüsiert, sondern auch jedes nur denkbare Klischee karikiert, so dass der Leser nicht nur der Aufklärung des Mordes, sondern auch Oma Ottis nächster Äußerung entgegenfiebert.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Liebe unter alten Menschen, 11. Juli 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Boxhagener Platz: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit anarchischem Humor schildert Torsten Schulz Liebe unter alten Menschen: Oma Otti, die fünf Männer unter die Erde gebracht und den sechsten auf dem Krankenlager zu liegen hat, ist dabei, sich in Nummer Sieben zu verlieben. Die Liaison beginnt, als er, Karl Wegner, sie auf dem Friedhof anspricht und fragt, ob sie seine Frau nicht mal mitgießen könne, weil er für drei Wochen bei Verwandten in Bayern ist.
Vor dem Hintergrund der Ereignisse des Jahres 1968, aus der Sicht eines zwölfjährigen Erzählers und mit lakonisch-wehmütigem Berliner Humor schildert Torsten Schulz diese einzigartige Liebe.
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