Regelrechte Begeisterungsstürme löste die Nachricht bei mir aus, daß John Powell auch die Fortsetzung der "Bourne Identity" vertonen würde. Nun liegt das Ergebnis - "The Bourne Supremacy", zu deutsch "Die Bourne Verschwörung" - auf einem Varese-Silberling vor, der mit 45 Minuten Score plus Mobys "Extreme Ways" (das übrigens einen überraschend passenden Abschluß der CD bildet) zwar etwas kürzer, aber keineswegs schlechter als der Vorgänger geraten ist. Powell übernimmt hier zwar manche Themen und Elemente aus dem Vorgänger, zeigt aber damit, dass ebendiese ein wesentlicher Bestandteil des Bourne-Charakters sind. So taucht das Streicher-Thema ebenso wieder auf wie das Oboen-Thema (letzteres jedoch nur kurz). Beide werden im Verlauf des Score zu neuen, wundervollen Melodien ausgebaut. Elemente wie der "Hotel Regina"-Rhythmus und das "Treadstone Assassins"-Arrangement tauchen ebenfalls wieder auf, werden aber wunderbar neu instrumentiert und ausgearbeiten und durch eine Vielzahl neuer, wunderbarer Elemente und Ideen ergänzt. Für alle, die den Vorgänger nicht kennen: "The Bourne Supremacy" bietet den Orchesterklang des Hollywood Studio Symphony, gepaart mit exzessiven, vielfältigen und abwechslungsreichen Rhythmen, Gitarrenklängen gespielt von Powell selbst und George Doering und allem was die moderne Studiotechnik an Effekten, Percussions und Synthieklängen zu bieten hat. Das ganze äußerst versiert abgemischt ergibt einen mal hektischen, mal ruhigen oder sogar atmosphärischen und auf jeden Fall mitreißenden Score-Genuß, der qualitätiv nahtlos an seinen Vorgänger anschließt. Ergo: "The Bourne Supremacy" ist begeisternde Actionthrillermusik mit absoluten Höhepunkten wie "Goa" (klingt irgendwie nach Flamenco), "New Memories" (die Bourne-typische Oboe spielt ein Hauptthema), "Bim Bam Smash" (genialer musikalischer Steigerungslauf) und "Atonement" (wunderbar ruhige Version des Hauptthemas) und mit europäischem Flair. Sie wird nie langweilig und bietet durchweg interessante Elemente und Sounds. Powells Musik schlägt am Puls der Zeit und gehört für mich mit zum Besten, was die gegenwärtige Filmmusiklandschaft zu bieten hat. Ein absolutes Muß für Fans und aufgeschlossene Musikfreunde.