Regisseur Matti Geschonneck, ebenso wie der Buch- und Drehbuchautor Torsten Schulz selbst am Boxhagener Platz aufgewachsen, legt mit BOXHAGENER PLATZ eine ironisch-anrührende Komödie vor, die sich wohltuend vom Humor von Leander Hausmanns SONNENALLEE abhebt. Ohne in Ostalgie zu versinken, aber auch ohne politisch korrekt erhobenen Zeigefinger, erzählt der Film eine kleine, lebenspralle Geschichte der 60er Jahre im Osten von Berlin.
1968, als in Westberlin die Studenten auf die Barrikaden gingen und im Osten noch trügerische Ruhe herrscht, regiert Oma Otti ihr kleines Reich zwischen Buletten und guten Tipps für eine bessere Verdauung. 5 Männer hat sie schon ins Grab gebracht, der 6. siecht nebenan dahin, was Otti nicht von einem heftigen Flirt mit dem flotten Ex-Spartakus-Aktivisten Karl abhält. Liebevoll schnodderig kümmert sie sich um Enkel Holger, der vor seinen ständig streitenden Eltern, dem systemtreuen und übereifrigen Polizisten-Vater (großartig verspießert dargestellt von Jürgen Vogel) und einer vom Westen träumenden Mutter (Meret Becker, wunderbar verzweifelt-aufmüpfig!) lieber zur Oma flieht.
Der Mord an einem Fischhändler und Ex-Nazi erschüttert den Bezirk und bringt den Mikrokosmos von Oma Otti ins Wanken. Gerade lebt sie mit ihrem Karl eine feinfühlig und glaubwürdig inszenierte späte Romanze aus, als ausgerechnet dieser am Heiligabend von der Stasi unter Mordverdacht festgenommen wird. Stundelang könnte man Gudrun Ritter (Oma Otti) und dem klugen Michael Gwisdek (Karl Wegener) weiter zusehen und -hören in diesem Heimatfilm, der uns am Ende mit leiser Melancholie ins Leben entlässt....