So unglaublich schlimm wie die Vorkommnisse gewesen sein mögen, die Kinder/ Jugendliche dazu veranlassen, einander abzuknallen, so absolut propagandistisch und scheinheilig ist dieser Film geworden. Und das, obwohl der "großen Wahrheit" in einigen wenigen Szenen doch sehr nahe gekommen wird.
Das Problem ist nicht die "Waffenhysterie" oder gar "Doppelzüngigkeit" der amerikanischen Waffenlobby oder eines Charlton Heston, der hier als Opfergaul vorgehalten wird. Das Problem ist auch nicht die Unsinnigkeit der amerikanischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die allein erziehende Mütter in eine Arbeit zwängt und die Kinderlein alleine und unbeschützt zurücklässt. Es handelt sich zwar um sehr unschöne Vorkomnisse des american way of life, aber diese Tatsachen führen noch lange nicht zu mordenden Schülern und Strassenkämpfen. Es ist auch nicht die Schuld von Wal-Mart oder K-Mart, die ebenso werbewirksam vorgeführt werden wie Hollywoods Elite.
Ich irre? Oh nein. Das "Problem", die "große Wahrheit" schimmert dann durch, wenn Michael Moore nach Kanada reist: genauso viele Waffen, genau der selbe Drang, seine "Bürgerrechte" anzuwenden ( also ein Recht auf Selbstverteidigung ) wie in den USA. Im Grunde sind es die selben Ideologien, die zum allgemeinen Waffenbesitz führen. Und kanadische Staatsbürger bringen es auf den Punkt( ich fasse zusammen ): die Amis sind aufgestachelt, verunsichert und hysterisch. Sie werden von den Medien (aha) und der Politik ( nochmal aha ) manipuliert und in Angst+Schrecken versetzt. Sie überrennen fremde Länder und wundern sich über den Gegenwind. Sie propagieren Waffengewalt, Terror und schreien aber permanent nach Selbstverteidigung und verdächtigen jeden, ein Verbrecher zu sein. In den NEWS nur Gewalt, Morde, leere Phrasen und dumpfe Gebete.
Für die Kanadier liegt es auf der Hand: die USA züchten sich die Verbrecher von morgen. Und das System dieser politisch-medialen Erziehung sorgt für klingelnde Kassen.
Welches Resumee zieht Michael Moore daraus? Gar keins. Er verfolgt diese "heisse Spur" nicht einmal. Er erkennt an, dass die Kanadier ja schon immer ein "jagendes Volk" gewesen seien. Und marschiert schnurstracks zu Charlton Heston, um diesen "Irren" zur Rede zu stellen. Weil dieser es gewagt hat dort aufzutreten, wo ein Kind ein Kind ermordet hat. Na bitte, Amerikas Waffenverbrecher hat endlich ein Gesicht: Charlton Heston. Und dieser alte Irre hat nichtmal das Vertständnis dafür, sich für sein "Fehlverhalten" zu entschuldigen.
Dabei ist doch folgendes ganz klar: wozu sollte er sich entschuldigen? Er nimmt sein Recht in Anspruch, wie es in der amerikanischen Verfassung vorgegeben wird. Er propagiert nicht, alle Farbigen oder Hispanics abzuknallen. Er will nur seine Waffe im Schlafzimmer stehen haben. Für den Fall, dass.......und DIESE Einstellung killt niemanden, wie Moore am kanadischen Beispiel selbst vorgeführt hat.
Statt dessen quält uns Michael Moore mit der ewigen Frage, ob Farbige nun aggressiver seien oder nicht und wie diese Menschen in Amerika vorverurteilt werden. Auch hier könnte er der Frage nachgehen, inwiefern die Medien für Hysterie und Ungleichheit sorgen, aber er sitzt lieber bei Herrn Heston und spielt den Gutmenschen. Die Frage der Rolle der Medien wird in keiner Weise aufgegriffen, die Manipulatoren werden nicht entlarvt. Keine empörten Auftritte bei CNN, FOX und Konsorten.
Dafür haben wir jetzt drei Feindbilder, die an allem Schuld sind: Charlton Heston, K-Mart und Wal-Mart.
Dann noch ein Wort zur deutschen Bearbeitung des Films.
Charlton Heston gibt vor, die Amerikaner hätten eh sehr viel Blut an den Händen. Mehr als andere Völker ( wie recht er da hat...).
Michael Moore hakt nach, ob diese Aussage sein ernst sei, und bringt Deutschland und England als Beispiele. Er führt noch an, die Engländer hätten ja für 300 Jahre die Welt dominiert und bestimmt auch jede Menge Blut an ihren Händen, und Charlton Heston stimmt ihm zu.
Doch was gibt der deutsche Untertitel in der TV-Ausstrahlung her? "die Deutschen haben weniger Blut an den Händen?" und Charltons Antwort "nein, die schon".
Interessant ist es dann zu sehen, dass die Aussage über Englands 300jährigen Terror korrekt übersetzt wurde. Nur im TV fehlt sie völlig, der Satz wurde einfach nicht mit eingeblendet. Da hat das BRD-Politbüro mal wieder beste Arbeit geleistet. Hört und lest: "die Deutschen" haben das meiste Blut an den Händen. So ists dann auch fürs Deutsche TV korrekt und historisch offenkundig....
Diese Dokumentation zeigt in die richtige Richtung, aber Michael Moore ist dann doch ein Wendehals und geht der heissen Fährte in Richtung Massenmedien und Manipulation nicht nach. Er bedient lieber wieder die abgenutzten Rassenfragen und führt alte Männer vor, die auch nur ein Produkt ihrer eigenen Zeit sind.
2 Sterne. Schade.