Ich habe lange überlegt, ob ich "nur" vier Sterne oder die volle Punktzahl vergeben soll.
Wenn man noch die Europa-Hörspiele aus den seligen Kindertagen kennt, so ist dies schon ein Quantensprung. Bei allen Geschichten und deren Umsetzung durch Titania-Medien ist sowohl die Liebe zum Detail als auch das handwerkliche Können deutlich zu erkennen.
Die Geschichten sind gut ausgesucht sowie von Marc Gruppe und Stephan Bosenius wunderbar für das Hörspiel adaptiert worden. Zwar wirkt der Werbeslogan "mit den Stimmen vieler Hollywoodstars" etwas plakativ, ist wohl aber dem Vertrieb geschuldet.
Obwohl die Box aus drei Hörspielen besteht und die Geschichten "Carmilla der Vampir" und "Das Amulett der Mumie" schon sehr überzeugend sind, möchte ich die Geschichte "die Familie des Vampirs" als wahres Juwel bezeichnen. Sie ist nahezu unbekannt und lebt von den beiden kongenialen Sprechern Arianne Borbach (als Zdenka) und David Nathan (als Serge d'Urfe). Beide sind zwar tatsächlich u. a. die Stimmen der Hollywoodstars Catherine Zeta-Jones, Cate Blanchett und Johnny Depp. Aber in erster Linie sind sie hervorragende Schauspieler.
Eine Lanze möchte ich gerade für Arianne Borbach brechen, die mit ihrer wunderbar ausdrucksstarken und erotischen Stimme sowohl das unschuldige Bauernmädchen als auch die lüsternde Vampirin so pointiert darstellt, daß es einem schlicht den Atem verschlägt.Im Fernsehen ist sie leider nicht so präsent, hat Ihren Schwerpunkt wohl aber ohnehin in der Synchronschauspielerei. Schön ist, daß sie bei vielen Hörspielen von Titania-Medien mitgewirkt hat. Auch gibt es auf deren Homepage unter der Rubrik "... im Gespräch mit" ein sehr schönes Gespräch mit Marc Gruppe, welches Arianne Borbach als unterhaltsame und eloquente Schauspielerin zeigt.
So kann damit auch nur ein Profi wie David Nathan mithalten, der das gesamte Spektrum seiner Schauspielkunst in der Rolle verarbeiten kann.
Wie jedoch zu Anfang schon gesagt, drohte hier Punktabzug. Denn Titania-Medien hat wohl aus Kostengründen keine Ensembleaufnahme mit allen Sprechern zur selben Zeit in einem Studio gemacht, sondern die verschiedenen Szenen zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Studios aufgenommen. Nur so ist zu erklären, warum David Nathan in den Erzähldialogen wärmer und voller, in den Spielszenen mit Borbach oder Peer Augustinski jedoch seltsam blechern und höhenlastig klingt. Bei Borbach und Augustinski ist dies leider nicht anders.
Zwar wundert mich, das dies noch niemendem aufgefallen zu sein scheint. Jedoch leidet die Qualität der Stimmen nicht unwesentlich darunter.
Auch ist dieser Effekt bei anderen Hörspielen von Titania-Medien, etwa dem aus vier Teilen bestehenden Dracula-Hörspiel ebenfalls zu beobachten.
So richtig fällt einem der Unterschied erst bei einem Vergleich zur Doppelfolge "Spuk in Hill House" auf. Denn dort hat man die vier Hauptsprecher zu einer gemeinsamen Aufnahme in ein und das selbe Studio geholt, so daß die Stimmqualität stets die selbe bleibt.
Das ist aber nun wircklich der einzige Kritikpunkt. Deshalb auch die volle Punktzahl für drei gute Geschichten und deren sehr gute dramaturgische Umsetzung.
Box 1 (Folge 1-3)