Es ist immer wieder amüsant, die Orchesteralben von Zappa unter der Rubrik 'Rock-Pop' zu finden. Klar, der war ja Rockstar und Gitarrenheld. Dieses Album enthält zur Hälfte Orchesteraufnahmen sowie Computermusik, beides meilenwert entfernt von o. g. Rubrik.
Der Dirigent Pierre Boulez dürfte in seiner Reputation als Dirigent (wie auch Komponist) wohl kaum anzuzweifeln sein. Das ensemble intercontemporain bewegt sich ebenfalls auf allerhöchstem Level (ähnlich dem ensemble modern, daß Zappa am Ende noch einmal spätes Komponistenglück bescherte). Titel einer Rezension seinerzeit war 'Begräbnis erster Klasse', worin sich die übliche Kritikerarroganz ausdrückte gegenüber einem Rockstar, der ja als solcher wohl kaum zu 'ernster Musik' in der Lage sein könnte. Wie man auch immer die Musik beurteilen mag, hier hat man es ohne Frage mit der schwierigsten und anspruchvollsten Facette in Zappas Musikkosmos zu tun.
Im Gegensatz zu früheren Alben mit Orchesterbeteiligung hört man hier glasklare Digitalaufnahmen, die jedes Detail der Musik bis ins Kleinste durchhörbar machen. Im Jahr 1983 gehört 'digital' noch fast in den Bereich der Pionierleistung, umso mehr können wir uns heute darüber freuen ('orchestral favourites' und '200 motels' kommen da leider nicht mit).
'Naval aviation in art' kennen wir schon von beiden eben genannten Alben, auch 'dupree's paradise' ist schon bekannt, allerdings als spektakuläres Jazzrockstück, daß Zappa später auf 'You can't... Vol. 2' veröffentlichte. Hier ist es eine obskure Konstruktion von Klängen mit seltsamer Schönheit.
Die Stücke, die Zappa mit seinem Synclavier automatisch abspielen läßt bewegen sich musikalisch wohl in der Nähe zu den Orchesterstücken, haben aber klanglich auch ihren ganz eigenen Charakter. Speziell das letzte Stück 'jonestown' ist eine diabolische Klangorgie mit Endzeitcharakter und weist damit schon auf sein spätes Meisterwerk 'civilization phaze III' hin, ebenfalls ein Synclavieralbum.
Ich bin sicherlich nicht in der Lage, eine adäquate Beurteilung zappascher Kompositionen zu leisten, das überlasse ich lieber jenen, die das können (also Leuten, die selbst Musik machen). Ich finde die Musik jedoch überwältigend, wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat. Ich würde statt einer Beerdigung eher von einer Elefantenhochzeit sprechen, wenn ich mir das Treffen dieser beiden Giganten anhöre. Im Endeffekt muß das jeder selbst entscheiden, mehrheitsfähig ist dieses Album wohl in keinster Weise.
Wermutstropfen ist die kurze Spielzeit des Albums mit knapp vierzig Minuten. Während Zappa im Laufe der Jahre noch einiges an Synclavieraufnahmen veröffentlichte, müssen wir uns leider bisher mit wenig mehr als zwanzig Minuten mit Pierre Boulez begnügen. Da hätte ich gerne noch mehr davon (vielleicht ist da ja noch was im Keller zu finden...).
Fazit: Zwei Schwergewichte produzieren schwere Kost - wunderschön.