Vorneweg: "Structures II" habe ich bis heute nicht verstanden. Insofern enthalte ich mich bezogen auf dieses Stück. Aber sein Opus 1 ist eine Offenbarung. 12 mehr oder wenige kurze Ideen für Klavier, die Jahrzehnte später eine Keimzelle für orchestrale Ausdeutungen wurden (die "Notations" sind in dieser Fassung der boulezsche Gassenhauer für zwischendurch) und so perfekt gebaut sind, dass man kaum glauben mag, dass Boulez damals noch richtig jung war (wobei er wahrscheinlich immer ein wenig alt gewirkt hat, auch damals schon, dafür heute wiederum sehr viel jünger erscheint). Es ist der seltene Fall von wirklich komplizierter Klaviermusik, die mir absolut zusagt und mit etwas Übung nachvollziehbar ist (und die Übung könnte darin bestehen, Schönberg oder Berg zu hören). Dann dieses irre, wirre Flötenstück im Spätstil: Nicht gerade meine Lieblingsmusik von ihm (das sind vielmehr "Repons" bzw. das klingelingelige "Sur Incises"), eine kurzweilige Bereicherung ist es allemal. Boulez schafft eine hohe musikalische Dichte, ohne ein Zuviel an Information zuzulassen. Weder wirkt das überladen noch zu transparent, und doch kann man sich nur wenige Takte wirklich merken (zumindest als Laie, der ein Stück wie dieses beim Hören nicht gleich analysiert, weil er es auch gar nicht könnte).