Wer bin ich? Wohin will ich? Was ist der Sinn? Für wen arbeite ich? Wie sehen meine Vorgesetzten mich? Was treiben meine Vorbilder eigentlich, ohne das ich es weiss? Wem nutzt was ich tue?
Das Bourne Ultimatum passt so hervorragend in die heutige Zeit! Schnellebigkeit, Technisierung, Entfremdung, Entmenschlichung.
Hunde, wollt ihr ewig leben? Das fragte schon der alte Fritz seine Soldaten. Interessantes Menschenbild, Soldaten sind Hunde?! Dressieren, gehorchen und falls sie nicht funktionieren, werden sie ausgesetzt oder eingeschläfert.
Jason Bourne (Matt Damon) hatte mal eine Hundemarke, Dog Tag heisst das auf amerikanisch. Auf der steht sein echter Name. Und die liegt im CIA-Büro in New York City. Dort muss er hin, um seinen Schöpfer zu treffen, seine wahre Identität und Bestimmung herauszufinden. Klingt philosophisch. Sieht aber aus wie ein furioser, zeitgemässer und innovativer Actionthriller. Handwerklich sind die drei bisherigen Teil von Luddlums Romanverfilmungen wegweisend. Mein Favorit ist Teil 2, die Bourne Verschwörung. Und wenn's nach mir gehen könnte, hätten es auch etwas weniger verwackelte Handkamera-Szenen sein dürfen.
Mit James Bonds Idylle oder Mission Impossible hat Boune praktisch nichts gemein. Die Bourne-Filme wirken glaubwürdig und echt. So ähnlich wird wohl das echte Leben eines Agenten aussehen: kalt, hektisch und die Gewalt ist nie cool, sondern kommt aus dem Nichts und ist hässlich.
Schauplätze auf der ganzen Welt, dieses Mal etwa Russland, England, Marokko und die USA, Hightech, echte Verfolgungsjagden statt seelenloser CGI-Materialschlachten, spektakuläre Stunts, eine kluge Handlung und ein überragender Hauptdarsteller. Das Besondere an Matt Damon ist, dass er nicht dem überholten Klischee eines Actionhelden entspricht. Das ist ein radikalerer Bruch, als damals Ende der 80er, als Bruce Willis die alte Garde Stallone, Schwarzenegger und Co. ablöste. Damon hat ein Allerweltsgesicht, somit fällt die Identifizierung mit seiner Figur leichter. Und sorgt für ein mulmiges Gefühl. Jeder könnte ein Killer im Auftrag einer anderen Nation sein. Verschwörungstheorien können nach dem Abspann (der Song am Ende des Films, "Extreme Ways" von Moby ist eine Sensation!) weitergesponnen werden.
Die Auflösung der Story mag manchen Zuschauer enttäuschen, ich finde sie gelungen! Bourne droht zuerst etwas an Sympathie zu verlieren, aber am Ende mag man ihn dann doch wieder. Man ist nicht mehr allein.
Ach ja, Daniel Brühl hat auch mitgespielt. Franka Potente hat mehr Eindruck hinterlassen.
In einer Zeit, in der man nicht mehr weiss, wem man noch vertrauen kann, in der es an moralisch intakten Vorbildern mangelt, kann es wohl keinen treffenderen Film als das Bourne Ultimatum geben. Leute, wir sind eure Welt so satt! Wir wollen keine Lügen mehr! Gebt uns etwas Echtes!
Dreht Bourne Teil 4. Wenn man das Kino retten kann, dann ist noch Hoffnung, das auch der Rest der Welt ein besserer Ort werden kann...